LUXEMBURG
CORDELIA CHATON/PATRICK WELTER

25 Jahre EU-Programm für grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Redingen war gestern der Schauplatz einer ganz besonderen Veranstaltung. Mit einer umfangreichen Pressekonferenz beging man dort den Auftakt des 25. Geburtstags von „Interreg“ . Als Gäste waren unter anderem Corina Cretu, EU-Kommissarin für Regionales und Stadtentwicklung, sowie Nachhaltigkeitsminister François Bausch und sein Staatssekretär Camille Gira erschienen.

Das Geburtstagskind allerdings sagt vielen nichts. Interreg ist eines jener europäischen Akronyme, die viele schon mal gehört haben, aber kaum jemand versteht. Was umso bedauernswerter ist, weil sehr viele EU-Bürger davon profitieren; vor allem in Luxemburg. Denn Interreg fördert Programme, wenn die Partner aus mindestens zwei EU-Ländern kommen. Via Interreg hat die EU bislang mehr als hundert Millionen Euro bereit gestellt.

Drei Beispiele für Interreg in Redingen

Vor Ort ging es um die ganz pragmatische Umsetzung solcher Projekte. Drei von ihnen wurden als gelungene Beispiele grenzüberschreitender Kooperation zwischen Frankreich, Belgien, Luxemburg und Deutschland präsentiert. Deshalb trafen sich die Politiker auch in Redingen an der Grenze zu Belgien.

Zum einen ist da das Pôlénergie-Projekt, bei dem es um erneuerbare Energie geht. Die Bevölkerung wurde durch Kurse und Veranstaltungen sensibilisiert, ein Energieberatungsservice eingerichtet und Dämm- und Baumaterial in einem Energiehaus ausgestellt. Passend dazu gibt es einen „energy tour“-Wanderweg, der an lokalen Einrichtungen zum Thema wie Biogasanlagen, Windkraftanlagen und Passivhäusern vorbei führt.

Zum zweiten wurde das Projekt Vallénergie präsentiert. Dabei geht es den Veranstaltern darum zu zeigen, wie Gemeinden vor Ort unabhängig vom Strom werden können - dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund des umstrittenen lothringischen Atomkraftwerks Cattenom. Dazu wurden Energiebilanzen von Häusern und Gemeinden vor Ort erstellt, eine lokale grüne Energieeinkaufsgemeinschaft gegründet und eine Studie über grenzüberschreitenden Energieaustausch erstellt.

Das dritte Projekt namens Aquafil beschäftigt sich mit der Qualität von Wasser in Flüssen und baut auf bestehende, grenzüberschreitende Wasserpartnerschaften auf. Dabei geht es um die Umsetzung der Wasserdirektive auf lokalem Niveau - beispielsweise durch Regenwasser, das für die Landwirtschaft, Toilettenspülungen aber auch zur Grundwasseraufbereitung genutzt wird. Darüber hinaus verwiesen die Veranstalter auch auf den grenzüberschreitenden Wanderweg.

Die Projekte überzeugten Bürger wie Politiker gleichermaßen. Sie werden den Zielen von Interreg gerecht: Vertrauen bilden, Menschen und Landschaften verbinden, zu einer gesunden Umwelt beitragen, die Lebensbedingungen verbessern und Wachstum fördern.

Bewährtes Instrument

„Interreg ist zu einem verlässlichen Instrument geworden. Heute gibt es mehr als hundert Programme“, betonte die EU-Kommissarin Cretu. „Die Feiern heute und morgen bieten eine ausgezeichnete Gelegenheit, Erfolgsgeschichten und Erreichtes zu teilen.

Sie erinnerte an die Geschichte. Denn bei der Einführung des Interreg-Programms ging es vor allem darum, Ängste vor dem Binnenmarkt auszuräumen und eventuelle Nachteile abzufedern.

Luxemburg ist Gründungsmitglied von Interreg und besonders interessiert, weil es aufgrund seiner Größe quasi nur aus Grenzregionen besteht.

Geburtstagskonferenz in Esch/Belval

Eine zweitägige Konferenz rund um den 25. Geburtstag der Interreg-Programme in den Räumen der Universität in Esch/Belval eröffnete den Tag der Europäischen Zusammenarbeit. In der Einladung der luxemburgischen Regierung hieß es dazu: „Das Ziel dieser Konferenz ist es auf die Geschichte von Interreg zurückzublicken, zu erkunden was Interreg bewirkt hat. Es soll eine globale Perspektive auf territoriale Zusammenarbeit vermittelt und über Zukunftsvisionen für europäische Regionen/Europa und der Rolle von Interreg diskutiert werden.“

Heute geht es bei der Fortführung der zweitägigen Feiern um die globale Perspektive für grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Afrika und Lateinamerika, aber auch um Visionen für die Zeit bis 2040: Wie kann, wie sollte Interreg sich entwickeln? Auch die Umgestaltung von Belval wurde zum Teil von Interreg finanziert . Die Schlussfolgerungen der Konferenz werden in die Sitzung des Europäischen Rates für Allgemeine Angelegenheiten am 13. Oktober einfließen.
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