NIC. DICKEN

Die Einstellung, die Laurent Schonckert als Chef der größten Handelskette in Luxemburg am vergangenen Samstag im Rahmen der RTL-Sendung „Background am Gespréich“ an den Tag legte, war bemerkenswert gleich in mehrfacher Hinsicht. Besonders die Art und Weise, wie er die scheinbaren Gegensätze einer kostenorientierten und gleichzeitig arbeitnehmerfreundlichen Geschäftsführung auf einen Nenner zu bringen vermochte, überzeugte viele Zuhörer, wohl nicht zuletzt auch in den Reihen von Unternehmensführern, die sich mit diesem Spagat oft genug schwer tun.

Die Äußerungen verdienen Aufmerksamkeit vor allem, weil sie nicht nur klar und verständlich vorgetragen wurden, sondern auch mit gebührender Bedachtsamkeit gewählt wurden und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein offenbarten, das in Unternehmerkreisen noch längst nicht zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Schonckert ließ einerseits keinen Zweifel daran, dass es sich bei der von ihm geführten Handelskette mit ihren rund 4.000 Mitarbeitern um ein gewinnorientiertes Unternehmen handelt, das sich in einer immer schwierigeren Wettbewerbslage behaupten muss, vermittelte andererseits aber auch die klare Botschaft, dass gut funktionierende Betriebe auch auf eine möglichst hohe Kaufkraft der Bevölkerung angewiesen sind, die gewissermaßen das Schwungrad des Wirtschaftslebens darstellt.

Schonckert grenzte sich mit seinen Aussagen deutlich, wenn auch wohl eher unbewusst, gegenüber einem anderen Unternehmensleiter ab, der zu Beginn der vergangenen Woche hart, bestimmt und kalt eine neue Weichenstellung für ein großes Medienhaus verkündete und sich dabei weitaus weniger um moralische Bedenken und die sozialen Anliegen seiner Beschäftigten sorgte, als vielmehr um einseitige finanzielle Erwägungen, die man nicht unbedingt mit dem selbsterklärten Daseinszweck dieses im kirchlichen Besitz befindlichen Betriebes in Verbindung bringen würde.

Dass dieser Mann zudem seit Jahren als Vorsitzender des luxemburgischen und des europäischen sowie als Vizepräsident des internationalen Caritasverbandes tätig ist, lässt sein Vorgehen in einem noch zweifelhafterem Licht erscheinen. Mit sozialer Verantwortung, die von diesen Wohltätigkeitsorganisation ins Fenster gestellt, wird, hat diese Handlungsweise nur noch sehr wenig zu tun, umso mehr als der dekretierte Personalabbau kaum Rücksicht auf die Familiensituation vieler Mitarbeiter nahm, sondern vorrangig und einseitig auf die finanzielle Genesung des Betriebes ausgerichtet war, der in der Vergangenheit beträchtliche materielle Werte in den Schoß der Mutter Kirche eingebracht hat. Dabei waren in der Vergangenheit wohl weniger die Journalisten und technischen Mitarbeiter des Hauses verantwortlich für den finanziellen Schlamassel, der über die Jahre angehäuft wurde, sondern vielmehr eine macht- und geldbewusste Führungsmannschaft, deren Fehlentscheidungenie an den Pranger gestellt wurden. Verantwortliches Unternehmertum, geradeauch im Namen der Kirche, stellt man sich anders vor.