LEUDELINGEN
CORDELIA CHATON

Marianne und Viviane Welter führen die Spedition, die ihr Vater gegründet hat

Logistik gilt als hartes Geschäft. Viele denken dabei an Männer. Die Spedition Arthur Welter wird allerdings von zwei Frauen geleitet. Marianne und Viviane Welter kümmern sich um rund 500 Mitarbeiter, 350 Lastwagen und viele Sorgen. Dabei hatten sie beide anfangs nicht an eine Karriere im Familienunternehmen gedacht.

Wie sind Sie in die Geschäftsführung gekommen?

Viviane Welter Eigentlich wollte ich dort anfangs gar nicht hin. Ich war erst bei IBM und dann bei Schenker im Bereich Luft- und Seefracht. Nach rund vier Jahren war Schenker Mieter bei Welter, damals noch in Cessingen ansässig. Mein Vater, der das Unternehmen aufgebaut hat, hat nie gedrängt. Ich war damals 29 Jahre alt und froh, dass es keinen Druck gab. Wir sind mit dem Unternehmen aufgewachsen. Im Urlaub mussten wir immer mithelfen. So haben wir nach und nach alles Mögliche erlebt. Zu Hause ging es auch in den Gesprächen bei Tisch immer um den Betrieb; der ging vor. Meine Eltern nahmen keinen Urlaub. Wir fuhren dann mit der Oma in den Schwarzwald.

Marianne Welter Ich habe nach der Schule eine Lehre als Speditionskauffrau im Saarland gemacht. Danach bin ich hierher zurückgekommen. Studieren wollte ich nicht. Hier kann ich mein eigener Chef sein und habe viel Verantwortung.

Wie haben Sie sich die Aufgaben aufgeteilt?

Viviane Welter Ich kümmere mich um den internationalen Bereich. Marianne macht alles, was nationale Logistik angeht. Wir haben auch eine Niederlassung in Bratislava, wo 80 Mitarbeiter sind. Das war aufgrund der hohen Lohnkosten in Luxemburg notwendig. Wir brauchen ja Rentabilität für den Gewinn. Heute laufen 80 Prozent unserer Transporte international. Deshalb haben wir auch ein Büro in Amsterdam und weitere in Hahn, Belgien und Frankreich.

Wer gehört zu Ihren Kunden?

Marianne Welter Das ist sehr verschieden. Wir haben breit aufgestellte Kunden, die vor allem Qualität wollen. Dafür sind sie auch bereit zu zahlen. Was den Bereich Luftfrachtersatzverkehr angeht, arbeiten wir für Cargolux in Luxemburg und anderen Airlines im Ausland. Da waren wir die erste Spedition in Luxemburg und gehören immer noch zu den Marktführern.

Greift Ihr Vater noch ins Geschäft ein?

Marianne Welter Wenn er in Luxemburg ist, verbringt er die meiste Zeit im Betrieb. Er geht dann gern in die Werkstatt und kümmert sich um den Einkauf von Material. Das ist sein Steckenpferd.

Planen Sie die Weitergabe des Unternehmens innerhalb der Familie?

Viviane Welter Meine Mädchen sind 13 und 17 Jahre alt und noch ein bisschen zu jung.

Marianne Welter Mein Sohn ist noch jünger. Da haben wir noch Zeit.

Sie beschäftigen rund 500 Mitarbeiter. Erhalten Sie durch die hohen Arbeitslosenzahlen mehr Bewerbungen?

Marianne Welter Wir hatten immer viele Bewerbungen. Vielleicht hat das seit der Krise 2008 noch zugenommen. Aber es ist ein Problem, gute Leute zu finden. Die müssen die Ladung sichern, den Materialverbrauch kennen und uns in Sachen Pünktlichkeit und Erscheinungsbild beim Kunden angemessen repräsentieren.

Ihr Geschäft profitiert aber sicher von den niedrigen Benzinpreisen?

Marianne Welter (lacht) Im Moment ist das günstig. Aber die Kunden wollen dann einen Nachlass. Wenn die Preise steigen, wollen sie allerdings nicht mehr bezahlen.

Wie läuft Ihr Geschäft?

Viviane Welter Wir haben im Moment sehr viele Ladungen, viel mehr als sonst, und auch der Internethandel trägt viel zu dem Boom bei.

Marianne Welter Wenn ein Kunde in Deutschland eine Sauna bestellt und diese dann durch einen unserer Partner bei uns in Leudelange landet, dann muss die Ware ja irgendwie zu ihm hin. Durch diesen Verlauf kann man sagen, dass Internet auch für unser Geschäft gut ist. Wir machen hier alles selbst und wachsen sukzessive mit den Stammkunden.

Wie kann sich ein Logistikunternehmen im Hochlohnland Luxemburg halten?

Viviane Welter Unsere Kunden sind bereit, mehr zu zahlen. Die haben ganz genaue Anforderungen. Wir sind kein Billigdienstleister. Wir kennen unsere Kunden genau und können deren Ansprüchen gerecht werden. Insgesamt spielen wir im Mittelfeld. Das gibt es ja auch. Vor allem unsere Hauptkunden bleiben uns treu; kleinere wechseln leichter.

Sie sind beide Unternehmerinnen. Was würden Sie ändern, wenn Sie könnten?

Beide Die Verwaltung! Das ist wirklich eine große Last für ein Unternehmen.