LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

„Macrostructure“ von Eric Schockmel im Untergeschoss des Casino Luxembourg

Die gewölbten Kellerräume des Casino Luxemburg heben sich architektonisch wegen ihrer fensterlosen Räumen vom übrigen Teil des Forums für zeitgenössische Kunst ab. Steig man unmittelbar hinter der Eingangstür ein Dutzend Stufen hinab ins Untergeschoss des historischen Gebäudes, empfängt einen die ewige Dunkelheit und eine gespenstische Stille, die nur ab und an durch die artifiziellen Lichtquellen und Sounds einer Kunstinstallation durchbrochen werden.

Bis zum 4. Januar zeigt das Casino Luxembourg Eric Schockmels Installation „Macrostructure“, die filmische Dokumentation einer virtuellen Produktion von Atomen. Die auf die verschieden Kellerräume verteilte Installation ist die Weiterführung von Schockmels Kurzfilm gleichen Namens, den er im Summer 2013 in Angriff genommen hat und mit dem er zwischenzeitlich schon zu einigen Festivals eingeladen wurde. „Wenn der Betrachter die einzelnen Räume in der richtigen Reihenfolge betritt, sieht er eine eins zu eins Kopie des Kurzfilms“, unterstreicht der Luxemburger. Nur muss der Betrachter hier die einzelnen, verstreuten Filmschnipsel im Kopf zu einer Unität zusammenfügt.

Die Idee, die Physiognomie des „Macrostructure“-Films zu ändern, ihn in einzelne, sich endlos wiederholende Sequenzen zu zerlegen und diese auf mehrere Räume zu verteilen kam dem in London lebenden Schockmel, als er in eben jenem Casino-Untergeschoss die „Underground“- Installation von Gast Bouschet und Nadine Hilbert besuchte.

Den Keller des Casinos könne man durchaus als Erweiterung seiner Animationswelt betrachten, gibt Schockmel zu verstehen.

Chat-Protokolle zum Nachlesen

Im ersten Raum kann man Chat-Protokolle nachlesen, die die Konversation zwischen Schockmel und Chatbots enthalten. Auf die stets sich wiederholende Frage „What If You Created Artificial Life And It Started Worshipping You?“ spucken die Programme äußerst verblüffende Antworten aus. Die Chatbots würden sich sehr nah an artifizieller Intelligenz bewegen, kommentiert Schockmel seine Entscheidung, mit den Chatbots zu kommunizieren

Der Betrachter tritt anschließend in ein Cyber-Universum ein, in dem von einer künstlichen Intelligenz gelenkte Maschinen, den physischen Gesetzen der realen Welt trotzend, Atome im Akkord produziert werden. Es sei im wichtig, ein System zu beschreiben, das er im Kopf gehabt habe und dem eine gewisse Logik innewohne, fasst der Wahl-Londoner die Idee hinter seiner virtuellen Produktionslinie zusammen. Referenzen an Science-Fiction-Filme und Computer-Games spicken die gesamte Installation. Wer denkt nicht an Kubricks Superrechner HAL 9000, wenn auf einer der Leinwände ein Roboterarm mit einer roten Augenlinse durchs Bild saust?

Der Soundtrack zum schwebenden Cyber-Universum setzt sich aus Gratis-Soundware zusammen, auf die Schockmel im Internet gestolpert ist. Hat er nie mit dem Gedanken gespielt, einen Soundtrack für die Installation in Auftrag zu geben? „Es ist eine Kostenfrage. Des Weiteren möchte ich die Kontrolle über das gesamte Projekt behalten“, erklärt der Luxemburger. „Macrostructure“ ist die erste Episode eines Kunstprojektes, das Schockmel in den kommenden Monaten fortführen wird.


www.ericschockmel.net; www.casino-luxembourg.lu