Drei ernstere und vier lockere Fragen haben wir einer Reihe von Politikern in diesem Sommergestellt. Befragt wurden neben den neuen Abgeordneten auch die Fraktionsvorsitzenden bzw. Gruppenanführer der im Parlament vertretenen Parteien sowie die Parteipräsidenten resp. Parteisprecher. Als neue Abgeordnete zählen auch diejenigen Politiker, die vielleicht schon einmal in einer Regierung, aber noch nie in der Abgeordnetenkammer saßen.
Sam Tanson ist die Präsidentin von „déi gréng“, erste Schöffin und Gemeinderätin der Stadt Luxemburg und Rechtsanwältin.
Wie haben Sie die ersten sieben Monate in Ihrer neuen Funktion erlebt?
SAM TANSON Die Rolle der Parteipräsidentin hat sich definitiv verändert, da nun drei verschiedene Ebenen (Minister, Abgeordnete, Parteibasis) miteinander funktionieren müssen und wir auch als Partei einen Findungsprozess durchlebt haben. Die ersten Monate waren schon ziemlich intensiv, vor allem da ich auch noch gleichzeitig das Mandat des ersten Schöffen der Stadt Luxemburg übernommen habe und meine Tochter da gerade mal 6 Monate jung war. Gute Mitarbeiter in Partei und Gemeinde, sowie die Unterstützung von verschiedenen Parteikollegen haben es mir jedoch erlaubt, mich gut in diese neuen Rollen einzuleben.
Was war in Ihren Augen das wichtigste politische Dossier in der zurückliegenden Kammersession?
TANSON Die neue Regierung hat in dieser kurzen Zeit schon eine Reihe wichtiger Akzente gesetzt, wie zum Beispiel im gesellschaftspolitischen Bereich die Homoehe. Als Meilenstein würde ich vor allem die Tram hervorheben. Jahrzehntelang wurde von diesem eminent wichtigen Projekt geredet. Es wurde immer wieder zerredet, doch die hervorragende Zusammenarbeit zwischen dem Transportminister und der Stadt Luxemburg in den letzten Monaten hat es uns erlaubt ,ein gänzlich verbessertes und nachhaltigeres Tramkonzept auf den Instanzenweg zu bringen. Die Tram wird die Lebensqualität in der Stadt noch um vieles verbessern!
Welches sind für Sie die Prioritäten für die Rentrée?
TANSON Ohne Zweifel die bevorstehenden Referenden. Luxemburg leidet unter einem sehr großen demokratischen Defizit, da fast die Hälfte der Bürger nicht an Nationalwahlen teilnehmen darf. Es ist eine delikate Frage, sie muss jedoch thematisiert und auch mit dem Bürger debattiert werden. Ich habe Vertrauen in unsere Mitbürger, dass diese Debatte konstruktiv geführt werden kann und würde unserem Land sehr wünschen, dass es die Offenheit hat, den Ausländern via Referendum das aktive Wahlrecht zuzugestehen.
Wohin fahren Sie in den Urlaub und warum?
TANSON Ich war ein paar Tage mit meinem Sohn in Paris, um ihm die Stadt zu zeigen, in der ich studiert habe. Demnächst fahren wir nach Südtirol, zum Wandern, es gibt nichts Schöneres für mich als nach einer ausgiebigen Wanderung oben auf dem Gipfel anzukommen und Südtirol ist eine Gegend die nicht nur wunderschön sondern auch herzlich im Empfang ist. Anschließend fahren wir nach Korsika, wo abermals Wandern und (ein wenig) Strand auf dem Programm stehen. Hierhin fahren wir nicht nur wegen der Schönheit der Landschaft, sondern auch weil die Familie meines Lebenspartners dort Urlaub macht und wir es genießen, ein paar Tage alle zusammen zu verbringen.
Was haben Sie sich in sportlicher Hinsicht für den Urlaub vorgenommen?
TANSON Neben dem vielen Wandern werde ich hoffentlich noch ein bisschen Energie zum Laufen übrig haben.
Welche Bücher planen Sie im Urlaub zu lesen?
TANSON Ich möchte gerne Thomas Piketty’s Buch „Le capital au 21e siècle“ zu Ende lesen und werde mir noch einige Romane heraussuchen. Seit ich Kinder habe, bringe ich es jedoch leider nicht mehr fertig, so viel während des Urlaubs zu lesen.
Welche Musik hören Sie am liebsten?
Tanson Momentan viele Luxemburger (Kinder-)Lieder! Ansonsten mag ich Indie-Rockbands und französische Sänger, wie Arthur H oder Benjamin Biolay.


