LUXEMBURG MARCO MENG

Ein Wässerchen erobert die Welt

Wodka (dt. „Wässerchen“) zeichnet sich durch einen fast neutralen Geschmack und das Fehlen fermentierter Stoffe aus. Das Getränk erfreut sich nicht nur in Russland großer Nachfrage. Mit der SPI Group S.à.r.l. hat seit 2007 die Muttergesellschaft einer der meistgetrunkenen Wodkamarken, „Stolichnaya Premium Vodka“, in Luxemburg ihren Sitz. Wir sprachen mit dem Geschäftsführer Val Mendeleew.

Wann haben Sie zum letzten Mal Wodka getrunken?

Val Mendeleew (lacht) Vor zwei Tagen, abends in New York, wo ich auf einer Geschäftsreise war.

Wie ich sehe bieten Sie verschiedenste Sorten an

Mendeleew Oh ja, wir haben viele Sorten (geht zur Vitrine....) Unsere wichtigste Marke ist Stoli. Davon stellen wir 100.000 Flaschen pro Tag her, also jede Sekunde eine. Und auch diese Marke ist unterteilt in verschiedene Klassen vergleichbar wie bei Automodellen: Die Premiummarken sind wie ein Mercedes, während dieser „Elite“-
Stoli, der rund 3.000 Dollar kostet, vielleicht ein Bugatti ist. Davon stellen wir jährlich etwa 300 Flaschen her, und jedes Mal mit einem ganz besonderen Wasser: Dieser hier wurde mit Wasser aus dem Himalaya hergestellt.

Produziert wird in Russland?

Mendeleew Wir haben in Russland, bei Tambow, 2009 eine der modernsten Destillationen für etwa hundert Millionen Dollar errichtet - eines der alten Werke dort haben wir noch als „Backup“. Dort haben wir übrigens auch unsere eigenen Getreidefelder von 5.000 Hektar, etwa 85.000 Tonnen im Jahr kaufen wir hinzu; andere Wodkasorten werden aus Kartoffeln hergestellt. Insgesamt haben wir 80 verschiedene Wodkamarken. Die Premiumsorten werden in Tambow dreimal destilliert, dann geht es nach Riga, wo wir in einer Fabrik, die aus der Zarenzeit stammt, den endgültigen Wodka daraus herstellen. Daneben haben wir auch Liköre und Schaumweine - und seit einiger Zeit bemühen wir uns auch sehr um den Zukauf hochwertiger Weinmarken.

Sie wollen auf diesem Markt expandieren?

Mendeleew Ja. 2006 sind wir in den Weinmarkt eingestiegen mit dem Zukauf von Anteilen an drei Ultra-Premium-Weinmarken in Italien, als wir mit der Frescobaldi-Familie - einem der führenden italienischen Weinhersteller - unsere Partnerschaft begannen. 2011 sind wir in den argentinischen Weinmarkt eingetreten und haben Anteile am Hersteller des dort vielleicht bedeutendsten Weins gekauft. Erst vor ein paar Tagen erhielt ich das Weinrating des „Wines Spectator’s“, wofür jedes Jahr 10.000 Weine getestet werden. Mit einem argentinischen Wein belegen wir den Platz 73 von den hundert besten Weinen der Welt! Momentan bemühen wir uns auch um portugiesische Weine, und in den USA und in Spanien sind wir in Verhandlungen.

An Bier sind Sie nicht interessiert?

Mendeleew In der Tat haben wir sogar eine kleine Brauerei in Kaliningrad, die drei Biersorten braut, aber unser Fokus liegt klar auf Spirituosen und hochpreisigen Weinen. Hochpreisig deshalb, weil wir bei niedrigpreisigen gegen Massenhersteller konkurrieren müssten. Das wollen wir nicht. Wir legen Wert auf Qualität. Beim Wodka als auch beim Wein. Wir möchten eine Auswahl von ein paar wenigen hochwertigen Kategorien haben. Durch die Zukäufe der letzten Jahre haben wir beim Wodka von Gewinnung der Rohstoffe, über Produktion bis zum Vertrieb die ganze Kette erschlossen. Momentan gründen wir in den USA unseren eigenen Vertrieb und stellen Leute dazu ein.

Wie sieht es mit den Restriktionen aus?

Mendeleew Das ist ein Phänomen, das man in vielen Ländern trifft. Es ist zu begrüßen, dass man den Alkoholkonsum bei Minderjährigen einschränken will, aber wer trinken will, der wird trinken, und so spürt man auch trotz Verbote kein Nachlassen des Konsums. Was passiert ist nur, dass der Markt illegal produzierten Alkohols wächst.

Was ist ihr größter Markt?

Mendeleew Wir sind in 168 Ländern aktiv, unser größter Markt sind die USA, danach Kanada, Großbritannien, Österreich etcetera. Die USA auch deshalb, weil Stoli dort schon seit Sowjetzeiten ist, denn als Pepsi in den 1970er in die Sowjetunion expandieren wollte, öffneten im Gegenzug die Staaten den Markt für Solichnaya Wodka.