FaceTime, Skype und auch in den sozialen Netzwerken: Das Gesicht spielt in der heutigen Kommunikation eine herausragende Rolle - und damit auch die Haut, erklärt der Dermatologe Dr. Henning C. Dittmar, der seit 2002 in seiner Praxis in Esch-sur-Alzette Patienten empfängt. Auch das weniger häufige Vorkommen von so genannten „positionial goods“, also etwa Erkennungsmerkmalen an der Kleidung, die Rückschlüsse über den Stand oder den Rang einer Person zulassen, sowie eine immer häufiger informelle Kommunikationspraxis per „Du“ haben die Bedeutung der Haut enorm gesteigert.
Kein Wunder also, dass rund um die Hautpflege ein Milliardenmarkt entstanden ist. Das Einfallsreichtum der Hersteller begegnet uns dabei jeden Tag: Frauen anziehende Duschgels oder Deodorants, „Anti-Aging“-Produkte oder Cremes, die versprechen, der derma neues Leben einzuhauchen. „Jeder will perfekt aussehen“, resümiert der Facharzt diese Einstellung. Das Alter werde nicht mehr akzeptiert.
Vielversprechende Produkte
Auch die Medien mit ihrer immer stärkeren visuellen Ausrichtung tragen ihres dazu bei, dass ein makelloses Aussehen zur Pflicht geworden ist. Eine Branche, die von diesem Körperkult profitiert, sind die so genannten Cosmoceuticals, kosmetische Produkte also, die eine medizinischen Effekt versprechen, so wie beispielsweise Anti-Aging-Produkte. „Der entscheidende Punkt beim Anti-Aging ist der Sonnenschutzfaktor“, weiß Dr. Dittmar. Die meisten dieser Produkte setzten auf eine Mischung aus Sonnenschutz, Vitamin A, das für eine dünnere Haut sorgt sowie Vitamin C und E. Hinzu komme dann noch eine zusätzliche Komponente, um sich von den Produkten anderer Hersteller zu unterscheiden. „Die Basics sind fast immer dieselben“, sagt der Dermatologe, der über die Marketingstrategien der Branche bestens Bescheid weiß. So würden heute etwa viele Produkte mit Hyaluronsäure beworben, ein Bestandteil der Haut, der im Alterungsprozess abnimmt. Doch häufig seien die Moleküle in diesen Produkten zu groß, um überhaupt in die Haut eindringen zu können oder die Mengen sehr gering.
Die Haut ist das wichtigste Immunorgan
Doch was sind eigentlich die wichtigsten Funktionen der Haut? Im Gegensatz zu früher verstehe man die Haut heute nicht mehr als reine Hülle oder Schutzschicht des Körpers vor äußeren Einflüssen. „Heute versteht man die Haut als Immunorgan, als etwas Lebendiges, Flexibles, das aktiv mit der Umwelt interagiert“, erklärt Dr. Dittmar. An der Haut zeigen sich alle möglichen Allergiereaktionen: Von Pollen- über Kontakt- zu Nahrungsmittelallergien oder auch pseudoallergische Reaktionen. Wie es der Facharzt mit Georg Lichtenberg ausdrückt: „Die unterhaltendste Fläche auf der Erde für uns ist die vom menschlichen Gesicht“. „Wir sind deshalb heute mehr Immunologen als Dermatologen“. Der an der Universitätshautklinik in Freiburg im Breisgau ausgebildete Arzt hat sich auch deshalb für das größte Organ des Menschen entschieden, weil es ein sehr breites Fach ist und weitreichende Kenntnisse in anderen Disziplinen erforderlich sind. Ob die Verträglichkeit von Prothesen oder Implantaten, die Wechselwirkung von Medikamenten bei allergischen Reaktionen oder das Vornehmen von chirurgischen Eingriffen. Die Haut setze darüber hinaus eine ganzheitliche medizinische Herangehensweise voraus. Außerdem habe man es gegenüber anderen Spezialisierungen mit Patienten aller Altersklassen zu tun.
Vielfältige Belastungsquellen
Eine Belastung für die Haut sieht der Dermatologe unter anderem darin, dass sich die Menschen heute vor allem in Innenräumen aufhalten. Bei Passivhäusern würden etwa häufig die Konsequenzen für die Gesundheit vergessen. „Passivhäuser steigern die Allergiebelastung massiv“, so Dr. Dittmar, zum Beispiel durch das häufigere Vorkommen von Schimmelpilzen oder durch zum Einsatz kommende Klebestoffe.
Eine andere große Belastungsquelle stellen Haarfärbemittel dar. Früher vor allem auf die Zielgruppe Ü-60 ausgerichtet, werde der Umsatz heute vor allem bei jüngeren Frauen gemacht. Dabei kann der leichtfertige Umgang mit solchen Haut und Haar belastenden Produkten schlimme Nebenwirkungen haben. Das Europäische Schnellwarnsystem für Produkte RAPEX warnte etwa vor einem Jahr vor einem Henna-Haarfärbemittel, das in der Folge vom Markt genommen wurde. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung wies bereits auf ein Gesundheitsrisiko durch Haarfärbemittel mit dem Farbstoff p-Phenylendiamin hin. Auch im Urlaub ist Vorsicht geboten, bei Henna-Tattoos etwa. Denn die Folgen können drastische Ausmaße annehmen. Im Falle der beigemischten Substanz dürfen Betroffene etwa nicht mehr mit Gegenständen, die den Farbstoff enthalten, in Kontakt kommen, so dass auch berufliche Einschränkungen die Folge sein können.
Dr. Henning C. Dittmar ist Dermatologe, Venerologe und Allergologe. Mehr Infos unter www.drdittmar.lu


