LUXEMBURGPATRICK VERSALL

15 Kunstschaffende haben die Galerie Bradtke in ein Künstleratelier umgewandelt

Die junge Frau hält kurz vor dem Schaufenster inne. Etwas misstrauisch schaut sie durch das Glas, das ihre eigene Silhouette reflektiert und fixiert mit ihrem Blick ineinander verflochtene Bilderrahmen, an denen sich eine grelle Neonröhre entlang schlängelt.

„Die Passanten können uns bei der Arbeit zuschauen, das ist doch toll, oder?“. Nora Wagner steht neben der Installation, die zurzeit das rechte Schaufenster der Galerie Bradtke in der hauptstädtischen Avenue de la Gare füllt, schenkt sich eine Tasse Kaffee ein und fährt fort: „Wenn die Leute uns im Vorbeigehen bei der Arbeit zusehen, bekommen sie vielleicht auch Lust, sich die fertigen Kunstwerke anzuschauen“.

Wohngemeinschaft

Auf Wagners Initiative hin arbeiten seit dem 15. Oktober und bis Ende dieses Monats insgesamt 15 Künstler in den Räumlichkeiten der temporären Galerie, die aller Voraussicht nach im kommenden Jahr abgerissen wird. Am kommenden Wochenende, dem 15. und 16. November öffnet die kreative Truppe von „The Project“ ihre Ateliers für das Publikum, das den Künstlern dann bei der Entstehung der Werke über die Schulter schauen kann. Zwischen dem 21. und 23. November stellen die 15 dann ihre fertigen Arbeiten dem Publikum vor. Es hätten sich auch schon einige Schulklassen für eine Besichtigung der Ateliers angemeldet, bemerkt Wagner, die mit einigen ihrer Kollegen während der Künstlerresidenz in der Galerie lebt. „Für alle 15 ist aber nicht genug Platz“, ergänzt sie schmunzelnd.

Die Idee, Künstler einem Ort über eine Zeitspanne von mehreren Wochen zur Realisierung individualer und kollektiver Arbeiten zu vereinen geisterte schon lange durch Wagners Kopf. Richtig konkret wurde es dann, als sie im Sommer das erste Mal einen Fuß in das Bradtke-Haus setzte. Nachdem die Inhaber des Hauses ihr grünes Licht gegeben hatten, machte sie sich auf die Suche nach Kreativen im In- und Ausland, die in der Lage sind, sich für ihre Kunst die Räumen und die darin enthaltenen Gegenstände zunutze zu machen. Natürlich muss auch die Chemie zwischen den einzelnen Projektteilnehmern stimmen.

Alle 15 hätten sich an einem gemeinsamen Startpunkt eingefunden, um dann unterschiedliche Wege einzuschlagen, beschreibt Wagner bildhaft den Start des Abenteuers. Die Wege kreuzen sich ab und an, wenn zwei oder mehrere ihre Ideen für ein gemeinsames Projekt bündeln.

„The Project“ ist übrigens durch und durch ein privates Kunstabenteuer, das ohne öffentliche Fördermittel zustande kommt.

Ganz ohne Unterstützung muss die Bradtke-Bande nicht auskommen: Ein Lebensmittelgroßhandel aus einer Randgemeinde der Hauptstadt versorgt die Künstler mit Gratis-Lebensmitteln.