FRANKFURT/MAIN/WASHINGTON
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Dass die Fed den Leitzins auf Rekordzins lässt, gefällt nicht jedem

Sparer bekommen die Minizinsen längst zu spüren - und auch die Banken ächzen zunehmend darunter. Wie ernst die Lage für viele Geldhäuser ist, lässt ein aktueller Stresstest von deutscher Finanzaufsicht Bafin und Bundesbank ahnen. Sollten die Zinsen noch weiter sinken und die Banken sich nicht rechtzeitig darauf einstellen, drohen erhebliche Gewinneinbrüche, so die Ausssage. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und die Bundesbank hatten rund 1.500 kleinere und mittelgroße Institute unter die Lupe genommen, die sie direkt beaufsichtigen.

In verschiedenen Szenarien wurde untersucht, wie sich sowohl weiter niedrige Zinsen als auch ein abrupter Zinsanstieg in den Jahren 2015 bis 2019 auswirken würden. „Die Umfrage hat gezeigt, dass die anhaltend niedrigen Zinsen die deutschen Kreditinstitute in allen abgefragten Szenarien über einen Zeitraum von fünf Jahren deutlich belasten“, erklärten die Aufseher.

Aussitzen sollte die Branche die Niedrigzinsphase auf keinen Fall, warnt Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret: „Es gibt strukturelle Herausforderungen, darauf müssen sie strukturelle Antworten geben. Einfach darunter durchtauchen zu wollen, ist eine brandgefährliche Herangehensweise.“

Eine mögliche Stellschraube zum Gegensteuern: Filialen. Aus der Fläche zurückziehen will sich offiziell kein Bankvorstand. Doch weil immer mehr Geschäfte ins Internet abwandern und viele Bankkunden so gut wie nie einen Fuß in eine Niederlassung setzen, muss die teure Infrastruktur eingedampft werden.

Angst vor höheren Zinsen

Angesichts von Börsen-Turbulenzen und einer schwächelnden chinesischen Wirtschaft schiebt die US-Notenbank die geplante Abkehr von ihrer Nullzinspolitik weiter auf die lange Bank. Der Leitzins bleibe unverändert auf dem Rekordtief zwischen null und 0,25 Prozent, teilte die Federal Reserve (Fed) am Donnerstag in Washington mit.

„Globale wirtschaftliche und finanzielle Entwicklungen könnten die Konjunktur bremsen“, hieß es in der Mitteilung des Offenmarktausschusses nach dessen zweitägigen Sitzung. Mit ihrem Entschluss erhöhen die Notenbanker den Druck, in einer der beiden Sitzungen Ende Oktober und Mitte Dezember tätig zu werden. Beim nächsten Treffen im Oktober handelt es sich um eine Sitzung ohne anschließende Pressekonferenz, auf der traditionell keine großen Entscheidungen zu erwarten sind. Viele Beobachter haben daher nun den Dezember im Blick. Grundsätzlich ist der Zinsschritt aber auch schon bei der kommenden Sitzung möglich.

Während der Markt in der japanischen Hauptstadt Tokio gestern Verluste verbuchte, legten die Aktienmärkte in China leicht zu. Der Component Index in Shanghai eröffnete 0,46 Prozent im Plus bei 3.100,28 Punkten. Der Component-Index in Shenzhen legte 0,69 Prozent zu auf 9.806,72 Punkte. Für China und andere Schwellenländer ist der Fed-Schritt eine gute Nachricht. Manche Experten befürchten von dort Kapitalabflüsse, wenn die US-Zinsen steigen.

Vor dem Hintergrund globaler Unsicherheiten hatten der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank die Fed aufgefordert, vorerst von einer Zinsanhebung abzusehen. Die Verknappung des billigen Geldes würde Anleger noch nervöser machen, so die Befürchtung. Das kritisieren inzwischen viele Ökonomen deutlich. Harm Bandholz, Chef-US-Ökonom der UniCredit verlangt, die Fed müsse endlich handeln. David Folkerts-Landau, Chefvolkswirt Deutsche Bank, nannte es bedauerlich, dass die Fed keine Zinsanpassung vorgenommen hat.