LUXEMBURG
SVEN WOHL

Migrantenliteratur als modernes Phänomen der Kultur

Die Globalisierung macht’s: Der Kontakt mit anderen Kulturen ist heute tagtäglich. Luxemburg stellt dabei ein Paradebeispiel dar, denn die Mischung aus Nationalitäten, die hier im Großzerhogtum zu finden ist, könnte internationaler kaum sein. Die Pendler sorgen zusätzlich dafür, dass ständig neue Eindrücke, Friktionen und Fiktionen auf diesem Nährboden gedeihen. Migrantenliteratur befindet sich seit dem 20. Jahrhundert in einem klaren Aufwind. Ein globales Phänomen, das immer neue Dimensionen erreicht.

Subjektiv und wertvoll

Der Sammelbegriff umfasst Werke, die von Autoren verfasst wurden, die aus einem anderen kulturellen oder sprachlichen Umfeld stammen, als dem, über das sie schreiben oder wo sie publizieren. Die thematische Breite, die dabei angesprochen wird, ist nicht zu unterschätzen: Das Metzler Lexikon Literatur streicht hier vor allem die Identitätssuche der Protagonisten und Autoren hervor und tatsächlich bestätigt sich dieser Eindruck immer wieder. Denn die kulturellen Erfahrungen, die gemacht werden, sind an sich neuartig, da die Zahlen der Migranten in Europa zunimmt. Dabei werden natürlich zunächst einmal subjektive Erfahrungen geschildert, jedoch lassen diese auch Schlüsse auf die Situation solcher Gemeinschaften zu, die sich innerhalb einer Kultur bilden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der sich vor allem für Literaturbegeisterte stellt, ist natürlich der Umgang mit der jeweiligen Sprache. Denn Migranten schreiben nun einmal nicht in ihrer Muttersprache, sondern oftmals in der Sprache des Ankunftslandes. Dabei werden gerne sprachliche Dimensionen miteinander vermischt, die für die Leser an und für sich vertraute Sprache wird verwandelt und verformt, wodurch sich natürlich ein gewisserer literarischer Genuss ergeben kann. Auch neue Interpretationsweisen bieten sich und ein Einblick in eine neue Perspektive auf die eigene Kultur eröffnet sich. Für Migranten bietet diese Literatur zudem ein gewisses Identifikationspotenzial, das sie zugleich nach Außen hin repräsentiert.

Schwierige Abgrenzung

Die literarische Auseinandersetzung mit der Migration variiert natürlich, da die Gründe der Migration sich verändern. Wirtschaftliche und politische Gründe schaffen sehr unterschiedliche Rahmen, in denen sich die Migranten wiederfinden, der Kontakt kann sich somit sehr unterschiedlich gestalten. Dass man da an die Grenzen der Definition, die sowieso stets schwankt, stößt, macht etwa die Exilliteratur klar: Zwar fällt diese durchaus unter die Migrantenliteratur, doch der jeweilige Status der einzelnen Werke ist nicht immer eindeutig. Eins sollte jedoch eindeutig sein: Bei der demographischen Entwicklung wird diese Art der interkulturellen Literatur weiter an Gewicht gewinnen.