DANIELA NOESEN

Ab 2020 einheitlichere Standards für den Anbau und die Importe von Bioprodukten: Das ist zusammengefasst das Ziel der neuen EU-Bioverordnung. Zwar gab es Ende Juni einen Kompromiss zwischen EU-Ländern und Parlament. Doch die für Anfang der vergangenen Woche vorgesehene Abstimmung fand dann doch überraschenderweise nicht statt. Jetzt soll nachverhandelt werden. „Bio-Lëtzebuerg“ beobachtet aufmerksam die Verhandlungen. Worum es geht, erklärt ihre Direktorin Daniela Noesen.

„Es gibt wohl kaum Verhandlungen in Brüssel, die sich so mühsam und kontrovers gestalten, wie die um die Revision der EU-Bio-Verordnung 834/2007 und ihrer Durchführungsbestimmungen. Bereits seit drei Jahren wird daran gearbeitet. 1991 hat man sich in Brüssel erstmals auf eine EU-weit-geltende Regelung der biologischen Landwirtschaft geeinigt. Im Anfangsstadium gab es noch viele Ausnahmegenehmigungen, die im Laufe der Jahre, mit zunehmender Ausdehnung des Biolandbaus, zum Teil abgebaut werden konnten. Jetzt gänzlich auf Ausnahmegenehmigungen zu verzichten, ist in Anbetracht der naturgegebenen Schwankungen in der Landwirtschaft, nicht praktikabel.

Die Schwierigkeiten, die sich in den langwierigen Verhandlungen widerspiegeln, liegen darin, dass die Mitgliedsstaaten sich auf eine Basisverordnung einigen müssen, die zum einen den geografisch-klimatischen Anbaubedingungen der einzelnen Länder und zum anderen den Ansprüchen des Marktes gerecht wird. Letzteres wird immer schwieriger, da die marktwirtschaftlichen Interessen in dem Wachstumsmarkt ‚Bio‘ größer sind, als die Interessen der Biolandwirtschaft, mit denen die Pioniere vor über 90 Jahren angetreten sind. 

Die Kerngedanken des Biolandbaus auf diversifizierten Betrieben, ganzheitlich dem Kreislaufgedanken folgend im Einklang von Boden, Pflanze, Tier und Mensch ressourcenschonend gesunde Lebensmittel zu produzieren, können leider von der EU-Bio-Verordnung nicht in ihrer Komplexität erfasst werden und so erleben wir eine Aufweichung der Grundsätze des Biolandbaus. Eine Entwicklung die wir, als Verein für Biologischen Landbau, der von den Biobauern Luxemburgs getragen wird, mit Sorge beobachten. Bio-Lëtzebuerg sensibilisiert die Konsumenten für die Themen des Biolandbaus zum Beispiel durch die ‚Agrikultur‘. Das Logo ,Bio LËTZEBUERG‘ hilft dem Konsumenten, Bioprodukte der Mitgliedsbetriebe zu finden.

Das momentan zu verhandelnde Dokument, das ab 2020 gelten soll, fordert zum Beispiel den Nachweis von Rückstandsgehalten in Bioprodukten. Hier muss aber das Verursacherprinzip greifen, alles andere ist unlogisch. Dies bleibt unbedingt zu klären. Auch dass überhaupt darüber diskutiert wurde, dass eine Gemüseproduktion, die nicht bodengebunden ist, biologisch sein kann, zeigt, wie weit wir uns gedanklich bereits von den Methoden der Biolandwirtschaft entfernt haben. Andererseits ist zu begrüßen, dass die Importe von Bioprodukten aus Nicht-EU-Ländern neu geregelt werden. 

Ich denke, die Verhandlungen müssen und werden noch andauern …“