TRIER
MARCUS STÖLB

Proben für Uraufführung der Jazz-Oper „Blue Sheets“ in Trier - Auftritte in Luxemburg geplant

Nils Thoma schreitet durch die Halle, durch deren Fenster jetzt das warme Licht der Sonne fällt. Während draußen goldener Oktober herrscht, gibt Jürgen Theune drinnen den Ton an. Theune leitet den Musikverein Tawern, der probt an diesem Nachmittag mit der Rhythm & Swing Big Band (RSBB). Thoma blickt nachdenklich, dann wieder erleichtert. Ein kurzer Plausch mit Regisseur Stefan Bastians, dann steht er bereit für ein Interview. „Ich wollte schon immer eine Jazz-Oper schreiben“, erzählt der Musiker mit dem Stolz desjenigen, der das hat, was er sich lange vorgenommen hatte. Ein Lebenstraum? „Wenn Sie so wollen“, sagt Thoma und strahlt. „Blue Sheets“ ist sein Werk, er hatte die Idee und lieferte die Komposition. Doch er weiß auch: Ohne all die Menschen um ihn herum und einen passenden Anlass wäre die Oper vorerst wohl weiter ein Wunschtraum geblieben.

30 Jahre „Tufa“

Den Anlass liefert der Geburtstag des soziokulturellen Zentrums Tufa. Einst beherbergte der Backsteinbau in der Trierer Innenstadt eine Tuchfabrik, seit 1985 bietet er Bühnen, Säle und Wände für Kleinkunst, Musik und Malerei. In der Tufa geht auch Triers Jazz-Szene ein und aus. Meist mit dabei: Thoma und seine Frau Gitte Buddig. „Ein Defizit beim Jazz ist, dass es kein Schauspiel und keinen Tanz gibt“, erklärt der Saxophonist und ergänzt schmunzelnd: „Sie wissen ja, wie das bei uns Jazz-Musikern läuft: Man geht auf die Bühne, spielt zwei Themen und 15 Soli, das war es.“ Anders sei es bei „Blue Sheets“: „Hier hast du eine Story.“

Die wird im stillgelegten Trierer Walzwerk erzählt, doch spielt die Handlung in einer Textilfabrik. So erzählt die Jazz-Oper von einem möglicherweise vermeidbaren Unfall und schildert nicht nur die Geschichte des Opfers und seiner Familie, sondern auch die der Hintermänner, etwa des Firmenmanagements; und auch die der Arbeiter und Kunden. Zugleich soll das Werk eine Art Tour d’Horizon durch die Geschichte des Jazz mit seinen vielfältigen Ausdrucksformen bieten - bis hin zu Jazz-Rap und Hip-Hop.

Noch vier Wochen bis zur Welturaufführung

Hoppla hopp geht da nichts, im Gegenteil: Die Proben sind aufwändig, allein schon die große Zahl an Akteuren beeindruckt. Knapp vier Wochen vor der Welturaufführung wird in der Halle konzentriert gearbeitet, üben Dutzende Sänger und Instrumentalisten. „Ich bin nur ein Teil eines Räderwerks“, singt der Jazz- & Poppchor. „Das ist noch eine Menge Arbeit“, wird Dirigent Theune hinterher sagen. Es ist beachtlich, mit welchem Einsatz die Beteiligten ans Werk gehen. So auch Alt-Saxophonist Pit Lies aus Wormeldingen, der in der Rhythm & Swing Big Band spielt. Seit Stunden probt der 60-Jährige schon, seiner Stimmung tut das keinen Abbruch: „Ich bin ja ein blutiger Amateur“, stapelt Lies tief, „für mich ist das was ganz Neues und sehr spannend.“

150 Mitwirkende

Stefan Bastians, der das Libretto schrieb und Regie führt, antwortet auf die Frage, was denn eine besondere Herausforderung bei dieser Produktion sei: „Hier entfallen 80 Prozent auf die Organisation und 20 Prozent auf das Künstlerische.“ Weit mehr als 150 Akteure sind bei „Blue Sheets“ auf der Bühne und hinter den Kulissen im Einsatz, Profis ebenso wie Laien.

Premiere am 7. November

Am 7. November ist Premiere, vier weitere Vorstellungen sind geplant. Doch Bastians kündigt an, dass die Jazz-Oper auch auf großregionale Tournee gehen wird und man hierbei auch in Luxemburg gastieren wolle. Die Gespräche liefen bereits, so der Regisseur.


Tickets sind bei

www.ticket-regional.de erhältlich