ALBERT WICKLER

110 Jahre ist es her, dass der erste Esperanto-Weltkongress stattfand. Am 15. Dezember wird traditionell der Geburtstag des Erfinders der Plansprache, dem polnischen Augenarzt und Philologen Ludwik Lejzer Zamenhof (1859-1917) gefeiert, der 1887 sein Buch „Internationale Sprache“ unter dem Pseudonym „Doktoro Esperanto“ veröffentlichte. Schätzungsweise eine Million Menschen sprechen Esperanto in der Welt. Auch in Luxemburg gibt es seit 1971 eine Esperanto-Vereinigung. Generalsekretär Albert Wickler über die Faszination für diese Sprache.

„Wenn die Menschheit es ernst meinen würde mit Frieden und Gerechtigkeit, wäre Esperanto schon längst die am meisten gesprochene Zweitsprache. Ich sage bewusst Zweitsprache, denn es ist unbedingt wichtig, dass die nationalen Sprachen gepflegt werden müssen und ich bin auch dafür, dass das Luxemburgische einen grösseren Stellenwert in der Bildung bekommt.
Aber eine neutrale, gemeinsame internationale für jeden zu haben, die zudem noch einfach zu erlernen ist, wäre sicher ein grosser Fortschritt für die Menschheit, weil dann Sprachbarrieren fallen würden und die Verständigung zwischen den Völkern erleichtert würde. Nach dem Motto: Wer eine gemeinsame Sprache spricht, ist besser in der Lage Missverständnisse, die so oft Auslöser von Konflikten sind, zu vermeiden. Nicht von ungefähr bedeutet der Name der Sprache ‚Hoffnung‘.

Das war der Grundgedanke von Zamenhof und ich denke, dass der in unserer globalisierten Welt nichts an Aktualität eingebüßt hat. Es ist dieser Aspekt und der einfache, logische Aufbau dieser Sprache, bei der man nicht hunderte von Konjugations- und Ausnahmefällen pauken muss, der vor vielen Jahren mein Interesse an Esperanto geweckt hat. Ich bin eigentlich ausgebildeter Chemiker und hatte nicht so viel mit Sprachen am Hut. Zum Esperanto bin ich selbst gekommen als ich Anfang der 1970er in der Sankt-Heinrich-Pfarrei in Esch-Alzette am Aufbau eines Fotolabors beteiligt war. In der Gruppe waren Leute, die sich schon mit Esperanto beschäftigt und auch eine Vereinigung gegründet hatten, die 1976 auch Mitglied der ‚Universala Esperanto Asocio‘, dem internationalen Verband der Esperantisten – so werden die Esperanto-Sprecher genannt – angehört.

Ich muss sagen, dass die Sprache mir viel gebracht hat. Weil man ständig neue Esperantisten kennen lernt und überall welche findet, wenn man durch die Welt reist, selbst in Ländern wie China, wo die sprachlichen Wurzeln von Esperanto, die im europäischen Raum liegen, nicht so bekannt sind. Es handelt sich also um eine lebendige Sprache, um die sich auch eine eigene Kultur entwickelt hat.
In Luxemburg gibt es heute etwa 30 Personen, die Esperanto gängig sprechen, es gibt drei Elternpaare, die sich sogar zuhause mit ihren Kindern im Alltag auf Esperanto unterhalten. Die Internationalität Luxemburgs, das ja ein Finanzplatz und eine europäische Hauptstadt ist, macht, dass man hierzulande mehr Chancen hat, Esperantisten zu begegnen als anderswo.

Unsere Vereinigung würde sich freuen, Neugierige zu begrüßen. Jeden Dienstag treffen wir uns im Amiperas-Lokal in Limpertsberg, zum Plausch auf Esperanto und bieten auch Kurse an. Avis aux amateurs!“

„La celo de Esperanto estas neŭtrala komuna internacia lingvo par ciu!“ („Das Ziel von Esperanto ist eine neutrale gemeinsame internationale Sprache für jeden!“)

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