LUXEMBURG
ANNETTE DUSCHINGER

Luxemburgisch und die Berufsausbildung im Zentrum der Debatten

Zwei Interpellationen zum Luxemburgischen und zur Berufsausbildung beschäftigten gestern die Abgeordeneten. Fernand Kartheiser (ADR) war der Meinung, dass die vergangene und die jetzige Regierung die luxemburger Sprache nicht genug fördere - in der Verfassung, der Schule, im öffentlichen Dienst, im Gesundheitssektor, in der Kultur oder auch als offizielle EU-Sprache. Es müsste noch mehr zur Integrationssprache werden und dürfe auf keinen Fall im Rahmen des Nationalitätengesetzes „bradiert“ werden.

Keiner der anderen Redner ließ diese Vorwürfe gelten. „Es wurde noch nie so viel Luxemburgisch gesprochen wie heute, 30 Jahre nachdem Luxemburgisch gesetzlich zur Nationalsprache erhoben wurde“, sagte Serge Wilmes (CSV). Die Politik habe immer durch Sprachkursangebote unterstützt, dass Ausländer Luxemburgisch lernen, es spiele aber auch das Phänomen der sozialen Medien mit. „Es wird heute ohne den Hemmschuh, orthografisch korrekt schreiben zu müssen ganz breit verwendet.“ Die Sprache im Gesundheitssektor sei tatsächlich ein Problem, allerdings löse das Luxemburgische hier auch nicht alle Probleme.

Eine fulminante Entwicklung aus der Mitte der Gesellschaft

Gleich vier Minister warfen sich dem ADR-Mann entgegen. „Sie verkennen den Weg hin zur Luxemburger Sprache, den viele Menschen gehen“, sagte Justizminister Félix Braz. Die Sprache habe eine fulminante Entwicklung mitten aus der Gesellschaft heraus genommen - größtenteils ohne Einmischung der Politik. Für Bildungsminister Claude Meisch ist Luxemburgisch heute lebendiger denn je. Die öffentliche Schule würde hier Enormes leisten, wenn es gilt die Sprache bei Ausländerkindern zu festigen und sie spät Zugezogenen nahe zu bringen.

Kulturministerin Maggy Nagel wies auf das Online-Wörterbuch lod.lu hin, das weltweit einzige auf fünf Sprachen mit mittlerweile 18.000 Artikeln und 2.000 Fachausdrücken. Und im Spellchecker seien 89.000 Wörter - A-R komplett und S-Z zu 50% - verfügbar, 2016 soll er abgeschlossen sein. Schließlich teilte Arbeitsminister Nicolas Schmit noch mit, dass der Kredit für Sprachkurse von Arbeitnehmern 2014 von 300.000 auf 600.000 Euro erhöht worden sei.

Die Reform der Berufsausbildung, die 2008 verabschiedet wurde und die in der Praxis zu großen Problemen geführt hatte, war dann das Thema, das Justin Turpel von déi Lénk in seiner Interpellation aufwarf. Bekanntlich standen im Sommer zwei Drittel der Schüler nach dreijähriger Ausbildung ohne Diplom da. Sie hatten in den vergangenen Jahren verschiedene Module nicht geschafft. Sitzen bleiben mussten sie nicht, sie hatten aber auch nicht mehr die Möglichkeit, die Module nachzuholen. Ein Drittel der Schüler hatte die Ausbildung ohnehin schon vorher abgebrochen. Minister Meisch hatte den Schülern nun kurzerhand die Möglichkeit gegeben, ein Jahr anhängen zu können und wird im Dezember Gesetzesänderungen ins Parlament einbringen.

Harte Bilanz: Chaos, zu kompliziert, keine Qualität

Durch die 2008er Reform haben die Berufsschüler nach der 9eme drei Möglichkeiten: Eine dreijährige Basisausbildung, eine dreijährige Initialausbildung sowie eine vierjährige Ausbildung zum Techniker. Neu war, dass nach Kompetenzen bewertet wird, das Programm in Modulen aufgebaut ist und die Betriebe anders eingebunden werden. Chaos, kompliziert, keine Qualität - an Kritik von Schülern, Eltern, Lehrpersonen und aus den Betrieben mangelt es nicht.

Mit zehn Punkten, in denen nachgebessert werden müsste begann Turpel die Debatten. So komme beispielsweise der Allgemeinunterricht zu kurz, durch die Module werde der Unterricht zerstückelt, es werde schwerer, auf eine Hochschule gehen zu können und es gebe nicht genug Lehrstellen.

Leicht machte es sich Claude Haagen (LSAP) in seiner Intervention. Er verteidigte die Reform seiner Parteikollegin Mady Delvaux als innovativ, die nun leichte Anpassungen brauche. Die Betriebe müssten mehr Verantwortung übernehmen, böten nicht die richtige Betreuung an und müssten mehr Praktikumsplätze zur Verfügung stellen. Sehr gut vorbereitet hatte sich die frühere Forschungsministerin Martine Hansen (CSV). „Vieles war gut gedacht, hat sich in der Theorie gut angehört, war aber nicht realisierbar“, sagte sie. Sie wollte von Minister Meisch wissen, ob bei den neuen Überlegungen nun die „Leute vom Terrain“ eingebunden worden seien.

Meisch: „Die Resultate sind nicht desaströs“

Die Reform habe eine Reihe Probleme aufgeworfen, sagte Meisch, der aber auch daran erinnerte, dass das Gesetz mit großem Konsens - außer von den Grünen - verabschiedet wurde. Es gebe vor allem organisatorische Probleme, deswegen habe man nun vorübergehend das Gesetz im Rahmen einer ministeriellen Instruktion zu Gunsten der Schüler interpretiert. Die nächste Etappe sei nun, das Gesetz zu optimieren. Die Qualität der Ausbildung sei durchaus valabel und bringe leicht bessere Resultate als bei den Jahrgängen davor, wo auch ein Drittel Erfolg hatte und ein Drittel die Ausbildung abgebrochen habe.

„Wie kann die Formation besser am Arbeitsmarkt orientiert werden? Wie können wir herausfinden, wie viele wo und vielleicht auch in ganz neuen Formationen gebraucht werden?“, seien Fragen, mit denen man sich auseinander setzen müsse. Man sollte auch dem Lehrpersonal mehr Verantwortung geben. Vor allem sollten die Schüler nicht einfach weitergehen können, wenn zu viele Module noch nicht geschafft sind - eine Zwischenbilanz könnte dafür eingeführt werden.