LUXEMBURGPIERRE WELTER

Zeuge Alexis Kremer belastet ehemaligen Gendarmerie-Kommandanten Harpes

Was mag der damalige Gendarmerie-Kommandant Aloyse Harpes wohl gewusst haben, dass er den damaligen Cegedel-Direktoren Alfred Giuliani und Alexis Kremer bei einem Abendessen nach dem Attentat auf einen Strommast bei Heisdorf - also nach dem 30. November 1985 - versichern konnte: „Leet Äre Kapp a Rou, do kënnt näischt méi“? Das soll Harpes jedenfalls laut dem Zeugen Alexis Kremer, der gestern vor der Kriminalkammer befragt wurde, so gesagt haben. Wobei der Gendarmerie-Chef keine weiteren Erklärungen gegeben habe.

Demnächst Konfrontation Harpes/Kremer

Die wird Harpes wohl in nächster Zukunft vor Gericht liefern müssen. Auf jeden Fall nahmen die „Bommeleeër“ nach der dreisten Attacke am hellichten Tag auf den Strommast in Heisdorf tatsächlich keine Cegedel-Infrastrukturen mehr ins Visier.

Alexis Kremer, 84, kann sich noch sehr genau an die „Bommeleeër“-Jahre erinnern. Natürlich prägt es, wenn man als Verantwortlicher eines Unternehmens Bombenanschläge und Erpressungsversuche miterleben muss.

Das Attentat von Beidweiler im Mai/Juni 1984 hatte Kremer nicht genau verfolgt. Das Staffelter-Attentat am 27. April 1985 ist eigentlich das erste, was Kremer in guter Erinnerung hat. Am Morgen nach dem Attentat bekam er einen Brief, den er dem damaligen Generaldirektor Fred Giuliani übergab.

Beide nahmen sofort Kontakt mit dem damaligen Gendarmerie-Kommandanten Jean-Pierre Wagner auf. Doch erst am Nachmittag wurde ein „Sûreté“-Beamter vorstellig, um den Brief abzuholen.

Der Brief war vor der Explosion abgestempelt. Dann wurde Minister Marcel Schlechter informiert.

In einer Besprechung mit den Ministern Schlechter, Fischbach, Santer und Robert Krieps ging es um die Erpressung von 250.000 Franken Lösegeld, das die „Bommeleeër“ verlangten. Das lehnte die Cegedel-Direktion aber ab.

„Wir legten lediglich unseren Standpunkt dar: Wir wollten nicht bezahlen“, sagte Kremer. Zwei Minister, Santer und Schlechter waren effektiv gegen die Lösegeldzahlung, Fischbach und Krieps wollten zahlen.

„Wegen dem großen Misstrauen der Behörden uns gegenüber wurde die Cegedel in keinster Weise über die Sicherheitsmaßnahmen informiert“, gab Kremer zu Protokoll.

„Das war eine reine Mausefalle“

Der zweite Erpresserbrief verlangte, dass es ein Cegedel-Wagen für die Übergabe des Geldes eingesetzt werden sollte. Kremer habe damals schon überlegt, ob nicht ein „Insider“ Informationen aus den Behörden an die Attentäter weiter gebe. Für Kremer war es damals klar, dass die „Bommeleeër“ die Behörden provozieren wollten. Die Formulierung „You lost“ im achten Erpresserbrief sei eindeutig nicht auf die Cegedel gemünzt gewesen, meinte der Zeuge.

In seinen Aussagen ging Alexis Kremer auch der „Vielfalt“ der Motive der „Bommeleeër“ nach. Erstens, so der Zeuge, ging es den Attentätern nicht um finanzielle Interessen. Kremer ist sich sicher, dass es sich damals um ein eingespieltes Szenario handelte.

Auch bei der Geldübergabe am Theaterplatz am 12. Juni 1985 muss Kremer zufolge ein „Insider“ die „Bommeleeër“ gebrieft haben. „Das war eine richtige Mausefalle, wie konnten die Erpresser das nicht wissen“, sagte Kremer.

Was die Behörden betrifft, habe es insgesamt keine gute Zusammenarbeit gegeben, so der Zeuge.

Keine Spur vom Zeugen der Vorfälle auf dem Itziger Plateau

Laut Alexis Kremer soll es auch einen Zeugen geben, der am Vorabend des Sprengstoffanschlags auf den Strommast auf dem Plateau in Itzig am 29. Mai 1985 vier verdächtige Personen in einem Waldstück ganz in der Nähe des Tatortes beobachtet haben soll.

Als der Zeuge sich den Personen näherte, ergriffen diese die Flucht. Auf die Frage, um wen es sich bei dem Beobachter handelte, und wie Kremer an diese Information kam sagte der Zeuge bloß, ihm sei der Mann unbekannt. Jedenfalls habe die Cegedel-Direktion dessen Namen aber an die „Sûreté Publique“ weitergegeben.

Merkwürdig ist allerdings, dass auch hier keine Unterlagen zu diesem Vorfall gefunden wurden.

Georges Oswald forderte gestern ein Verbatim von den Aussagen Kremers. Das Gericht will Colonel Harpes mit Alexis Kremer konfrontieren.

Der Prozess geht heute weiter mit der Anhörung der ehemaligen Geheimdienst-Mitarbeiter Carlo Kremer, Paul Mehlen und Jos Meier.