LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

16 Jahre lang gab Walter Koob einen Ausblick auf den Finanzplatz - Jetzt verabschiedete er sich

Koob spricht - und der Finanzplatz lauscht. 16 Jahre lang amüsierte, warnte und informierte Walter Koob einmal im Jahr die Finanzwelt in Luxemburg. Wenn er Ende November auf dem „International Bankers Forum“ sprach, hörten alle hin: Banker, Fondsmanager, Versicherer, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer. Denn seine detaillierte Analyse war stets treffsicher und interessant. Da in Luxemburg zwei Drittel des Staatsbudgets am Finanzplatz hängen, sind seine Ausführungen für andere Branchen stets interessant.

Gestern hatte der KPMG-Partner seinen letzten Auftritt im Auditorium der Banque de Luxembourg, die die Räume der 1989 gegründeten Non-Profit-Organisation „International Bankers Forum“ zur Verfügung stellte. Mit rund hundert Besuchern, darunter zahlreiche Vorstände, war die Veranstaltung sehr gut besucht. Koob ist Pflicht. „Finanzplatz Luxemburg - im Schatten von geopolitischen und Finanzmarktkrisen sowie dem Kampf gegen Steuervermeidung internationaler Unternehmen“ - das war der sperrige Titel. Kurz gefasst meinte Koob, den „Finanzplatz scheinen die Krisen, seien sie geopolitischer Art mit ihren Sanktionen, Ebola-Epidemien oder Mini-Inflation und Wirtschaftsflaute in der Eurozone, nicht wirklich nachhaltig aus dem Schritt bringen zu können.“ Weiterhin gibt es ein AAA von den Ratingagenturen. Koob bemängelte allerdings, dass die neue Regierung das brennende Problem der Finanzierung der Pensionen nicht angeht.

Freundliches Bild

Dennoch ist das Ergebnis laut dem angehenden „Privatmann“, wie er sich selbst demnächst bezeichnet, nicht so schlimm wie einmal befürchtet. Statt massivem Kunden- und Mittelschwund ist die Zahl der Banken seit 2012 um acht auf 149 gestiegen. Der Anteil ausländischer - vor allem chinesischer - Banken erhöhte sich stark. Von den deutschen Banken hingegen machten viele dicht. Koob geht davon aus, dass Luxemburg mit seiner Clearingstelle für Renminbi sich in Sachen chinesischer Währung eine Arbeitsteilung mit London und Frankfurt liefert. Während am Main die Handelsfinanzierung läuft und an der Themse die Währungs- und Derivatgeschäfte, kann Luxemburg im Anlagegeschäft beim Renminbi punkten. Darüber hinaus ist es demnächst möglich, Fondsgeschäfte statt über Hongkong direkt von Luxemburg aus abzuwickeln.

Die Erträge der Banken blieben stabil, aber der Sachaufwand stieg, vor allem durch neue Regelungen. „Mit der Einführung des Finanzreportings an die EZB und dem Common Reporting Standard werden neue Prozesse und IT unumgänglich“, warnte Koob. Hinzu kämen weitere Regelungen und der „resolutions funds“, in den ab Beginn 2015 Luxemburger Banken rund 1 bis 1,5 Milliarden Euro zahlen sollen. Bei fallendem Zins und steigendem Verwaltungsaufwand drückt das auf´s Ergebnis.

„Schönwetter-Modelle, die sehr stark auf die Arbitrage im Aufsichts- und Steuerrecht setzen, gehören endgültig der Vergangenheit an“, stellte Koob klar. In Zeiten von G20, OECD und EU bliebe nur der Weg zu mehr Transparenz. „Trotzdem haben viele kleine und mittlere Banken erst sehr spät auf die Entwicklung zu mehr Transparenz reagiert“, bemängelte Koob. Der stärkste Wettbewerbsdruck herrsche aber im Private Banking und der Verwahrfunktion.

Zwar sind einige Kunden - vor allem aus den Nachbarländern - gegangen. Aber Kunden mit großem Vermögen sind hinzu gekommen. Die Zahl der Kunden mit einem Vermögen von über 20 Millionen Euro stieg von 41 Prozent in 2011 auf 46,5 Prozent Ende 2013. Koob wies auf die hohen Mittelzuflüsse im Private Banking von Singapur und Hongkong hin.

„In Sachen Steuertransparenz hat sich Luxemburg vom Saulus zum Paulus entwickelt, resümiert Koob. Dennoch werde es im „Report on Progress“ noch als „non compliant“ geführt und kämpfe noch mit seinem Image als Steuerparadies. Immerhin habe LuxLeaks das Land mit einem Schlag international als Finanzplatz bekannt gemacht. Eine positive Konsequenz aus den laufenden Untersuchungen könnten auch mehr Steuern für Luxemburg g sein.

Bemerkenswert ist laut Koob die Zunahme elektronischer Bezahldienste.

Koob kümmert sich demnächst mehr um Fotografie, Asien und Sport. Im kommenden Jahr übernimmt sein Kollege Thomas Feld den Vortrag - wieder Ende November.


Der gesamte Vortrag mit 91 Folien findet sich unter www.ibf.lu