LUXEMBURG
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Rappen und Tanzen gegen Seelenschmerz: Aufführung heute Abend im Rockhal-Club

Depressionen, Essstörungen, Psychosen, Ängste oder ADHS können das Leben junger Menschen zum Stillstand bringen. Wie aus der Enge wieder rauskommen? Mit Tanzen und Rappen. Eine Möglichkeit, dies mit professioneller Hilfe und mit viel Spaß zu schaffen, ist das Projekt „Looss alles eraus“. Bei einer Live-Show zeigen die Teilnehmer heute Abend im Club der Rockhal, was sie in monatelanger Arbeit erreicht haben.

Das Projekt entstand in Zusammenarbeit der Stiftung „EME- Ecouter pour mieux s’entendre“ mit dem „Service National de Psychiatrie Juvenile“ aus der Hôpitaux Robert Schuman-Gruppe und dem Rocklab der Rockhal. Es handelt sich, nach Angaben der Hôpitaux Robert Schuman, um ein ganz besonderes Programm das speziell für etwa 20 Jugendliche, die im „Service National de Psychiatrie Juvénile“ betreut werden, entwickelt wurde. Es konnten die bekannten Künstler Sylvia Camarda und David Galassi für dieses Projekt begeistert werden.

Mit Einfühlungsvermögen und Verständnis haben sie zusammen mit den Jugendlichen eine Performance geschaffen, in der die jungen Künstler mit Tanz und Rap direkt erzählen, was sie in ihrem Alltag bewegt. Die Proben haben im vergangenen September angefangen und fanden jede Woche im Hopital Kirchberg und in der Tagesklinik in Esch/Alzette statt. In mehreren Workshops haben die Jugendlichen gelernt, sich durch Tanzen und Rappen frei auszudrücken.

Rap oder Tanz

Die Entscheidung „Rap oder Tanz“ fällt leicht und ist meist schon in den ersten Minuten getroffen. Der Wechsel von einer Disziplin zur anderen ist trotzdem jederzeit möglich und manche der jungen Künstler haben sich auch für beides entschieden. „Am wichtigsten ist es, Vertrauen zu seinem eigenen Körper aufzubauen“ sagt Sylvia Camarda. „Bei den Jugendlichen wächst erkennbar das Selbstvertrauen. Sie gehen aus sich heraus und trauen sich, an ihre Grenzen zu gehen – speziell für diese Jugendlichen ein ganz großer Schritt nach vorne“, ergänzt die Tänzerin und Choreographin.

David Galassi arbeitet gerne mit den jungen Nachwuchsrappern aus der Psychiatrie Juvenile und betont, dass der erste Schritt immer der Schwierigste ist. Die passenden Zeilen aufs Papier zu bringen ist die große Herausforderung. In einem Brainstorming muss erst einmal das Thema gefunden werden. „Die Ideen und Themen müssen von den Jugendlichen selbst kommen,“ sagt der Musiker und Rapper. „Ich kann dann Hilfestellung bei der Ausformulierung geben.“

Musik als Ventil

Im Hintergrund laufen synthetische Beats und nach und nach fließen die Texte aufs Blatt. Sehr konzentriert oder in Gedanken weit entfernt schreiben die Jugendlichen auf, was ihnen auf der Seele brennt. „Jeder erzählt seine Geschichte und sein Leben, und keiner muss sich dafür schämen,“ sagt Galassi. „Die Musik ist ein Ventil. Besonders auf Rap sprechen sie sehr gut an. Die Jugendlichen sind sehr offen und lassen alles raus, ganz anders als in einem normalen Gespräch.“ „Lo rappen ech – well Musik ass meng Therapie“ sagte eine junge Teilnehmerin aus der Gruppe.

„Mit Hilfe der EME Stiftung jungen Menschen, die sonst wenig Chancen haben auf diese Weise mit Musik und Tanz in Kontakt zu kommen, zu ermöglichen neue Wege zu finden sich auszudrücken, ist großartig.“, sagt Katja Engelhardt, Ergo- und Körperpsychotherapeutin aus dem „Service National de Psychiatrie juvenile“.Nach erfolgreicher Zusammenarbeit mit der EME-Stiftung in Rahmen eines ähnlichen Projektes mit Essgestörten Patienten im vergangenen Jahr, waren alle Beteiligten schnell überzeugt, dieses Mal ein Projekt für Patienten mit unterschiedlichen Schwierigkeiten zu initiieren. Zu Beginn der Arbeit waren die Jugendlichen oft eher zurückhaltend und vorsichtig was sich während des Prozesses deutlich verändert hat.

„Die Begeisterung wächst, je kompletter das Projekt wird, Jugendliche lernen über den Tellerrand zu schauen und eigene Grenzen zu erweitern.“, so Vitali Boldt, Sport- und Körperpsychotherapeut aus dem „Service National de Psychiatrie juvenile“.


Live-Show an diesem Donnerstag, 20.00, Rockhal-Club, der Eintritt ist frei. Um Voranmeldung wird wegen der begrenzten Teilnehmerzahl gebeten. E-mail an contact@fondation-eme.lu