LUXEMBURG ¦ CLAUDE KARGER

Über 70 Prozent der Kinder gehen nie oder nur selten einer physischen Aktivität nach

Dreißig Minuten Bewegung täglich: Das könnte laut Studien das Krebsrisiko drastisch reduzieren. Den CSV-Abgeordneten Marcel Oberweis und Jean-Paul Schaaf zufolge könnten zum Beispiel in Frankreich 30% der Krebsfälle durch mehr sportliche Aktivität vorgebeugt werden. In ganz Europa seien derweil 10 bis 20% der Krebserkrankungen auf mangelnde Bewegung zurückzuführen. Angesichts dieser Erkenntnisse wollten die beiden Deputierten von Gesundheitsminister Mars Di Bartolomeo (LSAP) wissen, wie oft die Einwohner des Großherzogtums einer sportlichen Aktivität nachgehen und zugleich mehr über die Programme zur Förderung der Bewegung erfahren.
Die Minister für Sport und Gesundheit sind sich der Wichtigkeit des Sports zur Vorbeugung von Krankheiten bewusst und führen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation an, die schätzt, dass die Inaktivität Schuld an etwa 21 bis 25% der Brustkrebsfälle, 27% der Diabetes-Erkrankungen und 30% der kardiologischen Vorfälle ist.
Die Minister sind besorgt darüber, dass die Luxemburger Bürger eher Sportmuffel sind. Zwar haben fast 70% der Teilnehmer an einer Eurobarometer-Studie im Großherzogtum angegeben, dass sie regelmäßig Sport betreiben. Die Repräsentativität dieser Umfrage stellen Mars Di Bartolomeo und Romain Schneider allerdings in Frage.
Förderprogramme brachten bislang wenig
Besonders besorgt zeigen sie sich darüber, dass die Jugendlichen sich so wenig bewegen. So hat zum Beispiel eine Studie der Bank HSBC über die physische Aktivität der 11- bis 17jährigen gezeigt, dass Luxemburg im EU-Durchschnitt liegt in punkto sportliche Betätigung von Kindern. Allerdings würden nur 18% der Mädchen von 11 Jahren und 13% der 15-jährigen Mädchen Sport betreiben. Bei den Jungs liegt der Prozentsatz zwar höher - 32% der 11-jährigen und 24% der 15-jährigen - aber die Feststellung bleibt: Die Jugendlichen bewegen sich zu selten. Daran scheinen auch die Programme der Regierung zur Förderung sportlicher Aktivitäten kaum was geändert zu haben. Die Minister zählen etwa den nationalen Plan „Gesond iessen, méi bewegen“ auf, der 2006 an den Start ging, die Kampagne „Meter fir Meter“ oder die 2012 eingeleitete Aktion „Letz Move“, die sich an die gesamte Bevölkerung richtet. Seit dem Startschuss für „Gesond iessen, méi bewegen“ seien mehr als 250 Projekte in Schulen, Unternehmen, „Maisons relais“, Kliniken, Gemeinden usw. entstanden. „Die Gewohnheiten der Bevölkerung zu ändern, ist eine langfristige Herausforderung“, beteuern die LSAP-Minister abschließend, „sie benötigt natürlich den Willen des Einzelnen, aber auch die Schaffung von Bedingungen, die es jedem Einzelnen ermöglichen, sich für den gesunden Weg zu entscheiden“.