LUXEMBURG
MARCO MENG

Japaner kaufen Guardian Automotive in Grevenmacher

Zuletzt machte der Glashersteller Guardian Schlagzeilen vor allem wegen seiner Werke in Düdelingen und der Frage, ob der US-Konzern diese modernisiert oder gar schließt. Selbst Wirtschaftsminister Etienne Schneider schaltete sich ein und traf in den Vereinigten Staaten die Unternehmensleitung von Guardian. 240 von insgesamt 290 Arbeitsplätzen des Werkes Luxguard II in Düdelingen, hieß es dann, könnten erhalten werden, etwa 200 Mitarbeiter müssten allerdings für mehrere Monate in den „Chômage technique“.

Nun, fast zwei Jahre später, wird die auf Autoglas spezialisierte Guardian-Tochter „Guardian Automotive Products“ sowie deren Luxemburger Ableger in Grevenmacher, Guardian Automotive E.S.A., an Central Glass verkauft. Das 1936 gegründete Unternehmen mit Hauptsitz in Tokio, Japan, verspricht sich eigenen Angaben nach vom Zukauf ein erweitertes Produktions- und Vertriebsnetzwerk. Profitieren soll durch die Übernahme vor allem die Central Glass-Tochter Carlex, deren Position als globaler Anbieter von Autoglas-Produkten dadurch gestärkt werden solle, wie aus der Erklärung des japanischen Mutterkonzerns zu entnehmen ist. „Dieser Schritt wird unsere geographische Präsenz ausbauen und unser Produktangebot ergänzen sowie auch die Zahl unserer Kunden erhöhen“, erklärt Jim Shepherd, Präsident und Chief Operations Officer von Carlex in Nashville, USA. Guardian Automotive soll unter dem Namen „Carlex“ firmieren.

Wirtschaftsminister war informiert

Wie das „Journal“ gestern vom Wirtschaftsministerium erfuhr, war dieses über die Transaktion informiert worden. Am Dienstag habe Wirtschaftsminister Schneider diesbezüglich eine längere Unterredung mit Ron Vaupel, dem CEO von Guardian Industries, gehabt. „Mir wurde während des Gesprächs zugesichert, dass die Produktionsstätte in Grevenmacher absolut rentabel und der Verkauf durch eine strategische Umorientierung begründet ist“, erklärt Schneider. Hundertprozentiger Eigentümer des Autoglasherstellers in Grevenmacher war bis dato Luxguard II. SA., die wiederum zu 100 Prozent Guardian Industries in Michigan, USA, gehört. Der Aktienwert von Guardian Automotive beziffert sich laut Central Glass auf 87 Millionen US-Dollar (rund 68 Millionen Euro). Auf die Frage, ob die Übernahme der Werke eventuell auch Personaleinschnitte bedeutet, war gestern von den Beteiligten keine Antwort zu erhalten. Insgesamt beschäftigt Guardian in Luxemburg rund 1.200 Personen, rund 600 davon bei Guardian Automotive in Grevenmacher. Der Verkauf des Autoglaswerkes wirft nun wieder die Frage auf, wie es um die anderen Guardian-Werke in Luxemburg bestellt ist. Ende 2012 hatten Beschäftigte des Werks in Düdelingen protestiert, nachdem Beschäftigte aus wirtschaftlichen Gründen entlassen worden waren. Gehälter, Stundenlöhne und Prämien hätten als Gegenleistung zu Investitionen im Werk Düdelingen gesenkt werden sollen. Die Investitionen fanden in der Zwischenzeit statt: Der Ofen wurde teilerneuert, so dass wieder auf höchster Qualität - entscheidend bei einem Markt mit geringen Margen - produziert wird.

Die Glasindustrie ist sehr konzentriert

Nach Angaben des Europäischen Produzentenverbandes wird 80% des Glases von weniger als einem dutzend multinationaler Unternehmen produziert. Die Europäische Union ist der weltgrößte Glasmarkt, sowohl was Produktion als auch was Verbrauch anbelangt. Mit Ausbruch der Finanzkrise 2009 hat der Sektor aber einen deutlich Rückgang verspürt. Seit 2010 sei eine leichte Erholung spürbar, so der Verband Glass Alliance Europe.

Central Glass ist weltweit vertreten, auch mit einigen Filialen in Europa. Wie Guardian Pressesprecherin Amy Hennes aus Detroit bestätigt, ist der Verkauf vorbehaltlich der Genehmigung verschiedener Kartellbehörden.