LUXEMBURG/PALMA NOVAPATRICK WELTER

Die schönsten Ecken der Baleareninsel

Am heimischen Flughafen rein in den Touristenbomber. Am Flughafen Palma, wo spanische Hinweisschilder mit deutschsprachiger Werbung konkurrieren, rein in den nicht minder engen Bus und ab ins Fegefeuer eines abgelegenen All-inclusive-Clubs oder gleich in die Hölle von Billighotels, Schinkenstraße und Ballermann. Für die meisten Touristen die nach Mallorca reisen sieht ihr Urlaub genauso aus, das kollektive Grillen am Strand nicht zu vergessen. Damit tun sie der größten Baleareninsel bitter unrecht. Wer auf der Stadtautobahn vom Flughafen Richtung Palma fährt, wird zunächst nicht glauben, dass irgendetwas auf dieser Insel schön ist, aber selbst ein 36-Stunden-Tripp auf die Insel reicht aus um ihre Schönheiten zu entdecken. Einige etwas abgelegen, andere quasi unerkannt mitten im Touristenrummel.

Zeitgenössische Kunst in Renaissance-Verpackung

Das westliche Ende der Altstadt von Palma de Mallorca markiert eine mächtige Renaissance-Bastion, die die einstige militärische Stärke der Stadt widerspiegelt. Allerdings ist Es Baluard, katalanisch für Festung, nicht nur ein historisches Bauwerk, sondern das modernste Museum der Stadt.

Eingebaut in das Innere der ehemaligen Bastion ist das Es Baluard Mallorcas Museum für moderne und zeitgenössische Kunst. Zunächst überzeugt die Mischung aus Glas, Beton und Stahl einerseits und den bossierten Mauern aus der Renaissance.

Auch wer kein Interesse an der zeitgenössischen Kunst hat, kann hier auf seine Kosten kommen. Allein schon durch die verwinkelten Treppen und Fußwege die außen durch und über das Architekturensemble führen. Im Museum selbst gibt es regelmäßig wechselnde Ausstellungen moderner Klassiker - aktuelle eine Miro-Retrospektive. Die Beurteilung der Dauerausstellung bleibt jedem selbst überlassen - mit einer Ausnahme: Der Saal mit mallorquinischen Malern, die um 1900 herum unter dem Einfluss großer Kunstströmungen ihre Insel wunderbar vielfältig porträtiert haben, ist traumhaft schön. Eine Empfehlung ist auch die Terrasse des Museumscafé die einen entspannten Blick über Stadt und Hafen erlaubt.

Einsamkeit im Tramuntana-Gebirge

Im Nordwesten der Insel geht es steil hinauf ins Tramuntana-Gebirge, das 30 Prozent der Inselfläche bedeckt. Hier leben aber nur zwei Prozent der Mallorquiner, was in Relation auch den Touristen entspricht, die sich hierhin verirren.

Winzige Dörfer wie Banyalbufar oder Estellencs. Kleine Städte wie Valdemossa, für Chopin-Fans ein Muss. Spektakuläre Ausblicke und enge Bergstraßen führen weit weg vom Massentourismus im Süden und Osten. Der höchste Berg ist der Puig Major mit 1.445 Metern. Berge, die direkt dem Meer zu entspringen scheinen wirken trotz ihrer objektiv nur mäßigen Höhe einfach gewaltig.

Wer die Berge überwunden hat, findet auf der Nordwestseite die spektakulärste Seite Mallorca: Eine traumhafte Steilküste mit dem Zusammenspiel von blauem Meer, karstigen Bergen, Palmen und Zypressen und ockerfarbenen Dörfern die zwischen Wasser und Gipfel an den Bergflanken kleben. Tausendmal schöner als jeder Strand.

Sansibar auf Mallorca

Wer jetzt genug hat von soviel Natur und Romantik, und sich nach einem Cocktail sehnt, dem sei die Abfahrt von den Tramuntana-Bergen hinunter zum Port Adriano empfohlen. Der Hafen zwischen Andratx und Palma setzt auf einen sehr gehobenen Tourismus. Zwar gilt auch hier Sonne, Meer und Alkohol - aber nicht aus dem Sangria-Eimer. Hier haben die Schönen und Reichen mit ihren Mega-Yachten Mallorca für sich entdeckt. Auch wenn man nicht so ganz dazu gehört, ein Abstecher in die von Philippe Starck gestylte Sansibar - spanische Filiale der Sansibar auf der Insel-Sylt - mit freiem Blick auf die Luxusschiffe sollte drin sein.


www.esbaluard.org