LUXEMBURG
CLAUDE MÜLLER

Pat Methenys „Unity Group“ in der Philharmonie

Jazz scheint sich hierzulande zu einer begehrten, lebendigen Kunstform zu entwickeln. Nach dem gut besuchten viertägigen Festival „Like A Jazz Machine“ am vergangenen Wochenende in Düdelingen mit immerhin 17 Bands war am Donnerstagabend das große Auditorium in der Kirchberger Philharmonie bis auf wenige Plätze besetzt. Das 7. Konzert der Reihe „Jazz & beyond“ präsentierte das Quintett des amerikanischen Gitarristen Pat Metheny, der seit über 40 Jahren - er debütierte in den 1970er Jahren im Gary Burton-Quartett - weltweit durch seine stilistische Vielfalt von sich reden macht. Nach John McLaughlin und Kevin Eubanks war Metheny bereits der dritte im Bunde der Gitarrengurus des Modern Jazz, die in der laufenden Saison in Luxemburg auftraten.

Intelligenter Schachzug

Ungewohnt ist es schon wenn der angekündigte Starmusiker allein die Bühne betritt und erst mal solo mit klassischer Gitarre eine Demonstration seiner technischen Qualitäten und feinfühligen Komplexität mit einer Mischung aus Klassik, Jazz und brasilianischem Touch ohne elektronischen Hilfsmittel, außer auf der im zweiten Stück eingesetzten 15-saitigen Guitar-Harp, zum Besten gibt. Aber diese Geste als Auftakt eines intensiven Marathonkonzerts einzusetzen ist ein intelligenter Schachzug, der gleich zu Beginn des rund dreistündigen Events den fesselnden Kontrast zwischen Soloeinlagen und Kollektiv in den Vordergrund stellte.

So wartete anschließend das Quartett mit einem abwechslungsreichen Querschnitt aus früheren Produktionen auf, wobei vor allem Methenys virtuose, dezent delikate Melodielinien, die nichts von effekthaschenden Floskeln an sich hatten, sondern klischeefreie Aspekte einer neuen Ära der begehrten U-Musik in der Sparte Jazz liefern, dominierten.

Ein Volltreffer erzielte Metheny in der Wahl des Multiinstrumentalisten Chris Potter, der auf Bassklarinette, Querflöte und natürlich seinen Hauptinstrumenten dem Tenor- und Sopransaxofon für den etwas naturverbundenen Touch in der Welt des elektronischen Backgrounds des Gitarristen sorgte. Dass dieser von Metheny seit über 30 Jahren praktizierte Musikstil noch längst nicht ausrangiert ist, bewiesen die begeisterten Beifallsstürme des restlos faszinierten Publikums, ehe dann mit der Vorstellung des aktuellen Albums „Kin“ der neue, tonangebende Esprit dieser Tournee, die dieses Jahr 200 Konzerte umfasst, in Szene gesetzt wurde.

Meilensteine

Doch nicht nur die Umbenennung des Ensembles von „Unity Band“ in „Unity Group“ symbolisiert die Idee Methenys, erneut einen Meilenstein in der mittlerweile von Nostalgie geprägten Welt der Lounge- und Fusion-Bewegung zu setzen, auch das Einbeziehen eines zweiten Solisten in der Person Potters erweitert die Möglichkeiten des Dialogs der intensiven melodiösen Spannungsbögen, die permanent das kompakte Konzert der Band prägten.

„Es scheint als hätte ich 30 Jahre auf die Begegnung mit Chris Potter gewartet um mich in kompositorischer Hinsicht herausfordern zu lassen“, schwärmt Metheny von seinem Saxofonisten, der mit seinen Erfahrungen in der Welt der Superstars des Modern Jazz dafür sorgt, dass die „Unity Group“ jazziger klingt als die vorherigen Formationen Methenys. Mit seinem federleichten, erfrischendem Drive bot Schlagzeuger David Sanchez, den wir schon letzte Saison mit dem „Gary Burton Quartett“ im hauptstädtischen Konservatorium bestaunen konnten, genau die richtige feinnervige Basis, um den ausgeprägten Spieldrang der beiden Frontmänner zu koordinieren.

Originelle Soli

Durch die Erweiterung zum Quintett durch das Multitalent Giulio Carmassi - neben einer bestechenden Gesangseinlage bediente er noch Keyboards, Trompete, Gitarre und Perkussion - wurde die ohnehin farbenprächtige Soundkulisse der Band noch gesteigert. Nicht nur akustisch sondern auch für das optische Vergnügen war bestens gesorgt, bot das bunte Bühnenbild nämlich eine Fülle von gespenstisch wirkenden Musikautomaten, die, in Form von Marimba, Xylophon und anderen diversen Perkussionsinstrumenten, ferngesteuert für willkommene Abwechslung sorgten.

Metheny ließ es sich nicht nehmen zum Schluss der erstklassigen Performance die einzelnen Musiker als Duopartner zu unterstützen, wobei der virtuose Dialog über „All The Things You Are“ mit Chris Potter einen Leckerbissen der Extraklasse bot, ehe dann mit dem kraftvollen Sound und einem sensationellen Feuerwerk von originellen Soli der fünfköpfigen „Unity Group“ das einzigartige Soundspektakel nach rund drei Stunden zu Ende ging.