LUXEMBURGCHRISTIAN SPIELMANN

Roman Polanski hat das Theaterstück „Venus in Fur“ verfilmt

Der Roman „Venus im Pelz“ von Leopold von Sacher-Masoch erschien 1870 und erregte die Gemüter derart, dass die erotisch angehauchte Geschichte einen Skandal auslöste. Der Begriff Masochismus, den der Psychiater Richard von Krafft-Ebing erschuf, geht auf den Familiennamen des Autors zurück. Der amerikanische Theaterautor David Ives verwandelte das Buch in das Theaterstück, „Venus in Fur“, das 2010 Off-Broadway uraufgeführt wurde. Roman Polanski hat dieses Stück nun in den Kinofilm „La Vénus à la fourrure“ verwandelt.

Kammerspiel

Eine lange Kamerafahrt durch eine Pariser Baumallee endet in einem leeren Theater, wo der Regisseur und Autor Thomas (Mathieu Amalric) sich über Telefon bei seiner Freundin aufregt, dass alle Schauspielerinnen, die sich für das Vorsprechen gemeldet hatten, vor Inkompetenz nur so strotzen. Er hat seine eigene Adaption des Romans von Sacher-Masoch für die Bühne geschrieben. Plötzlich steht eine vom Regen durchnässte Frau im Saal, Vanda (Emanuelle Seigner).

Sie, die in ihrem knappen Korsett eher einer Prostituierten ähnelt als einer seriösen Schauspielerin, will unbedingt vorsprechen. Der genervte Regisseur willigt schließlich ein, selbst die Rolle des Protagonisten Severin von Kusiemski zu spielen.

Vanda ihrerseits kennt die Rolle der reichen Witwe Wanda von Dunajew auswendig und beeindruckt Thomas durch ihr einwandfreies Spiel sowie ihre interessanten Ansichten zum Stück, in dem Severin einst von seiner Tante gedemütigt wurde. Er empfand den ihm zugefügten Schmerz eher stimulierend, als quälend. Von der Witwe Wanda hingezogen, bietet er ihr an, ihn selber auch zu quälen; als Gegenleistung würde er sie heiraten.In diesem Kammerspiel auf der Bühne übernimmt Vanda zusehends die Regie, regelt gar die Beleuchtung, und schlussendlich bahnt sich ein kompletter Rollenwechsel an.

Geschlechterkampf oder Racheakt?

Kinokenner werden nebenbei durch den ganzen Film eine Menge Anspielungen an vergangene Polanski-Streifen entdecken. Der Anfang des Films ist durch den Humor geprägt, der von der zerzausten Vanda ausgeht. Ihre Sprache ist deftig, genau wie ihre Manieren.

Vanda hat sich bestens auf die Rolle vorbereitet. Sie hat einen Rock und eine Jacke dabei, die in die Epoche des 19. Jahrhunderts passen. Vanda verlangt Thomas alles an Überzeugung ab, so dass die irreale Welt des Theaters langsam zur Realität mutiert.

Vanda wird zur Witwe und Thomas zum Schmerz liebenden Severin. Ehe das Geschehen weiter in eine Satire über den Geschlechterkampf in einem sadomasochistischen Ambiente ausartet, bietet sich eine Wende an. Könnte Vanda nicht die Reinkarnation der Venus sein, der römischen Göttin der Liebe, die sich an den Männern rächen will? Jedenfalls weist ein Zitat, das aus dem Kapitel 16 des Buchs Judith stammt und in Thomas’ Manuskript steht, darauf hin: „Gott hat ihn bestraft und hat ihn in eines Weibes Hände gegeben“.

Polanski macht es dem Zuschauer mit dem Schluss nicht einfach, sich für eine bestimmte Auslegung zu entscheiden. Aber so ist Theater, mal verspielt, mal schmerzhaft und sehr oft zwiespältig.