LUXEMBURG
MM

Home & Living eröffnet: Closener beschwört „Lëtzebuerg 3.0“, Nagel will Baulücken schließen

Bei der Eröffnung der zweiten Messe „Home & Living“ auf der Expo auf Kirchberg kündigte Wirtschaftsstaatssekretärin Francine Closener am Samstag ein Aktionsprogramm zur Unterstützung des luxemburgischen Einzelhandels an.

Zwar sieht Closener das Land fit auf dem Weg zu „Lëtzebuerg 3.0“ - bei ICT, Mobilität, erneuerbare Energien oder Initiativen wie Neobuild im Bausektor habe man gute Vorarbeit geleistet. Bei „Smart Home“, also vernetzten Häusern, positionieren sich Enovos und die Post; und Initiativen wie Neobuild schaffen Zukunftskompetenzen im Bausektor. Um der Wirtschaft aber bei den Herausforderungen der Digitalisierung zu helfen, werde der 4. Aktionsplan für kleine und mittlere Unternehmen noch dieses Jahr verabschiedet. Der Plan beinhalte Maßnahmen, die es einfacher machen sollen, ein Unternehmen zu gründen und zu finanzieren. Zudem wird die Gesetzgebung zu staatlichen Beihilfen überarbeitet. Closener sieht insbesondere auf den Einzelhandel durch die Digitalisierung neue Herausforderungen zukommen. Denn die zunehmende Konkurrenz im Internet erschwert Umsatzsteigerungen, wie sie der hiesige Einzelhandel in den letzten Jahren hatte. 2013, so beziffert es Closener, sind dem Luxemburger Handel dadurch 660 Millionen Euro an Kaufkraft verloren gegangen, was für den Staat einen Rückgang an TVA von 73 Millionen Euro bedeutet habe. Gemeinsam mit der „Confédération du commerce“ arbeite das Ministerium darum gerade einen Aktionsplan aus, um das Internet in das Geschäftsmodell kleiner Läden zu integrieren.

Digitale Herausforderung

Zur Zusammenarbeit mit dem US-Soziologen Jeremy Rifkin, der kürzlich in Luxemburg seine Vorstellungen zur dritten wirtschaftlichen Revolution vortrug, erklärte Closener, seine Vision biete ein Modell, die Luxemburger Wirtschaft auf die Digitalisierung vorzubereiten. „Niemand ist so naiv, zu glauben, dass sich die Ideen des amerikanischen Ökonomen eins zu eins auf Luxemburg anwenden lassen“, gab die Staatssekretärin zu. Michel Wurth, Präsident der Handelskammer wie auch der Präsident der Arbeitnehmerkammer, Jean-Claude Reding, hatten zuvor Zweifel an Rifkins Vorstellungen geäußert. Auf die Kritik zu den Kosten von Rifkins Studie, die sich immerhin auf 450.000 Euro belaufen, entgegnete sie, dass die nicht übertrieben seien, da sie umgerechnet pro Einwohner nur 40 Cent betrage.

Um Wohlstand und sozialen Zusammenhalt auch für künftige Generationen wahren zu können, sei es unerlässlich zu verstehen, was die „omnipräsente Digitalisierung“ für das luxemburgische Wirtschaftsmodell bedeute und wo man dieses Modell anpassen müsse. Closener erwähnte in diesem Zusammenhang die in Zukunft schwindende Bedeutung fossiler Brennstoffe, während gleichzeitig Geschäftsmodelle wie Carsharing an Bedeutung gewinnen würden. Und da in Zukunft der Elektroantrieb bei Autos keine Randerscheinung mehr sein wird, würden in den nächsten fünf Jahren nach Angaben von Closener 850 Ladestationen für Elektroautos installiert werden.

Wohnungsbau mit Hürden

Wohnungsbauministerin Maggy Nagel erklärte am Samstag bei der Eröffnung der „Semaine Nationale du Logement“ im Rahmen der „Home & Living Expo“, neuen Wohnraum zu schaffen, sei eine „enorme Herausforderung“, was sie denn auch mit Zahlen untermauert: Die Einwohnerzahl Luxemburgs ist in den vergangenen zehn Jahren um 20 Prozent gestiegen; 13.000 Menschen kommen derzeit pro Jahr hinzu, nicht eingerechnet Flüchtlinge aus Kriegsgebieten. Auf dem Kirchberg werden voraussichtlich bis Herbst nächsten Jahres die zwei Wohnungskomplexe „Réimerwee“ und „JFK“ mit zusammen 800 Wohnungen für 2.000 Bewohner entstehen, so Nagel. Die Ministerin gab selbstkritisch zu bedenken, dass bei der Wohnungsbaupolitik die Politik auch mehr darauf schauen müsse, dass junge Menschen adäquate Wohnmöglichkeiten haben. Allerdings betonte Nagel auch, dass das Wohnungsbauministerium keinen Einfluss auf die Genehmigungsprozeduren hat. Sie verweist darüber hinaus darauf, dass in Luxemburg etwa 600 Hektar Baulücken bestehen, die zu 80 Prozent in Privatbesitz sind. Die wenigen Flächen in Staatsbesitz wolle man aber auch nicht brachliegen lassen, sondern prüfe, wie hier die Flächen im Baulückenprogramm kurzfristig genutzt werden könnten. Nagel rief in Erinnerung, dass Gemeinden mit bis zu 75 Prozent der Gesamtkosten für Mietwohnungen substantielle Hilfen des Ministeriums erhalten. In den kommenden Monaten werde die Regierung auch die Gespräche mit den Gemeinden zu den Ankündigungen suchen, die sie im Zusammenhang mit den „plans sectoriels“ geschaffen haben.

Nach Angaben von Nagel werden die Mietbeihilfen, die derzeit in der Chamberkommission beraten werden, voraussichtlich am 1. Januar 2016 in Kraft treten. Geplant ist, mit 28 Millionen Euro im Jahr 19.000 Haushalten unter die Arme zu greifen.

Rund um Wohnen und Bauen werden demnächst noch fünf weitere Ausstellungen mit der Expo organisiert.