LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Star Trek Into Darkness“ ist der 12. „Star Trek“-Kinofilm

Als die Serie „Star Trek“ von Gene Roddenberry das Fernsehen Ende der 1960er Jahre neu belebte und zu zauberhaften Reisen in die unendlichen Weiten des Universums anregte, kümmerte sich der Zuschauer nicht um die Ungereimtheiten der Geschichten. Immer wieder wurden Planeten, die Lichtjahre entfernt waren, in Sekunden gescannt, und die gigantischen Distanzen in Nullkommanix zurück gelegt. Jegliche physikalische Gesetze wurden außer Betrieb gesetzt, und der gute Einstein hätte sich im Grab umgedreht.

Jenseits von Pluto

Auf die Fernsehfilmchen folgten ab 1979 zwölf Kinofilme, von denen der letzte, „Star Trek Into Darkness“, am vergangenen Mittwoch in unseren Kinos anlief (auch in 3D). Regisseur J. J. Abrams präsentierte noch 2009 mit „Star Trek“ eine Vorgeschichte zu der Serie, die noch einigermaßen erträglich war. Mit der jetzigen Fortsetzung zu diesem ersten Teil, tut er sich allerdings extrem schwer. Glaubte man, die Filmemacher hätten in der Zwischenzeit in ihren Physikbüchern die elementarsten Gesetze nachgeschaut, so irrt man sich gewaltig. Da stürzt die USS Enterprise unkontrolliert zur Erde und verbrennt nicht in der Atmosphäre. Alle fremden Planeten haben eine erdähnliche Lufthülle, so dass die Crew um James T. Kirk (Chris Pine) ohne Sauerstoffmasken herumtoben kann.

Die Anfangssequenz auf Nibiru - ja, die Heimat der Annunaki! - ist sehr lustig, als Spock (Zachary Quinto) einen Vulkanausbruch - noblesse oblige! - verhindern kann und nicht zu Staub und Asche reduziert wird. Dieser ominöse Planet Nibiru soll eine Umlaufzeit von 3.600 Jahre haben, jenseits von Pluto im Dunkeln driften, aber auf der Oberfläche ist es taghell. Jedenfalls widersetzt sich Captain Kirk allen Regeln der Föderation und rettet seinen gefühllosen Freund mit den spitzen Ohren vor dem Verdampfen. Die Enterprise erreicht die Erde in Rekordzeit - wie sonst.

Suspendierung wegen Regelverstößen

Admiral Pike (Bruce Greenwood) sieht sich leider wegen Kirks Regelverstößen gezwungen, ihm das Kommando zu entziehen. Ein Flottenmitglied, John Harrison (Benedict Cumberbatch), bombt ein Archiv der Föderation in die Luft, und um ein Haar gelingt es ihm, den ganzen Flottenrat abzuknallen, hätte Kirk nicht dazwischen gefunkt. Harrison kann auf Kronos flüchten, der Heimat der Klingonen, den Erzfeinden der Föderation. Kirk düst mit seinem Schiff hinterher, mit an Bord Bones (Karl Urban), Sulu (John Cho), Uhura (Zoe Saldana), Scotty (Simon Pegg), Chekov (Anton Yelchin) und Neuling Carol (Alice Eve) sowie 72 hyper-neue Torpedos. Harrison entpuppt sich als Khan, den man aus dem zweiten Kinofilm „The Wrath of Khan“ (1982) kennt (damals von Ricardo Montalban gespielt), also ist der 12. Kinofilm ein neues Prequel zu einer bekannten Geschichte. Zuerst ist er Kirk hilfreich, dann kommt sein düsterer Aspekt zum Vorschein.

Der Rest ist albernes Geballere in einem Weltall, wo die Physik noch nicht hingekommen ist. Dass in Science-Fiction-Filmen nicht alles so ist, wie es die Naturgesetze erfordern, ist „normal“. Doch die Drehbuchschreiber fantasieren in letzter Zeit etwas zu viel, kennen nichts von Logik, die eben an solch unanfechtbare Regeln gebunden ist. Deshalb Daumen runter für das 12. „Star Trek“-Kinoabenteuer.