LUXEMBURG
CHRISTINE MANDY

Podiumsdiskussion über die Rolle der nationalen Musik in den Rotondes

Wird luxemburgische Musik von den nationalen Radiosendern abgelehnt? Das zumindest behauptete jüngst ein Mitglied der „Fédération Luxembourgeoise des Auteurs et Compositeurs“ (FLAC). Am vergangenen Montag wurde eine Podiumsdiskussion einberufen, um ebendieser Frage auf den Grund zu gehen, mögliche Ursachen zu klären und nach Lösungsansätzen zu suchen. Zu diesem Zwecke kamen acht Vertreter wichtiger Institutionen und Medienhäuser zusammen, darunter Marco Battistella vom Kulturministerium, Jean-Paul Hoffmann, Direktor des Radiosenders „100, 7“, Guy Antony von „Radio Ara“, Jules Serrig von „Eldoradio“, Gerard Floener von „RTL“, Giovanni Trono von „Music: LX“, Maxime Bender von der „Société des Auteurs, Compositeurs et Éditeurs de Musique“ (Sacem) und Joel Heyard von der „FLAC“. Unser Kulturredakteur Patrick Versall und Journalistin Céline Agnes von „Radio Ara“ übernahmen die Moderation.

Geringer Prozentsatz

Aktuell sind bei der „Sacem“ 900 luxemburgische Musiker eingetragen. Pro Jahr kommen in etwa 700 neue Werke dazu. Von diesen 700 Werken erreicht aber nur ungefähr ein Siebtel die luxemburgischen Radiosender. So lässt sich erklären, dass der Anteil der nationalen Werke nur drei Prozent der von RTL gespielten Musik ausmacht. Ziehe man die „Jingles“ und die „Ringbells“ mit in Betracht, seien es aber immerhin 50 Prozent, so Floener. Täglich sind bei „RTL“ etwa zehn luxemburgische Titel zu hören, beim „100, 7“, „Eldoradio“ oder auch „Radio Ara“ sind es zwischen fünf und 15 - oder sogar mehr. „Da ist noch Luft nach oben“, findet Bender. Will man nun nach Wegen suchen, diese Zahlen auszubauen, so gibt es verschiedene Punkte, an denen man ansetzen könnte.

Neue Strukturen

Heyard stellt sich eine Instanz vor, die zwischen den Künstlern und den Radiosendern vermittelt, beispielsweise in Form eines „comité d‘écoute“. Serrig wiederum spricht von einer Plattform, auf der alle luxemburgischen Titel hochgeladen und nach Genre sortiert werden. So hätten alle Radiosender einen direkten Zugriff auf sämtliche, in Luxemburg produzierte Musik. Administrative Hürden könnten dadurch überwunden werden. Per Email würden alle Kulturhäuser informiert werden, wenn neue Werke zur Verfügung stünden.

Im Ausland gibt es solche Plattformen bereits und das Kulturministerium könnte sich durchaus vorstellen, ein solches Projekt zu begleiten.

Eine weitere Möglichkeit wäre es, direkt beim Künstler anzusetzen. Viele Titel, die er an die Radiosender weitergibt, entsprechen nicht den qualitativen Produktionsstandards und können nicht gespielt werden. Auch komme es auf die Stilrichtung an, denn was nicht ins Programm passe, könne auch nicht aufgenommen werden, erklärt Floener. „Vielleicht müssen die Musiker auch mal aufhören, Künstler zu sein, und den ,kommerziellen Scheiß‘ produzieren“, gibt er zu bedenken. Das wirft wiederum die Frage auf, wie viel luxemburgische Musik der Zuhörer überhaupt hören möchte. Nichtsdestotrotz deutet alles darauf hin, dass einfach nicht genug luxemburgische Musik auf dem Markt ist. Von zwölf Titeln, die „RTL“ als Vorschlag erreichen, werden immerhin acht gespielt, was eine relativ hohe Quote ist.

Wachsender Einfluss der sozialen Medien

Die Frage, ob junge Künstler überhaupt noch das Radio brauchen, beantwortet Heyard mit einem klaren „Ja“. Obwohl heute viele durch „streaming“, „spotify“, „YouTube“ und Co. auf neue Künstler aufmerksam werden, entdeckt wohl immer noch 60 Prozent der Bevölkerung ihre Musik im Radio. Hoffmann sieht darin eine Kernaufgabe des Radios, die Zuhörer auf neue Musik zu stoßen. Bender weist zudem daraufhin, dass der Künstler hauptsächlich durch „Airplay“ seine Tätigkeit als Musiker finanziert. Nehme der Einfluss des Radios ab, fehle ihm eine elementare Einnahmequelle.

Auf eine endgültige Lösung konnten sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion letztlich nicht einigen. Die Idee einer Plattform würden aber wohl die meisten begrüßen und es würde die Arbeit sowohl auf der Seite der Künstler, als auch auf der der Radiosender, erleichtern.

Die luxemburgische Musikerin Lisa Henn im Mai beim "Radio Ara"-Festival. Foto: François Aussems.  - Lëtzebuerger Journal
Die luxemburgische Musikerin Lisa Henn im Mai beim "Radio Ara"-Festival. Foto: François Aussems.