Miami, London, Berlin - Ein Blick in den Terminkalender von Gregor Tresher lässt vermuten: Dieser Mann ist heißbegehrt. Der 38-jährige DJ und Produzent aus Frankfurt am Main begeistert seit Jahren die Szene mit feinsten elektronischen Beats und groovigem Techno. Tresher selbst ist ein wahrer Verehrer der Melodie: Er definiert sie als ein Medium, der Musik etwas Neues verleihen zu können. Kooperationen mit großen Namen wie Depeche Mode oder Moby zeugen von seinem Stellenwert in der Szene. Am heutigen Donnerstagabend können Sie sich selbst von Treshers Interpretation der Melodienkunst begeistern lassen, denn zwischen all den eben genannten Metropolen befindet sich ebenso das beschauliche Berdorf in seiner Agenda.
Gregor, schön, dass du dich dazu entschieden hast, auf dem Amphitronic Festival zu performen. Was hat dich dazu bewegt, die Berdorfer Höhlen zu animieren?
Gregor Tresher Ich glaube, ich habe überhaupt noch nie in Luxemburg gespielt und dachte mir, das Amphitronic Festival ist doch ein schöner Einstand.
Kann man mehr seinen eigenen Charakter in die etwas kleineren, charmanteren Events einfließen lassen?
Tresher Ich versuche das natürlich unabhängig von der Größe des Events zu tun, denn darum geht´s ja beim Musik-machen, trotzdem fällt es einem auf kleineren Events manchmal leichter - ja.
Wie hältst du den Spagat zwischen der „Musik, die die Leute hören wollen“ und deinem persönlichen Drang, das zu spielen, was du eigentlich im Kopf hast?
Bezogen auf Auftritte als auch Tracks.
Tresher Ich spiele ausschließlich Tracks, hinter denen ich zu hundert Prozent stehen kann, ich würde z.B. niemals einen Track spielen, der zwar einen vollen Dancefloor garantiert, aber den ich nicht mag. Wenn ich das machen würde, wäre ich nur noch Dienstleister, der künstlerische Aspekt des Deejayings wäre verloren. Sich ein wenig an die Situation anzupassen, was z.B. die Härte des Sounds betrifft oder die Geschwindigkeit des Sets, finde ich hingegen wichtig und richtig, es hat schließlich niemand etwas davon, wenn der DJ einen Sound durchdrückt, der keinem gefällt. Vielleicht macht die Überschneidung des eigenen Geschmacks mit dem der Leute auf dem Dancefloor einen richtig guten Abend aus, natürlich zusammen mit vielen anderen Aspekten.
Du bist nun schon rund zwei Jahrzehnte im Musikgeschäft tätig, letztes Jahr die Zusammenarbeit mit Depeche Mode. Welcher Künstler, den du getroffen hast oder mit dem du zusammengearbeitet hast, hat dich am meisten inspiriert?
Tresher Depeche Mode zu treffen und einen Remix für sie anfertigen zu dürfen war immer ein Traum von mir, schließlich bin ich Fan seit ich acht Jahre alt war - das war also schon eine ganz tolle Sache. Aber auch, dass z.B. Laurent Garnier letztes Jahr einen Remix für mich gemacht hat, war großartig und mir persönlich sehr viel wert.
Dein letztes Album „Nightcolors“ steht für soliden finsteren als auch melodischen Techno. Was erwartet uns als nächstes bzw. könntest du dir vorstellen, für ein Projekt eine komplett andere musikalische Richtung einzuschlagen?
Tresher Absolut - schon auf dem Album selbst geht das Spektrum ja von eher ruhigeren Tracks über Techno bis hin zu etwas abstrakterem Sound abseits der Four-To-The-Floor. Ein Projekt wie ein Album lebt für mich von der Abwechslung, damit es über seine komplette Laufzeit interessant bleibt. Abseits meiner Musik unter meinem richtigen Namen habe ich z.B. mit meinem Sniper Mode Projekt schon zwei Alben gemacht, die gar kein Techno waren, allerdings habe ich diese anderen Sachen etwas aus den Augen verloren, da mir inzwischen die Musik unter meinem eigenen Namen das wichtigste Projekt ist.


