LUXEMBURG
DPA/LIZ MIKOS

Nicht mit falschen Erwartungen ins Berufsleben starten

Den Studienabschluss in der Tasche, das ein oder andere Praktikum sowieso und die Karriere kann beginnen. Schließlich haben viele Absolventen schon in Praktika gezeigt, was in ihnen steckt. Manchmal ist es aber gar nicht so einfach, sich in Stellung zu bringen. Was Neulinge beim Jobstart wissen sollten:

Karriere oder Kreativität

Der Arbeitssuchende sollte immer auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Wer nur große Firmen in Betracht zieht, geht das Risiko ein, seine Kreativität bändigen zu müssen. Viele Berufsanfänger glauben, dass eine große Firma automatisch mehr und bessere Chancen bietet als eine kleine. Doch wo feste Karriereprogramme und höhere Gehälter geboten werden, ist es oft so, dass dies auch mit viel Bürokratie, klaren Hierarchien und starren Strukturen verbunden ist. Für Kreativität und schnelle Lösungen ist da häufig kein Platz. Wer seine Kreativität ausleben möchte, ist oftmals bei einer kleineren Firma besser aufgehoben. In einem Konzern kann es schon mal ein paar Monate dauern, bis eine neue Idee durchgesetzt werden kann.

Wer flexibel arbeiten will, flache Hierarchien bevorzugt und Freiheit und Verantwortung anstrebt, ist bei einem Mittelständler oder Start-up möglicherweise besser aufgehoben als in einem großen Konzern, in dem das Individuelle oft untergeht. Wer allerdings anstrebt in einem großen Unternehmen unterzukommen, sollte dies möglichst sofort tun. Von einer großen Firma in eine kleine zu wechseln ist nämlich durchaus einfacher, als das umgekehrte Prozedere.

Davon ist auch Berufs-Neuling Bianca (22) aus Düdelingen überzeugt: „In einer großen Firma ist man sicherer aufgehoben als in einer kleineren, da die kleinen Firmen ja immer weniger werden. Allerdings finde ich auch, dass der Spaß an der Arbeit nicht fehlen darf. Ich würde jedem raten, das zu tun, was er wirklich tun möchte. Karriere ist nicht alles. Allerdings sollte man auch nicht auf einem Stand stehen bleiben. Man soll versuchen, sich immer weiterzuentwickeln.“

Nora (21) aus Wasserbillig hat gerade erst vor ein paar Monaten bei einer luxemburgischen Bank angefangen zu arbeiten. „ Mir war es wichtig, dass ich einen sicheren Arbeitsplatz bekomme. Bei der Bank habe ich gute Aufstiegsmöglichkeiten. Ich zeige meinem Chef nun was ich kann, vor allem, dass ich fleißig bin. Ich träume von einer Karriere als Bankerin“.

Die Tugenden des Neulings

Nicht bloß die Pflicht erfüllen: Fleiß und Disziplin sind Tugenden, die bei Vorgesetzten hoch im Kurs stehen. Wer als Anfänger Karriere machen will, sollte jedoch öfter einmal über das Ziel hinausschießen. Klar gibt der Chef die Kommandos, doch was hier besonders zählt, ist die Umsetzung. Wer etwas mehr macht, als das, was von einem verlangt wird, und seine Arbeit dann auch noch vor dem Stichtag erledigt hat, zeigt, dass er diese Tugenden und seine Arbeit ernst nimmt. Powern und profilieren, laute die Devise.

Allerdings sollte der Neuling auch nicht zu hoch über das Ziel hinausschießen. Natürlich muss man Eigeninitiative zeigen, wenn man Karriere machen will. Allerdings sollte man es damit auch nicht übertreiben, vor allem, wenn man gerade neu ist. Zwar hat man dann meist noch einen offeneren Blick, erkennt Verbesserungspotenziale und will sich mit guten Ideen hervortun, doch Vorsicht! Zuviel Engagement kann Bewerbern schnell negativ ausgelegt werden. Zuerst gilt es nämlich nachzufragen, zu versuchen und die Spielregeln kennen zu lernen. Erst wenn man seinen Platz gefunden hat, und dieser auch anerkannt wird, kann man damit anfangen Verbesserungsvorschläge auf den Tisch zu legen.

Selbstlob ist durchaus

erwünscht

Lob motiviert! Das ist zwar eine Binsenweisheit. Trotzdem ist sie noch nicht in den Köpfen aller Vorgesetzten angekommen. Berufsanfänger fahren deshalb besser, wenn sie nicht auf die Anerkennung vom Vorgesetzten oder den Kollegen warten, sondern ihre Erfolge selbst feiern. Das ist in vielen Fällen jedoch leichter gesagt als getan. Man soll seine Erfolge auf jeden Fall nicht ignorieren, sondern sie wenigstens selbst erkennen und Wert schätzen. Dabei kann die eigene Familie und der Freundeskreis hilfreich sein.