LUXEMBURG
ISABEL SPIGARELLI

Phu Nguyen, Gewinner des diesjährigen „Science Slam“, über die eigentliche Herausforderung

Wer einen Doktortitel trägt, hat keinen Humor. Begriffe die auf „-wissenschaft“ enden, stehen für irgendetwas Kompliziertes, das kein normaler Mensch versteht. Falsch! Bei einem „Science Slam“ sind die Vortragenden gezwungen, ihre Recherche-Ergebnisse auf den Punkt zu bringen: Keine unverständlichen Phrasen, keine endlos langen Erklärungen. Zehn Minuten müssen reichen, um Wissen künstlerisch zu vermitteln und dem Publikum ein „Aha“ zu entlocken. LuxDoc, die „Luxembourg’s Young Researchers Association“, lädt jährlich zu einem solchen Event ein. Dieses Jahr nahmen vier Gruppen aus unterschiedlichen Forschungsgebieten teil.

Der Computerwissenschaftler Phu Nguyen begeisterte beim diesjährigen „Science Slam“ mit einer Karaoke-Version seines Projektes. Sein Gedicht über „Model-Driven Engineering“ und „Modularity and Dynamic Adaptation“ verhalf ihm zum lautesten Applaus des Abends und somit zum Sieg. Dabei fiel es ihm anfangs gar nicht so leicht, seine wissenschaftliche Arbeit in einem traditionell vietnamesischen Hut und wenigen Strophen zusammenzufassen.

Vor welche Herausforderungen hat Dich der „Science Slam“ gestellt?

PHU NGUYEN Vier Jahre Forschung, in eine zehn-minütige Präsentation zu packen, ist kompliziert genug. Doch das Ganze einem Publikum vorzustellen, das ganz unterschiedliche Kenntnisse mitbringt, macht die Sache noch schwieriger. Allgemein verständlich, witzig und kreativ - so muss ein guter Vortrag sein.

Das ist Dir scheinbar gelungen. Du hast sogar den ersten Platz belegt!

NGUYEN Ja, tatsächlich. Ich habe mich an meiner vietnamesischen Herkunft orientiert: Ich habe etwas zusammengedichtet und es singend vorgetragen, wie beim Karaoke. Alle konnten den Text mitlesen. Dabei habe ich einen traditionell vietnamesischen Hut getragen.

Was hat Dir der Slam gebracht?

NGUYEN Ich kann multilinguale, unterhaltsame Gedichte über meine Forschungsergebnisse schreiben. In jedem Beruf ist es von Vorteil, wenn man seine Kenntnisse an die breite Masse weitergeben kann. Es geht nicht darum, dass wir uns unter Experten verstehen. Jeder soll von unserem Wissen profitieren. Durch meine Teilnahme am Slam haben sich meine „Presentation skills“ deutlich verbessert.

Ist das allein der Vorteil einer solchen Veranstaltung?

NGUYEN Zusammenfassend würde ich sagen, dass der Vorteil grundsätzlich in der Kommunikation besteht. Alle sitzen in demselben Raum, haben aber unterschiedliche Vorkenntnisse. Ein Naturwissenschaftler besucht vielleicht selten einen Kongress über Computerwissenschaften, nimmt aber gerne an einem „Science Slam“ teil. Dort erfährt er, was seine Kollegen aus der Forschung so treiben und hat auch noch Spaß dabei. Bestenfalls sitzt die eigene Großmutter neben ihm im Publikum und versteht genauso viel wie er. Wissenschaft wird beim Slam zur Unterhaltung - das ist das Schöne daran. Es besteht ein Austausch zwischen den unterschiedlichsten Menschengruppen.

Wirkt das Publikum bei einem „Science Slam“ denn
interessierter als bei einer förmlichen Veranstaltung an der Universität?

NGUYEN Ich musste meine Präsentation mehrmals unterbrechen, weil die Leute nicht aufhörten zu applaudieren. Das ist mir an der Uni noch nie passiert. Auf internationalen Konferenzen trifft man oft auf gelangweilte Zuhörer, die sich eine trockene Präsentation nach der anderen anhören. Vielleicht sehen sie aufmerksam aus, doch ob sie mit den Gedanken nicht ganz woanders sind, weiß man nicht. Natürlich sind solche wissenschaftlichen Kongresse wichtig, aber so ein
„Science Slam“ zwischendurch muss sein. Das Publikum reagiert spontan und ist amüsiert.

Hast Du Lust auf mehr?

NGUYEN Ja, ich hatte sehr viel Spaß bei den beiden letzten Slams von LuxDoc und möchte auch weiterhin teilnehmen. Ich habe jedes Mal etwas Neues dazugelernt, und lernen ist meine Leidenschaft.