PATRICK WELTER

Das Kind ist in den Brunnen gefallen. Ein Scherbenhaufen. Eine Ohrfeige für die Politik - alle diese Aussagen zur gescheiterten Ménage-à-trois konnte man in den Kommentaren der letzten Tage wiederfinden. Die Bürgerabstimmung über eine Fusion zwischen Fischbach, Larochette und Nommern ist gründlich in die Hose gegangen, um die nächste ausgelatschte Floskel zu verwenden. Was und wer wurden nicht alles für das Scheitern der eigentlich vernünftigen Idee verantwortlich gemacht -von der mangelnden Kommunikation bis hin zu Bereichsplänen, die für alles herhalten müssen.

Das Ergebnis der Abstimmung war so eindeutig, dass es erlaubt sein muss, das gnädige Leichentuch der Rücksichtnahme wegzureißen und scharfe Worte wie Ressentiments oder latenter Rassismus zur Analyse des Ergebnisses heranzuziehen. Die Wortwahl von Larochettes Bürgermeister Pierre Wies, der das Ergebnis als Affront gegen seine Gemeinde interpretiert hat, hat ihren Grund. Das als „Portugiesen-Gemeinde“ verschrieene Larochette hat mit großer Mehrheit für die Fusion gestimmt. Die beiden kleineren Landgemeinden mit überwältigender Mehrheit dagegen. Zu den Reizthemen der ausgearteten Debatte gehörte die von den Fusionsgegnern ins Spiel gebrachte mögliche Schaffung einer Zentralschule, die von den drei beteiligten Schöffenräten immer und wieder dementiert wurde. Zu groß war offenbar die Angst, die lieben Kleinen müssten die Schulbank mit ein paar lusitanischen Lümmeln teilen, die das Klassenniveau dramatisch nach unten ziehen. Toleranz zelebriert man gerne nach außen, doch in der Einsamkeit der Wahlkabine kann man seinen Ängsten vor dem Fremden freien Lauf lassen.

Auch der Spruch vom Denkzettel ist quatsch. Die Schöffenräte, die die Fusion initiiert haben, hatten die Zeichen der Zeit erkannt: Kleinklein ist dem Untergang geweiht. Wer mit dem Spruch „Wir haben doch alles“ gegen die Fusion argumentierte, dokumentiert zweierlei: Seine eigene Kurzsichtigkeit, die nicht über den Schatten seiner Dorfkirche herausragt und seine unfreiwillige Unterstützung für den Schöffenrat. Nach dem Debakel stellte der Bürgermeister von Nommern, ganz nach den Regeln des politischen Anstands, als gescheiterter Befürworter im Gemeinderat die Vertrauensfrage und erhielt alle Stimmen, auch die der leidenschaftlichen Fusionsgegner. Da zeigt sich selbst in der Fernanalyse die politische Inhaltlosigkeit - es ging nur ums Verhindern, niemals ums Gestalten.

Die Freude am Nein aus Prinzip war auch schon bei anderen Fusionsdebatten zu beobachten. Die Sprüche waren immer gleich „Die wollen nur unser Geld“ und „Wir kommen allein zurecht“. Mehrheitlich sind diese Lokalpatrioten gescheitert. In Koerich haben sie gewonnen und Simmern, das Mädchen ohne Mitgift, verschmäht. Immerhin hat die verstoßene Braut jetzt mit Hobscheid einen Partner gefunden. Der ehemalige Innenminister Jean-Marie Halsdorf hat mit einigem falsch gelegen aber seine Überzeugung, dass in diesen Zeiten nur Gemeinden mit einer vernünftigen Größe eine Zukunft haben, war richtig. Spätestens wenn die gemeindeeigenen Schatztruhen leer sind und Vater Staat nicht noch eine Zwergschule finanzieren will, werden die alten kommunalen Jungfern merken, dass sie den Zug verpasst haben.