LUXEMBURG
NIC. DICKEN

BGL-Chefvolkswirt Yves Nosbusch zeigt Wege aus der Kreditklemme

In zunehmendem Maße wird Kritik laut, dass sich die massive Liquidität, mit der die EZB in den letzten beiden Jahren den Markt regelrecht geflutet hat, im Endeffekt nicht oder nur höchst ungenügend bei der Kreditvergabe an Unternehmen und Privathaushalte ihren Niederschlag findet.

Dieses Thema nahm gestern Yves Nosbusch, der kürzlich erst ernannte neue Chefvolkswirt von BGL BNP Paribas, näher unter die Lupe und belichtete sowohl die Gründe für diese Kreditverknappung, zeigte aber auch Wege auf, wie man aus dieser Sackgasse wieder herausfinden kann. Dabei stellte Nosbusch zunächst keinesfalls in Abrede, dass es tatsächlich seit 2008 zu einer Eindämmung bei der Kreditvergabe gekommen sei, von der allerdings keineswegs nur die Peripheriestaaten der Eurozone, wie etwa Spanien und Italien, sondern auch die wirtschaftliche Lokomotive Deutschland betroffen sei.

Ungewisse Zinslage

Grundsätzlich müsse man feststellen, so Nosbusch, dass die Kreditverknappung bedingt wird sowohl durch die Banken, die auf Finanzierung, Eigenkapitaldecke und Risikolage achten müssen, wie auch durch die Kreditnehmer, allen voran die Unternehmen, die angesichts einer weiterhin flauen Konjunktur vor neuen Investitionen zurückschrecken und gleichfalls ihre Geschäftsrisiken sehr vorsichtig einschätzen. Parallel dazu sind die effektiven Zinssätze, ebenfalls unter dem Impuls der Leitzinsentwicklung, deutlich zurückgegangen, wo bei die kurzfristigen Einlagen bei Banken derzeit gegen Null tendieren. Wegen der historisch niedrigen Zinslage ist auch der Interbankenmarkt auf ein striktes Minimum zusammengeschmolzen, zumal die Kreditinstitute von der EZB ausreichend mit Liquidität versorgt werden. Eine Belastung für das Kreditgeschäft stellt die mittelfristige Ungewissheit hinsichtlich der künftigen Vorgehensweise der EZB dar, die zwar eine Fortführung ihrer aktuellen Politik bis ins zweite Quartal 2014 hinein in Aussicht gestellt hat, darüber hinaus aber ihre Einstellung offen lässt. Andererseits gilt diese Ungewissheit auch für Sparer und Anleger, die sich, wie das Beispiel Dänemark zeigt, zum Teil sogar mit negativen Zinsraten zufrieden geben müssen.

Schuldenmanagement als Lösung

Einen möglichen Ausweg aus der Kreditklemme, besonders in der Peripherie der Eurozone, stellt eine stärkere Verbriefung von Schulden dar, wie es auch EZB-Präsident Mario Draghi zu Beginn dieses Monats unterstrichen hatte. Für Yves Nosbusch besteht der Schlüssel zur Lockerung der Kreditklemme in einer deutlicheren Staffelung der Schuldenrisiken untereinander, wo sich die Rückzahlungsrisiken gegenseitig ausgleichen und damit das Gesamtrisiko verringern helfen. Ausschlaggebend für den Erfolg dieses Konzeptes sei die Feststellung der am besten geeigneten Korrelation zwischen den jeweiligen Schuldensituationen .

Durch die Verbriefung könnten auf der Basis von Schulden mit hohem Risiko letztendlich Schuldpapiere mit einem deutlich verringerten Risiko geschaffen werden. Dies wiederum ermögliche eine auch volkswirtschaftlich gesehen bessere Risikostreuung, die auch für Pensionsfonds und Versicherer annehmbar sei, die generell zu niedrigen Kreditrisiken verpflichtet seien. Dieser Mechanismus wiederum würde die Bilanzen der Banken entlasten und Freiraum für neue Kreditvergabe schaffen, so Nosbusch.