Noch mal kurz Luft holen vor dem großen „Run“: Während einige Schulen bereits im Hochbetrieb laufen, wird sich ab Montag das Gros der über 105.000 Schüler, fast 10.000 Lehrkräften und mehreren zehntausend Personen, die sich in eine Weiterbildung eingeschrieben haben, erstmals oder zum wiederholten Male auf den Weg in ihre Klassen begeben.

Vor allem die Schulanfänger, natürlich begleitet von abertausenden Eltern und Angehörigen, die sie am Morgen dieses wichtigen Tages bei ihrem Eintritt in einen neuen Lebensabschnitt begleiten möchten. Wie werden sich die Schüler schlagen in unserem Schulsystem, in dem offensichtlich noch eine ganze Reihe von Defiziten auszumerzen sind, an die der Bildungsminister mit vollem Elan heran gehen will? Intensivst beschäftigen wird ihn wohl in den kommenden Wochen vor allem die überfällige Reform des Sekundarunterrichts, die noch von seiner Vorgängerin im Amt nach harter Kontroverse im Mai 2013 auf den Instanzenweg gebracht wurde, und zu der das Gutachten des Staatsrats in den kommenden Wochen erwartet wird. Aber es gilt, zeitgleich an vielen Schrauben zu drehen, um die Chancen der Schüler auf einen Abschluss zu steigern. Dass es bei weitem nicht jedem gelingt ein Diplom zu erlangen, zeigt die diese Woche erschienene OECD-Studie „Education at a glance“: Lediglich 40 Prozent der Schüler packen ihren Abschluss in der Regelstudienzeit - der Durchschnitt in den OECD-Ländern liegt bei 72 Prozent. Aber Defizite im Schulsystem sind nur ein Faktor, die diese vor allem vor dem Hintergrund der steigenden Anforderungen der Arbeitswelt erschreckend niedrige Quote erklärt. Auch ein schwieriges soziales Umfeld oder die mangelnde Integration in die hiesige Gesellschaft kosten Chancen. Womit wir bei anderen, dringenden, Themen wären, die die politische Debatte in den kommenden Monaten beherrschen müssen: Familienpolitik, Integration und soziale Unterstützung. Wobei wünschenswert wäre, dass die Diskussionen über die gesellschaftlichen Herausforderungen sich nicht in reinen Kontroversen über die Umverteilung von Geldern erschöpfen. Die Suche nach dauerhaften Lösungen geht nämlich weit über die Sanierung und nachhaltige Aufstellung der Staatsfinanzen hinaus. Bleibt zu hoffen, dass die Sozialpartner, die bereits kommende Woche mit der Regierung über die entsprechenden Maßnahmen diskutieren, das im Hinterkopf behalten und Weitsicht beweisen.

Und die politische Opposition, statt die Koalition für Maßnahmen zu geißeln, die sie ohnehin auch hätte ergreifen müssen, mit eigenen Vorschlägen kommt, wie den mannigfaltigen gesellschaftlichen Herausforderungen zu begegnen ist. Eine davon ist - wie gesagt - das Zusammenleben in einem Land, dessen Bevölkerung mittlerweile zu 45% aus Nicht-Luxemburgern besteht. Die Debatte wird bald intensiv geführt werden müssen, schließlich steht ein Referendum über das Ausländerwahlrecht an. Vor diesem Hintergrund führt das „Journal“ ab Montag unter anderem eine wöchentliche Rubrik über die „Expats“ in Luxemburg ein. Sie ist Teil einer Reihe von Neuerungen, die wir in den kommenden Wochen anbieten. Wir freuen uns bereits auf Ihr Feedback und wünschen Ihnen eine möglichst stressfreie „Rentrée“.