NIC. DICKEN

In diesen von grassierendem Autofieber geprägten Tagen kann man schon mal den Eindruck bekommen, dass gerade diejenigen, die uns, selbstverständlich für viel Geld, die Vorzüge der einen oder anderen Marke, des einen oder anderen Modells, in zumeist reißerisch gemachten Werbeclips vermitteln wollen, selbst noch nie in einem „normalen“ Auto gesessen, geschweige denn eine dieser selbstfahrenden Komfortkutsch n gesteuert haben könnten.

Da sollen wir überzeugt werden, auf kleinen Felgen laufende Flitzer durch tiefe Schlammlöcher zu lenken und dabei auch noch „Fahrspaß“ zu empfinden, da will man uns weismachen, dass man auf vier Rädern über die Berge quasi fliegen kann, da will man uns glauben machen, dass innenstadttaugliche Kabinenwinzlinge sogar im groben Gelände zurechtkommen und dass fürs Gelände gebaute Fahrwerke punktgenau in jede sich bietende Parklücke gelotst werden können.

Warum das Ganze? Wir sollen - und wollen! - mit den Autos in aller Regel doch nur fahren, von A nach B oder auch etwas weiter, wenn’s eben Spaß macht, aber zum Fliegen gibt es ja mittlerweile Flugzeuge in allen Größen und Variationen, und im Gelände ist man, genau wie im Wald, wo ohnehin Fahrzeuge grundsätzlich nicht hingehören, mit Traktoren oder anderen echten Geländefahrzeugen bestimmt besser und treffender bedient.

Man mag ja noch akzeptieren, dass Autos immer mehr zu Statussymbolen hochstilisiert wurden und die Modellwahl eher auf den Geltungsdrang, das persönliche Selbstverständnis und das Volumen der Geldbörse als auf das elementare Mobilitätsbedürfnis der Käufer zurückzuführen ist, dem mittlerweile eigentlich alle angebotenen Modelle entsprechen.

Dass heute, nicht zuletzt aufgrund eines von den Konstrukteuren selbst angetriebenen technologischen Wettbewerbs auf den Gebieten Leistung, Fahr- und Insassenkomfort, aktive und passive Sicherheit, Verbrauch und nicht zuletzt auch Gesamtfahrkosten, deutlich höhere Ansprüche an Autos gestellt werden können, als es noch vor einigen Jahrzehnten der Fall war, darf der Autokäufer ruhig als Schnäppchen der Branche zur Kenntnis nehmen.

Über den Leistungs- und Komfortaspekt hinaus sollte der bewusste Autofahrer jedoch zwei Dinge nicht vergessen. Zum einen, dass er mit jedem Kilometer, ob nun im kleinen Zweisitzer oder in der hochvolumigen Nobelkarosse, auch eine Belastung für die Umwelt darstellt, die immer mehr an die Grenzen ihrer Belastbarkeit stößt. Zum anderen aber auch, dass er selbst Teil jener Bedrohung der Verkehrssicherheit ist, die uns allen am Herzen liegt und eigentlich eine unbedingte Priorität behalten muss.

Es soll ja nicht soweit kommen, dass man beim Autokauf die zulässige Leistungsstärke vom IQ-Niveau des Käufers oder Halters abhängig macht.

Allen Besuchern des Autofestivals wünschen wir in diesen Tagen über die Begeisterung für die neuen Modelle hinaus auch ein gesundes Maß an Bodenhaftung. Es sind ja nur Autos, die angeboten werden.