ECHTERNACH
INGO ZWANK

Yves Wengler (CSV) ohne Gegenstimme zum Echternacher Bürgermeister gewählt

Es gab eine Abrechung mit dem Alten und Vorschusslorbeeren für den Neuen: Yves Wengler (CSV) tritt nun offiziell die Nachfolge von Théo Thiry (CSV) als Bürgermeister von Echternach an. Dabei wurde es bereits in den ersten Minuten der Montagabend-Ratssitzung spannend, telefonierte der Bürgermeister in spe seinem Parteifreund Marc Diederich hinterher: „Du kommst ja noch?“, fragte Wengler - sah das absehbare Stimmverhältnis doch „fünf zu fünf“ in Rat der Abteistadt aus. Schließlich ging es doch um die Nominierung des neuen Ersten Bürgers der Abteistadt. „Es war etwas Panik“, sagte der scheidende Bürgermeister Thiry dann zu dem verspätet eintreffenden Diederich.

Extremer familiärer Druck

„Ich stelle klar, dass es eine persönliche Entscheidung ist, es gab keinen Druck - doch, es gab Druck von Seiten der Familie“, sagt Thiry eingangs der Ratssitzung, „Ich hätte nicht zurücktreten müssen. Bisher hat hier in Luxemburg noch kein Politiker, der von einem Gericht verurteilt wurde, seinen Rücktritt eingereicht!“ Er habe den Posten des Bürgermeisters gerne ausgefüllt, „doch plötzlich hat es eben keinen Spaß mehr als Hobbypolitiker gemacht“, fügte Thiry hinzu, der sich darüber ausließ, dass Ratsmitglieder sich, aus seiner Sicht, absolut unkorrekt benommen hätten. „Wer da von Moral und Ethik spricht, der sollte sich selbst...“, wobei Thiry seine Ausführungen hier abbrach. Er blickte aber auch auf Projekte zurück, wie die „Petite Marquise: Es war der Schandfleck der Abteistadt, wie es in den Medien kommentiert wurde.“ Nun sei aber wie an vielen anderen Stellen auch Bewegung angesagt. Abschließend dankte Thiry den Kollegen für die Zusammenarbeit und bedankte sich ausdrückliche bei der Verwaltung, „Yves, ich wünsche Dir und den Schöffen ein gutes Händchen - und pass auf Deine Familie auf“, so der Ratschlag des ausscheidenden Bürgermeisters. Wie im Koalitionsvertrag von CSV und LSAP vereinbart, darf die CSV den Bürgermeister vorschlagen. „Die LSAP steht zum Koalitionsvertrag“, betonte Jean-Claude Strasser für die seine Fraktion. Marc Diederich (CSV) sagte Thiry zugewandt: „Du hast Dich eingesetzt für die Gemeinde - und wir sagen: Danke!“

„Es war eine gute Zusammenarbeit im früheren Schöffenrat“, sagte André Hartmann (DP), der aber klarstellte, dass er sich in letzter Zeit als Opposition etwas ausgebremst fühlte. Wenn eine Koalition wechselt, müsse es doch gestattet sein, „auch den Bürgermeister und früheren Koalitionspartner zu kritisieren“ - und wiederholte zur Kritik, die ihm gegenüber durch die Blume von Thiry geäußert wurde, dass es wohl ein klarerer Schnitt wäre, sowohl als „Bürgermeister und auch als Ratsmitglied“ zurückzutreten.

Zum neuen Bürgermeister sagte Hartmann, dass man „nach den vielen Interviews durchaus sagen kann, dass wir als DP mit den Ideen von Yves Wengler einverstanden sein können. Wir sehen die Ansätze positiv und wenn man die Gemeinde gemeinsam voranbringen kann, dann stehen wir hinter dem neuen Bürgermeister.“ Und doch kündigte Hartmann an, nicht für Wengler zu stimmen, sondern sich zu enthalten. Françis Reuter (ebenfalls DP) widersprach seinem Partei- und Fraktionskollegen in dem Punkt, dass „ich es nicht für nötig ansehe, dass Théo auch als Ratsmitglied zurücktreten soll. Er ist immerhin von vielen Bürgern gestimmt worden...“

Raymond Becker (déi gréng) führte ebenfalls an, dass er einen Rücktritt - auch wenn der Anlass im Persönlichen zu suchen ist - entsprechend befürworte - und betonte in Richtung Wengler, dass zwischen „Worten und Taten“ immer noch eine große Spannweite bestehe. „Auch die 100 Tage werden für Yves gelten“, sagte Becker, der ankündigte, dass sich die Grünen ebenfalls enthalten würden, „was aber doch ein Zeichen ist, wenn der Bürgermeister ohne Gegenstimme gewählt wird.“ Mit sechs Ja-Stimmen bei fünf Enthaltungen wurde dann auch Yves Wengler zum Nachfolger von Théo Thiry gewählt.

Wengler sucht den Dialog

„Ich bin für alle Gespräche offen“, sagte Wengler nach seiner Wahl. Er betonte, dass er aber allein nichts bewältigen kann, „wir sind elf Mann hier am Tisch. Und in den nächsten drei Jahren muss sich etwas verändern - ich hoffe, dass wir das gemeinsam schaffen.“

Mit Valorlux sollte noch die bestehende Vereinbarung verlängert werden, worin unter anderem vorgesehen ist, dass die Stadt entsprechend der Entsorgung eine gewisse Vergütung bekommt, etwa 48 Euro je Tonne Papier oder 36 Euro je Tonne Glas. Schöffe Ben Scheuer (LSAP) erklärte in diesem Zusammenhang, dass man den Klimaberater bezüglich weiterer umweltpolitischer Ausrichtung gewechselt habe. Einstimmig wurde die Konvention mit Valorlux verlängert und weitere Zuschüsse für Vereine gestimmt.