Der Schreiner aus Nazareth - Francis Wagner nannte ihn gestern im „tageblatt“ „auch so’n Palästinenser“ - hätte heute wirklich schlechte Karten. Nicht nur bei den PEGIDA-Spinnern. Heute käme sein Ende noch schneller als unter dem Statthalter Pontius Pilatus. Da kommt ein Typ daher und predigt Liebe. Das geht schon mal gar nicht. Außerdem hat er keine 70 Jungfrauen im Paradies für bombende Selbstmörder angeboten. Dazu ist zweierlei zu sagen. Die Gelehrten sind sich einig, dass es sich bei dieser kruden Idee um einen Übertragungsfehler aus dem Urschriften des Koran handelt und außerdem haben die Gotteskrieger das Kleingedruckte nicht gelesen: Selbst wenn sie die Jungfrauen finden sollten - nur kucken, nicht anfassen.

Der Schreiner aus Nazareth, wenn es ihn denn in der überlieferten Form gegeben hat, und der Kaufmann aus Mekka haben ein gemeinsames Problem. Sie wurden und werden vereinnahmt. Nicht ihre Lehren sind blutig, ihre Gefolgsleute waren oder sind es.

In beiden Fällen begann der Ärger mit dem Tod, pardon, der Himmelfahrt, des Religionsstifters. Der Römer Paulus machte aus dem Haufen Beatniks, die für ihren Messias schwärmten, einen durchorganisierten Verein, der aufgrund seines Alleinvertretungsanspruchs in nur dreihundert Jahren ein Weltreich eroberte. Tausend Jahre nach dem Tod des Schreiners war es sein Vertreter auf dem Stuhle Petri, der dem römisch-deutschen Kaiser sagte, wo es lang geht. Da war seine überlieferte Lehre schon so zurechtgeschnitten worden, wie es den Herren in Rom oder Byzanz gerade in den Kram passte. Beispiel: Als sich die christianisierten Germanen in alter Tradition wieder eine Göttin wünschten zauberten die Knechte Gottes den Marienkult aus der Soutane. Was aber die römische Kirche bis heute nicht daran hindert, ausgewiesene Frauenhasser wie Augustinus oder später Thomas von Aquin zu Kirchenvätern zu machen und sie heute noch als solche zu verehren. Der Nazarener, der den apokryphen Quellen nach , ein ganz normales Familienleben geführt haben soll, dürfte sich für diese Gefolgschaft bedankt haben. Ebenso wie für die blutigen Gottesgaben all der Großinquisitoren, die in seinem Namen ihrem Sadismus freien Lauf gelassen haben. Andere können genauso gut schlachten und foltern. Schon wenige Jahre nach dem Entstehen des Islam, der bald über Nordafrika und Spanien, Arabien und Persien herrschte, gingen sich die Nachfolger des Propheten an den Hals. Immer im Namen der reinen Lehre. Sunniten, Schiiten, Alewiten, Wahhabiten. Ähnlich wie die Kreuzfraktion, die sich auch aufspaltete und Gruppen wie die Arianer oder später die Katharer gleich ganz ausrottete. Die Juden saßen dabei zwischen allen Stühlen.

Dass man heute im Namen und zur Ehre eines Gottes ein sadistisches Schreckensregime wie den IS etablieren kann, ist nur mit einer Massenpsychose zu erklären. Während der verderbte Westler dazu gezwungen ist, seine Triebe im Horrorfilm, per Porno oder im SM-Studio abzuführen, lassen andere im Namen des Herrn die Sau raus. SM als Staatsreligion. Früher die Knechte Roms, heute der IS oder die Kindermörder in Pakistan. Wer schon wegen der Causa Auschwitz an der Existenz eines gnädigen Gottes zweifelte, ist jetzt endgültig überzeugt, dass der alte Mann mit dem weißen Bart ein mörderisches Fabelwesen ist.