MELAKA/KUALA LUMPUR
SIMONE MOLITOR

Von Singapur über Melaka nach Kuala Lumpur bieten sich ganz unterschiedliche Eindrücke

Tropische Regenwälder so weit das Auge reicht: Wer mit dem Bus von Singapur Richtung Kuala Lumpur reist, lässt den Blick vergeblich suchend aus dem Fenster schweifen. Statt einer artenreichen Dschungelkulisse - wie das immerhin bis in die 1970er Jahre der Fall war - erblickt man nur trostlose Ölpalmplantagen, die sich kilometerlang über die Landschaft erstrecken. Getrost genehmigen wir uns ein Schläfchen, leisten vorher aber noch den Schwur, nie wieder Nutella zu essen und uns ausführlich darüber zu informieren, welche anderen Produzenten Palmöl verwenden und somit ebenfalls an der Zerstörung der Lebensräume von Orang-Utans und sonstigen bedrohten Tierarten beteiligt sind.

Melaka - die älteste Stadt Malaysias

Nach fünf Stunden - zwei davon hat uns die Ausreise aus Singapur beziehungsweise das Schlangestehen an der Grenze gekostet - erreichen wir die erste Station unserer knapp dreiwöchigen Rundreise durch Malaysia: Melaka. Unsere Erwartungen sind groß, immerhin ist das im Jahr 1400 gegründete Städtchen, in dem nacheinander Portugiesen, Holländer und Briten ihre Spuren hinterlassen haben, Unesco-Weltkulturerbe. Die glorreiche Vergangenheit soll laut Reiseführer in der Altstadt so richtig spürbar sein, erkläre ich auf dem Weg dorthin gerade meinen Mitreisenden, als ich hinter mir eine seltsame, an einen Spielautomaten aus den 80er Jahren erinnernde Melodie vernehme. Ein Rikschafahrer versucht, in seinem in „Hello Kitty“-Manier verzierten fahrbaren Untersatz auf sich aufmerksam zu machen.

Langsam aber sicher beschleicht uns ein ungutes Gefühl, das sich wenig später bewahrheiten soll: Das überschaubare historische Zentrum ähnelt einem Freizeitpark. Der „Red Square“ mit seinem markanten roten Uhrturm, der ebenso roten protestantischen „Christ Church“ und der kleinen holländischen Windmühle ist mit weiteren bunt herausgeputzten Fahrradrikschas übersät. Das einstige Flair der ältesten Stadt Malaysias ist nur noch bedingt spürbar. Überraschende Momente erleben wir durchaus, da wir aber doch etwas andere Erwartungen haben als asiatische Touristen, sind wir froh, nach einem Tag wieder abreisen zu können. Kuala Lumpur - meist einfach KL genannt - ist unser nächstes Ziel. Lauter, schmutziger, lebendiger und um einiges authentischer als Singapur, lautet das erste Fazit, das wir nach wenigen Minuten zufrieden ziehen.

Kuala Lumpur - die vielfältige Hauptstadt

Belebte Märkte, hypermoderne Einkaufszentren, chinesische und indische Tempel konzentrieren sich im Zentrum der pulsierenden Metropole. Futuristische Wolkenkratzer, historische Gebäude, gediegene Kolonialbauten, aber auch heruntergekommene Wohnhäuser bilden die Kulisse. Derweil Letztere inzwischen größtenteils modernen Konstruktionen aus Stahl und Glas gewichen sind, blättern in Chinatown weiterhin die Fassaden von den Gebäuden ab, in deren Nähe die älteren Bewohner im Schatten der Bäume vor einem Brettspiel sitzen oder Schuhmacher am Straßenrand noch ganz traditionell am Werk sind. In KL treffen viele verschiedene Kulturen aufeinander.

Twin Towers bestimmen die Skyline

Blickfang sind die Petronas Twin Towers: Die höchsten Zwillingstürme der Welt - 451 Meter weit ragen sie in den Himmel - dominieren die Skyline. Zum zweithöchsten Fahnenmast der Erde - 100 Meter - am „Merdeka Square“ blicken wir spaßeshalber, aber durchaus staunend auch hoch, bevor wir schließlich zu den silbern glänzenden Zwillingen aufbrechen. Der Eintrittspreis hat es in sich, die atemberaubende Aussicht von der „Skybridge“ in der 41. und dem „Observation Deck“ in der 86. Etage lässt uns das Loch in der Reisekasse aber schnell vergessen.

Und das Portemonnaie wird an diesem Tag beim Besuch des zweistöckigen Meereszentrums „Aquaria KLCC“ im Untergeschoss des „KL City Centre“ noch einmal überstrapaziert. Ganz nah kommt man den Meeresbewohnern - Stachelrochen, Mantas und Haie - beim Durchlaufen des 90 Meter langen Tunnelbeckens. Wir erleben faszinierende Augenblicke in einer gigantischen Unterwasserwelt. Nach vielen Reisen durch unterschiedliche Regionen Südostasiens schwimmt uns auch endlich eine Meeresschildkröte vor die Linse, wenngleich in einer künstlich erschaffenen Welt. Die Hoffnung, einem solch beeindruckenden Tier in freier Natur zu begegnen, besteht aber, da wir am nächsten Tag nach Borneo aufbrechen, wo uns eine einzigartige Naturlandschaft und Tierwelt erwarten soll.