LAURENT BOQUET

„Ich bin dringend für eine Homosexuellenquote in Aufsichtsräten und staatlichen Gremien! Diese Quote soll bei zehn Prozent liegen. Um jedoch eine gewisse Flexibilität zu gewährleisten, könnten auch 20 Prozent Bisexuelle in die Vorstände berufen werden“ - mit diesem Satz hatte sich der LGBT-Aktivist Laurent Boquet in den sozialen Medien zum Thema Frauenquote positioniert, welche immer mehr Unternehmen, Vereinigungen und auch Parteien sich auf die Fahne schreiben.

„Der Frauenanteil in den Vorständen der Top-200-Unternehmen in Deutschland liegt bei 8,2 Prozent, der Ruf nach einer Frauenquote ist also scheinbar durchaus berechtigt und mein Verständnis von Chancengleichheit würde den riesigen bürokratischen Aufwand, der eine solche Frauenquote mit sich bringt, durchaus rechtfertigen.

Doch woran wird das ‚Frausein‘ festgemacht? An dem bei der Geburt zugewiesene Geschlecht, welches im Register eingetragen wird? Am Gender, also die von Frau gelebte soziale Geschlechterrolle? Was, wenn ich durch das auf dem Personalausweis eingetragenes ‚weiblich‘ zwar quoten-technisch in den Aufsichtsrat passe, ich mich jedoch nicht als Frau fühle, mich selbst nicht als solche identifiziere? Es hat wohl manche Frau in Führungsposition mehr Eier als ihre männlichen Gegenstücke, nein, das Denken im binären Geschlechtersystem ‚Mann‘ - ‚Frau‘ soll wieder einmal gefestigt werden, für mich ganz klar ein Schritt in die falsche Richtung.

Und wo wir beim Thema sind: Wäre die Entpathologisierung und Entpsychatrisierung von Transgenderpersonen nicht viel wichtiger, eine transparente Krankenkassenpolitik sowie vereinfachte Prozeduren zur Namens- und Personenstandsänderung nicht dringend notwendiger, als dass das Denken in rosa-blauen Schubläden politisch verstärkt wird?

Zurück zu meinem Verständnis von Chancengleichheit, ist das reine Beschränken dieser Begrifflichkeit auf rein geschlechterspezifische Themen mir noch immer ein Dorn im Auge gewesen! Neben dem Geschlecht gibt es nämlich noch fünf weitere Diskriminierungsmotive: wirkliche oder vermeintliche Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe, sexuelle Orientierung, Religion oder Glaubensbekenntnis, Behinderung und Alter.

Und da wäre sie wieder, meine Homosexuellenquote! Ab wann ist eine Quote gerechtfertigt? Wie weit darf der Gesetzesgeber sich in Wirtschaft einmischen und die Zusammensetzung wichtiger Gremien beeinflussen? Ist nicht die positive Diskriminierung des einen die negative Diskriminierung des anderen? Wird hier nicht Geschlecht über Kompetenz gestellt? Ich würde die Beantwortung dieser Fragen gerne dem Leser überlassen.

Mir persönlich wäre unwohl beim Gedanken, dass ich ein Mandat bekleide, weil ich, wohl nicht der Schlechteste, vor allem aber homosexuell bin. Von daher wäre mir es mir lieber, ohne Quote, weg von 50 Prozent Mann - 40 Prozent Frau, zehn Prozent schwul, hin zu: 100 Prozent Mensch!“