LUXEMBURG
SVEN WOHL

Frisches Blut in der Verlagswelt: Liliana Miranda gründet neuen Verlag

In der Verlagswelt herrscht anno 2014 helle Aufregung: Self-Publishing, eBooks, Amazon und Flatrates - Das sind die Worte, die für Angst und Schrecken sorgen. Da denkt man sich doch, dass sich gerade jetzt keiner mehr daran wagt, einen Verlag zu gründen. Doch ausgerechnet in Luxemburg wird man da eines Besseren belehrt: Ein neuer Verlag, der Lilu Verlag, betritt noch dieses Jahr die Bühne. Dahinter verbirgt sich ein nicht ganz unbekanntes Gesicht: Liliana Miranda, die zuletzt für Aufsehen sorgte, als sie als Pressesprecherin und Kandidatin der ADR zurücktrat, zieht als Eine-Frau-Armee in die heiße Schlacht der Verläge.

Selbstgemacht

„Ich sehe mich nicht als Revoluzzer“, sagt sie gleich zu Beginn des Interviews, wohlwissend, dass sie damit absolut niemanden mehr täuschen kann. Denn wer zuhört, muss feststellen, dass Liliana Miranda zwar keine Revolution plant, aber immerhin genug Ideen hat, um sich abzuheben. Dazu gehört auch das Anbieten von zusätzlichen Diensten, wie etwa der Unterstützung zum Self-Publishing, ein Thema, an das sich die luxemburgischen Verlage nicht herantrauen, obwohl international zahlreiche Verlage eigene Angebote in diese Richtung bereits aufgebaut haben. Dabei weiß Liliana Miranda, worin ihr Vorteil liegt: Der persönliche Kontakt soll es ermöglichen, das Produkt genau nach den Vorstellungen der Autoren zu gestalten. „Ich bin ein großer Fan der Demokratisierung der Kultur!“, stellt sie in diesem Zusammenhang fest.

Kein Wunder also, dass das erste Werk eine Neuauflage der Klassiker von Dicks sein soll. Der Clou: Sie sollen in einer aktualisierten Fassung in aktueller Rechtschreibung erscheinen. So gäbe es zwar gelegentlich Neuauflagen der Werke anderswo, doch immer in der ursprünglichen Rechtschreibung. „Das ist für heutige Leser nicht zumutbar“, meint Liliana Miranda und fügt hinzu „Wir haben das Glück, uns in einer Phase der Standardisierung des Luxemburgischen zu befinden“. Eine Chance, die genutzt werden soll, vor allem, falls die luxemburgische Literatur in der Schule jemals einen besseren Status erhalten sollte.

Neben luxemburgischen Klassikern sollen natürlich auch neue und junge Autoren angezogen werden. Was die Sprachen angeht,werden keine Grenzen gezeichnet, die nicht überschritten werden könnten: Auch Publikationen auf Englisch und Portugiesisch werden angestrebt. Bereits in einem Monat, also pünktlich zur Rentrée, soll das erste Buch des neuen Verlages in den Buchläden zu finden sein.

Hauptsache digital

Ein weiterer Punkt, mit dem sich Liliana Miranda mit ihrem Verlag profilieren möchte, sind eBooks: Diese sollen über einen leicht zugänglichen Webshop auf der Webseite erhältlich sein. Damit wird auch ein wenig ausgeglichen, dass zunächst keine internationale Verbreitung der Bücher angeboten wird. Zwar werden die nationalen Geschäfte beliefert, jedoch bleibt das weite Ausland zunächst außerhalb des Interessenbereichs. Zumindest, was gedruckte Bücher angeht, bei eBooks sind die Landesgrenzen absolut irrelevant. Apropos Grenzen: Die wird es, den sozialen Medien sei Dank, auch im Marketing kaum geben. Auf Twitter ist Liliana Miranda bereits unterwegs und konnte sich dort bereits unlängst etablieren. Es sollte also ein Leichtes sein, dem Verlag schnell die nötigen Follower und Likes zu verschaffen.
Mehr Informationen finden Sie in Zukunft auf: www.lilu.lu