ECHTERNACHGERHARD KLUTH

Internationales Festival startet in seine neue Spielzeit

Zum 39. Mal ging an diesem Wochenende das Internationale Festival in Echternach an den Start. Das erfreulichste zuerst: Das Eröffnungskonzert im Trifolion war nahezu ausverkauft, der große Saal voll besetzt. Und doch kamen Fragen auf. Im nächsten Jahr feiert das Festival und auch die Stadt das Bestehen einer Institution, die diese Stadt international bekannt gemacht hat und auch Vorbild für andere Festivals geworden ist. Musiker, die auf den Weltbühnen der Klassik zuhause sind, gaben sich in Echternach die Klinke in die Hand. Und gerade die Eröffnung einer Spielzeit war immer ein besonderes Highlight. Die ersten Töne einer neuen Saison kamen von den Wiener Sinfoniekern ebenso wie von der Gächinger Kantorei oder von Concerto Köln, der Pianist Kristian Zimerman gestaltete den Auftakt oder auch die Sopranistin Elisabeth Schwarzkopf. Mit bis zu 40 Konzerten waren die Kalender einer Spielzeit angefüllt. Und heute?

Gutes Orchester mit viel Potenzial

Gerade einmal neun Abende wird es geben, plus den vier Konzerten des Barockorchesters der Europäischen Union, die ohnehin stattfinden würden. Die Verantwortung des Auftakts legte das Präsidium in die Hände der Harmonie Municipale Echternach (HME), zusammen mit dem langjährigen künstlerischen Leiter des Festivals, Cyprien Katsaris. Unter der Leitung von Daniel Heuschen musizierten sie als Kernwerk das Klavierkonzert Nr. 3 von Ludwig van Beethoven. Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Die HME ist ein gutes Orchester mit viel Potenzial. Aber konnte es den Anforderungen der Eröffnung internationaler Klassikfestspiele gerecht werden? Hier muss man leider nein sagen und die Frage stellen, ob man der HME mit dieser Aufgabe einen Gefallen getan hat.

Starke Konkurrenz

Gebetsmühlenartig wiederholt Festivalpräsident Alex Julien die Probleme, die die Festspiele haben. Vor allem die starke Konkurrenz, namentlich die Philharmonie, mache ihm das Leben schwer und ziehe das Publikum ab. Da muss man sich fragen, ob mit einem solchen Konzert das verloren gegangene Publikum zurückgeholt werden kann. Natürlich wird es auch in diesem Jahr klassische Highlights geben, wenn Krystian Zimerman oder Emmanuel Pahud in Echternach zu Gast sind, die SEL oder das OPL spielen wird. Aber ein Eröffnungskonzert hat immer auch eine Signalwirkung, hinter der die anderen Abende zurück stehen. Welche Signale sandte dieser Abend aus? Was ist davon zu halten, wenn der künstlerische Leiter, Alexander Müllenbach, nicht zur Eröffnung erscheint? Kommentar von Julien: „Das ist eines unserer Probleme“. Ralf Britten, Intendant des Trifolion, sagt zur Programmgestaltung des ersten Abends: „Das Festival ist zu wenig in der Bevölkerung Echternachs verankert. Über solche Abende kann sich das ändern.“ Das mag stimmen. Aber was ist mit dem Publikum, das früher einmal kam? Hat man das schon aufgegeben? Es sah merkwürdig aus, als Alex sich als einziger nach Beethoven zum Applaudieren erhob. Auch das ein Signal?

Beliebigkeit oder alte Größe?

Quo vadis, Echternach? Zurück zu alter Größe mit internationaler Beachtung oder hinein in die Beliebigkeit? Die Zeiten haben sich geändert und das Publikum kommt nicht mehr von alleine. Ideen gibt es, so ist zu hören, viele. Aber sie müssen sortiert und abgewogen werden und dann vor allem auch umgesetzt werden. Ein Jahr vor seinem großen Jubiläum scheint das Festival an einem Scheideweg zu stehen. Es ist zu hoffen, dass man die richtigen Entscheidungen trifft. 39 erfolgreiche Jahre sind eine schöne Erinnerung. Sie sind aber auch eine Aufgabe und eine Verantwortung.