SIMONE MOLITOR

An dem berühmt-berüchtigten Schreckgespenst Frauenquote scheiden sich die Geister. Gefürchtet und verschrien ist sie, ja darf noch nicht einmal mehr beim Namen genannt werden. Und der Begriff ist ja tatsächlich negativ besetzt, suggeriert er doch, dass eine Frau nicht etwa wegen ihrer Qualifikationen, sondern wegen einer bestehenden Quotenregelung eingestellt oder gewählt wurde. Wer will schon als Quotenfrau abgestempelt werden? Chancengleichheitsministerin Lydia Mutsch ist deshalb stets sehr darauf bedacht, von einer geschlechtsneutral definierten Quote zu sprechen. Den Vorentwurf des betreffenden Gesetzes hat sie gestern in der zuständigen Chamberkommission vorgestellt. Teil davon ist bekanntlich die Regelung, die ein Geschlechterquorum von mindestens 40 Prozent auf den nationalen Wahllisten und 50 Prozent auf den Europalisten vorsieht. Hält sich eine Partei nicht daran, drohen finanzielle Einbußen. Man hat das Gefühl, dass dies der einzige Punkt ist, der sich seinen Weg nach draußen gebahnt hat: Nicht genug weibliche Kandidaten bedeutet weniger Kohle. Der eigentliche Gedanken, der dahinter steckt, des Pudels Kern in gewisser Weise, wird komplett außer Acht gelassen. Die Chance oder gar die Macht der Quote wird gänzlich unterschätzt.

Dass die Maßnahme, seit sie zur Debatte steht, kontrovers diskutiert wird, ist nachvollziehbar, immerhin impliziert sie, dass neben den Kompetenzen noch zusätzliche Kriterien von Wichtigkeit sind, um es in ein Amt oder auf eine Wahlliste zu schaffen: Im Fall der Frauenquote ist das nun einmal das Geschlecht. Nicht verständlich ist, dass immer wieder die Sorge geäußert wird, eine Bewerberin werde aufgrund der Quote vorgezogen, obwohl ein höher qualifizierter männlicher Kandidat zur Auswahl stehe, was letztendlich auf Kosten der Leistungsfähigkeit eines Amtes oder eines Gremiums gehe. Die ewige Leier. Dass Quotenfrauen besser sind als ihr Ruf, wurde indes ebenfalls bereits mehrfach unter Beweis gestellt.

Solche Gesetze sind wichtige Instrumente, um Frauen zu den Stellen zu verhelfen, die ihnen letztlich zustehen. Warum nämlich sollen sie nicht über die nötigen Kompetenzen verfügen, um sich in einer Führungsposition zu behaupten oder als Ministerin etwas zu taugen? Wir wollen doch nicht vergessen, dass mehr Frauen als Männer hohe Bildungsabschlüsse haben... Der Quotenzwang führt letzten Endes dazu, dass diese Frauen gesehen werden, oder vielmehr noch, dass explizit nach ihnen Ausschau gehalten werden muss. Und darauf folgt mit Sicherheit unweigerlich die Erkenntnis, dass es sie tatsächlich gibt: Kompetente und interessierte Frauen. Zumindest „déi gréng“ haben dies bereits bemerkt, was sich in ihren ausgeglichenen Wahl- und Mitgliederlisten widerspiegelt. Nun ist es an den anderen Parteien, die verstaubte Rollenstereotype ebenfalls abzuschütteln.

„Ich mag keine Quoten. Aber ich mag sehr, was sie bewirken“, sagte einst Viviane Reding, die als EU-Kommissarin lange Zeit für die Einführung der Frauenquote kämpfte. Und genau das ist der Punkt. Mag auch die Quote der Weg sein, so sind doch ein Umdenken, ein Mentalitätswechsel und im besten Fall die Einsicht, dass Frauen zu lange unterschätzt und benachteiligt wurden, das eigentliche Ziel.