PASCAL STEINWACHS

Das wäre also gerade noch mal gut gegangen. 55,3 Prozent der Schotten stimmten am Donnerstag schließlich doch noch für einen Verbleib im Vereinigten Königreich, das somit - Thank God! - nicht zum Kleinbritannien abgestuft wird; wahrscheinlich sagte das Herz bei vielen Schotten zwar „Yes“, der Kopf aber „No“. Gut so, ansonsten ein Stein ins Rollen gebracht worden wäre, der nur schwerlich wieder zu stoppen gewesen wäre.

Europas Separatisten, also all die Katalanen, Basken, Südtiroler, Korsen und Flamen, sind jetzt natürlich schwer enttäuscht, hatten sie sich vom schottischen Referendum doch nicht zuletzt auch Rückenwind für ihren eigenen Kampf um Autonomie und Unabhängigkeit erhofft. Aufatmen hingegen in den europäischen Hauptstädten, besonders aber in Brüssel, nicht dass sich der arme EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker in seiner zweiten oder dritten Amtszeit mit 30 oder noch mehr Kommissaren hätte herumschlagen müssen. Nicht auszudenken.

Das Schottland-Referendum zeigt aber auch, dass es sich lohnt, eine Regierung unter Druck zu setzen, hätte David Cameron den Schotten doch wohl kaum mehr Rechte versprochen, wenn diese kein Referendum organisiert hätten. Von nichts kommt nichts, und wer sich nicht wehrt, der guckt am Ende auch meistens in die Röhre. Das wird sich auch der junge CSV-Abgeordnete Serge Wilmes gesagt haben, der gestern auf seinem Blog einen Text veröffentlichte, der mit „No de Schotten, d‘CSV?“ überschrieben war. Nicht, um eventuelle Unabhängigkeitsbestrebungen des Ösling oder der Minette-Region vom übrigen Luxemburg zu unterstützen, sondern um seinem Unwillen hinsichtlich dem Demokratieverständnis seiner Partei kund zu tun, wo ja „jidder eenzele vu deene 10.000 Memberen ziele soll“. Wenn nun sogar schon die Regierung auf den Weg gehe, das Volk zu wichtigen Projekten zu befragen, dann sollte das bitte auch die immer noch größte Partei des Landes tun, so der Tenor der Wilmes‘schen Überlegungen.

Die CSV müsste dann auch dazu übergehen, ihre Entscheidungen über die nächsten Partei- und Wahlprogramme, aber ebenso über die Spitzenjobs in der Partei, in die Hände ihrer Mitglieder zu legen - und als zweimal unterlegener Kandidat für den Posten des CSV-Generalsekretärs dürfte der ehemalige Nationalpräsident der christlich-sozialen Jugend wissen, wovon er spricht.

„Esou ee basisdemokratesche Prozess géif eng Volléks- a Memberspartei wéi d’CSV dynamiséieren a moderniséieren“, so Wilmes, der schlussfolgert, dass Demokratie sich immer lohne, wie die Schotten ja jetzt bewiesen hätten.

CSV-Präsident Marc Spautz, an den sich der Blog-Beitrag von Serge Wilmes wohl in erster Linie richtet, dürfte sich über die tollen Ratschläge seines jungen Fraktionskollegen mit Sicherheit diebisch freuen, zumal er im Moment nach seiner fehlgeleiteten SMS (wie kann man eigentlich Corinne Cahen mit Pierre Jaeger verwechseln?) sowieso schon bester Laune ist. Unser Tipp: Zur Entspannung einfach „Rob Roy“ oder „Braveheart“ in den DVD-Player schmeißen, und sich ganz weit weg von der Luxemburger Politik träumen...