WECKER
MARCO MENG

Das Einsatzgebiet von „intelligenten Maschinen“ wird immer breiter - Sind unsere Arbeitsplätze gefährdet?

Das Einsatzgebiet von Robotern wird größer, da ist sich Wolfgang Konder, Technischer Direktor der Abteilung „Robotic Systems“ der Köhl AG in Wecker, sicher. Rund 300 Mitarbeiter hat Köhl in Wecker im Bereich Sondermaschinenbau, Fördertechnik, Warehousemanagement beschäftigt - und der entsprechenden Software, die zum Beispiel benötigt wird, um den Materialfluss einer Produktion zu kontrollieren und zu beeinflussen. „Wir sind ein Global Player in der Automatisierungstechnik und haben uns auf komplexe Anlagen konzentriert“, sagt Konder. Groß geworden in der Keramikproduktion, hat Köhl im Laufe der Jahre dann auch in Stahl- und Kupferproduktion Automatisierungslösungen umgesetzt. Freilich arbeitet das Unternehmen auch für die Automobilindustrie und die Automobilzulieferer. „Wobei das Robotizing nur ein Mosaikstein ist: Wir machen die ganze Anlage, um die gesamten Abläufe zu automatisieren“, erklärt Konder.

Der Vorteil von Robotern gegenüber Menschen ist unbestreitbar. Wenn Menschen im Spiel sind, existiert auch immer eine Fehlerquelle: Maschinen haben hingegen eine gleichbleibende Performance mit höherem Ausstoß. 500 Kilogramm schwere Kartons nach einem bestimmten Muster bestücken und zu transportieren, etwas tagein-taugaus zu sortieren ohne die Konzentration zu verlieren oder müde zu werden und dabei noch gleichzeitig das Sortierte zu wiegen und zu zählen, das kann nur ein Roboter. Sein Einsatz bedeutet auf längere Sicht einen Kostenvorteil.

In den 1970ern und 1980er Jahren, als in dieser Branche Roboter massenhaft eingesetzt wurden, glaubte man, der Einsatz von Robotern sei der Automobilindustrie vorbehalten. „Das hat sich geändert“, stellt Konder fest. Auch die großen Roboterhersteller wie Kuka, Fanuc und ABB, mit denen Köhl zusammen arbeitet, haben das erkannt. Nicht nur in der Industrie außerhalb der Automobilindustrie sind Roboter einsetzbar, sogar in der Dienstleistung.

„Früher wurden 90 Prozent der Roboter in der Autoindustrie eingesetzt. Das verschiebt sich, weil die Anwendungsmöglichkeit größer wird“, bringt es Konder auf den Punkt. Wurde der Roboter früher eher bei schwerfälligen Arbeiten, die zum Teil auch gefährlich waren, eingesetzt, so gibt es inzwischen längst kleinere Roboter, die bei anderen Arbeiten einsetzbar sind.

„Die Roboterhersteller haben viel getan“, sagt Konder, die Kinematik habe sich geändert, die Geräte seien leistungsfähiger gestaltet, mit neuen Motoren, anderen Getrieben. Dann kommt der Controller, das Hirn sozusagen, erklärt Konder, der betont, dass ein Roboter an sich ja nichts weiter als Mechanik sei. „Hier verleihen wir dem Roboter die Intelligenz, denn wir schreiben die Programme und gestalten die gesamte Applikation“.

Heute müssen die Roboter alle mit Schutzzäunen „eingesperrt“ werden, um den Menschen vor dem stumpf seine Arbeit verrichtenden Roboter zu schützen. Die Zusammenarbeit von Roboter und Menschen sieht Konder aber als klaren Zukunftstrend, was bedeutet, dass der Roboter durch seine Sensorik – mit Tasten, Hören, Sehen - intelligenter werden muss, damit die Schutzvorrichtungen wegfallen können.

„Es werden Arbeitsplätze verloren gehen, aber es werden auch neue entstehen“

Triviale Vorboten gebe es ja schon, man denke nur an den Rasenmäherroboter. „Auch Institute entwickeln auf vielen Unis bereits Roboter zur Haushaltshilfe. Gleichzeitig wird der Gebrauch in der Wirtschaft außerhalb der Wirtschaft zunehmen: Im Dienstleistungsbereich gibt es vielleicht sogar das größte Verwendungspotenzial“, erklärt Konder. Das alles zum Vorteil des Menschen, denn der Roboter diene dazu, um den Menschen von schwerer Arbeit, Gefahren oder eintöniger Tätigkeit zu bewahren. „Es werden Arbeitsplätze verloren gehen, aber es werden auch neue entstehen“, sagt der Köhl-Manager. Die Arbeitswelt werde sich ändern; in manchen Industriebereichen werde der Roboter vielleicht sogar ganz den Menschen ersetzen.

Wie viel Intelligenz darf ich einer Maschine geben? Bei all den Vorteilen, die Konder sieht, ist er sich auch möglicher Gefahren bewusst, denn er betont: „Am Ende muss der Mensch ganz klar dafür Sorge tragen, dass er selbst, nicht die Maschine die Entscheidungen trifft.“ Der Mensch müsse die Kontrolle über die Maschine behalten. Auch wenn in nicht allzu ferner Zukunft das Gegenteil zumindest technisch möglich ist.

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