TRIER
JAN SÖFJER

Kiellegung des Nachbaus eines römischen Handelsschiffes an der Universität Trier

Ein langer Holzbalken und ein einzelner Konstruktionsspant: Mehr ist in der Bauhalle auf dem Parkplatz der Universität Trier nicht zu sehen von dem, was einmal ein 16 Meter langes und fünf Meter breites römisches Handelsschiff werden soll. Die Projektpartner der Hochschule Trier sind da schon weiter.

Hinten in der Halle konnten am Donnerstag bei der Kiellegung Interessierte von den geschätzten 100 Gästen eine 3D-Brille aufsetzen und sich das fast fertige Schiff ansehen. Das ist ziemlich beeindruckend, da man sich auch auf das virtuelle Deck stellen, sich in den Schiffsbauch hinein begeben und sogar mit einer Luke herumwedeln konnte. Zudem ließen sich verschiedene Konstruktionsstufen durchschalten. Die Studenten Lucas Kuentzel, Jens Biehl und Richard Schott haben die 3D-Version des Schiffes in monatelanger Arbeit nachgebaut.

Diese 3D-Brille legt eine Projektion über die Realität. Foto: Universität Trier/Hochschule Trier - Lëtzebuerger Journal
Diese 3D-Brille legt eine Projektion über die Realität. Foto: Universität Trier/Hochschule Trier

Ihr Dozent, der Akademische Rat, Michael Hoffmann, sagt: „Wir können Dank unserer Modelle Strömungsberechnungen machen und vorhersagen, wie viel das fertige Schiff einmal wiegen wird.“ Es ist die „Verbindung zwischen Altem und Modernem“, wie es Professor Norbert Kuhn, Präsident der Hochschule Trier, nennt.

Hinter dem Projekt steht Christoph Schäfer, Professor für Alte Geschichte an der Universität Trier. Er war schon an mehreren Nachbauten römischer Schiffe beteiligt. Nun wird erstmals ein Handelsschiff aus der römischen Kaiserzeit nachgebaut: die „Laurons 2“.

Vorlage ist ein sehr gut erhaltener Fund eines Schiffes aus dem Ende des dritten Jahrhunderts vor der französischen Mittelmeerküste. Der Nachbau wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert, Partner ist das Museum für Antike Schifffahrt in Mainz und sogar das „Massachusetts Institute of Technology“ (MIT) ist involviert, das an der Software mitgearbeitet hat, mit dessen Hilfe in einem Jahr in der Mosel die Segeleigenschaften des Schiffes gemessen und in einem sogennanten Polardiagramm festgehalten werden sollen.

Rom und die Globalisierung

Pascal Warnking hatte 2015 bei Schäfer über die Kapazität von römischen Seerouten promoviert. Mit den Daten, die nun gewonnen werden sollen, kann diese Kapazität präzisiert werden. „Wie modern oder primitiv war die römische Wirtschaft? Alles hängt vom Transport ab“, sagt Schäfer. „Wie weit konnten solche Schiffe mit welcher Ladung wie schnell segeln?“, fragt Universitätspräsident Professor Michael Jäckel. „Ab wann war der Begriff der Globalisierung für das Römische Reich zutreffend?“ Die Erkenntnisse, die mit der „Laurons 2“ gewonnen werden, sollen diese Fragen beantworten.

Bootsbaumeister Matthias Helterhoff am Achtersteven. Foto: Universität Trier - Lëtzebuerger Journal
Bootsbaumeister Matthias Helterhoff am Achtersteven. Foto: Universität Trier

Doch bis das Schiff im Spätsommer 2018 zu Wasser gelassen wird, müssen rund 30 Studenten und freiwillige Helfer noch ordentlich anpacken. Angeleitet werden sie von Bootsbaumeister Matthias Helterhoff, dem Doktorand und Tischler Sascha Weiler und dem Doktorand Arne Döpke.

Siehe auch den Vorbericht: Im römischen Takt