LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

KPMG lud zum „Gender Diversity Summit“ und will Frauen in die Verantwortung holen

Die Situation war nicht einfach: Das Unternehmen hatte eine Ausschreibung veröffentlicht. Um darauf zu antworten, suchte der Anbieter seine besten Leute zusammen. Drei Männer präsentierten das Projekt. Es wurde abgelehnt. Auf Nachfrage erfuhr der Anbieter, dass die Tatsache, dass ausschließlich Männer das Projekt vorgestellt hatten, einer der Gründe für die Ablehnung war. Diese Geschichte erzählte Georges Bock gestern. Der Managing Partner von KPMG Luxemburg stand vor rund 150 Gästen - überwiegend Frauen - die der Einladung zur Konferenz über Vielfalt und Gleichstellung der Geschlechter gefolgt waren. Bock war ehrlich genug zu sagen, dass es sich bei dem Anbieter um sein eigenes Unternehmen handelte.

Gender ist Chefsache

Die Konferenz, während der Herr des Hauses nicht nur präsent war, sondern auch an den Panel-Diskussionen teilnahm, sollte vor allem eines zeigen: Gender ist Chefsache. In Hintergrundgesprächen wurde schnell klar, dass bei vielen russischen und skandinavischen Kunden die Präsenz rein männlicher Teams Ablehnung hervor ruft. Allein mit Männern Geschäfte machen funktioniert immer weniger gut. Die Gäste, darunter zahlreiche Frauen in Top-Positionen aus Luxemburg wie Françoise Thoma (BCEE) oder Marie-Helène Massard (Axa), aber auch Männer wie Robert Dennewald (Fedil), interessierten sich aus unterschiedlichen Gründen für das Thema. Viele haben oder wollen selbst etwas machen. Mit „Gender Diversity Summit“ wies der Titel schon darauf hin, dass KMPG das Thema im Hause selbst hoch hängt.

Gemischte Teams leistungsfähiger

„Wir hatten schon das Bewusstsein. Jetzt soll es Teil der Kultur werden“, gab Bock die Richtung für sein Haus vor. Gender gehört zu den zehn obersten Prioritäten bei KPMG - nicht nur, weil eine Studie der Konkurrenz McKinsey festgestellt hat, dass Unternehmen mit gemischten Leitungsteams über ein Drittel mehr Leistung bringen als rein von Männern geführte Unternehmen. Frauen in Führungspositionen sind also ein Schlüsselfaktor für den Erfolg, so das Credo.

Dementsprechend war auch die Gästeauswahl für die Veranstaltung: Baroness Susan Greenfield, Hirnforscherin an der Oxford University und Melanie Richards, die nicht nur Vizepräsidentin von KPMG in Großbritannien ist, sondern auch in die weltweite Organisation eingebettet ist, traten neben anderen Sprecherinnen und Sprechern auf. Die Panel-Diskussionen wurden von Michael Stuber geleitet, der sich als „diversity guru“ einen Namen gemacht hat.

Die Hirnforscherin Greenfield hielt einen sehr erfrischenden Vortrag über Gehirnentwicklung. Ihre wichtigste wissenschaftliche Erkenntnis: Äußere Anreize sorgen für mehr Verbindungen im Hirn.

Aber ab der Pubertät reagieren Frauen und Männer anders auf die Anreize. Während Männer Verbindungen innerhalb der Hirnhälften schaffen, steigert sich bei Frauen vor allem die Zahl der Verbindungen zwischen den Hirnhälften. Das Fazit der Wissenschaftlerin: „Männer sind gut im Ausführen einer Aufgabe, in der Weitsicht, in der Konzentration auf eine Sache. Aber sie sehen nicht das Umfeld. Frauen hingegen sind multitaskingfähig und haben soziale Fähigkeiten.“ Wirklich neu ist das nicht, hier aber mal schön bunt wissenschaftlich belegt. Was heißt das für Unternehmen? Das weiß Greenfield auch: „Unternehmen sollten ein Umfeld schaffen, das Ideen ermöglicht. Wenn sie Männer und Frauen befragen, werden sie sich besser an die Umwelt anpassen können.“

Richards erklärte, dass Frauen sich ihrer Erfahrung nach meist nicht selbst für verantwortungsvolle Aufgaben melden. „Das heißt aber nicht, dass sie nicht führen wollen. Aber eben anders. Seit wir mehr darauf achten, wählen wir unseren Führungsnachwuchs nicht nur unter jenen aus, die sich melden.“ Die KPMG-Managerin berichtete von einer Untersuchung - „Da bin ich Zahlenmensch“ - die zeigt, dass Frauen vier Mal so loyal sind wie Männer - und Männer trotzdem mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit Karriere machen. „Das ist unabhängig davon, ob sie Kinder haben, oder nicht“, betonte Richards, selbst Mutter zweier Söhne. Sie glaubt nicht an Quoten, sondern eher an Mentoring-Programme. Vor allem aber sieht sie die Notwendigkeit, anders zu rekrutieren, wenn sie die besten Absolventen haben will - weil es häufig Absolventinnen sind. Bock berichtete, dass er selbst eine Tochter und einen Sohn hat. „Früher hätte ich mir geschlechterspezifische Unterschiede nie vorstellen können. Aber jetzt sehe ich die Notwendigkeit, unterschiedlich darauf einzugehen“, sagt er.

Baroness Greenfield hofft, dass es mit den Frauen in Führungspositionen so ist wie mit den Frauen in Pelzmänteln. „Als ich Kind war, war ein Pelzmantel das Zeichen des sozialen Erfolgs der Frau. Gekauft wurde er vom Mann“, erzählt sie. „Heute trägt in London niemand mehr Pelzmäntel, obwohl kein Gesetz das verbietet. Man würde die Leute anpöbeln. Einfach, weil es einen ganz anderen Informationsstand und eine ganz andere Haltung dazu gibt.“ Auch mit dem Klimawandel sei es nicht anders. Vielleicht gebe es in Zukunft den „Rollenwandel“ - und der sei dann genau so akzeptiert.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren eingeladen, ihren Gedanken auf Twitter freien Lauf zu lassen. Gesucht wurden Ideen zum internationalen Frauentag.

#diversity39JFK und # UN_Women