Die Prostitution in der Großregion war das Thema eines Kolloquiums, das letzte Woche in Zusammenarbeit mit dem Luxemburger nationalen Frauenrat in Metz organisiert worden war und den Verdienst hatte, das Thema auf eine unmittelbar menschliche Art anzugehen. Im Mittelpunkt stand nämlich hier die Zeugenaussage von Laurence Noëlle, die sich während eines Jahres prostituierte, danach 28 Jahre aus Scham schwieg, nach langjähriger therapeutischer Behandlung ein Buch schrieb, und daraufhin auf der Straße als „Sale Pute!“ beschimpft wurde.

Wie sich anlässlich des Kolloquiums herausschälte, präsentiert Laurences Weg typische Merkmale für das Schicksal von Prostituierten. Sie war ein unerwünschtes und uneheliches Kind, ihre Mutter hat sich ihrer geschämt, sie wuchs ohne Liebe auf, schlief als Kind in einem Badezimmer und wurde von ihrem Stiefvater sexuell missbraucht.

Mit siebzehn wurde sie von einem Zuhälter manipuliert, rutschte in die Prostitution, lieferte ihr ganzes Geld ab, und wurde alkohol- und drogensüchtig, um sich selbst und ihr Leben zu ertragen. Sie hatte sexuelle Kontakte mit 30 Männern pro Nacht, bezeichnet diese als 30 Vergewaltigungen pro Nacht, und sie brauchte Jahrzehnte, bis sie sich nicht mehr vor sich selbst schämte.

Depressionen, Frigidität, und viele andere psychische Störungen sind die Konsequenzen der Prostitution für die Betroffenen. Noëlle vertritt die Ansicht, dass die seelische und körperliche Misshandlung von Prostituierten unterschätzt werden, und dass zur Ausbeutung der Frauen auch noch die Verachtung der Gesellschaft kommt. Das Kolloquium in Metz offenbarte, dass 90% der Prostituierten in der Großregion Ausländer sind, 90% von ihnen Frauen und 10% Männer, und zwischen 80 und 90% wurden bereits in der Kindheit missbraucht. Die Prostituierten werden immer jünger, sie werden mit falschen Versprechen aus Osteuropa gelockt und unter Druck gesetzt, dass ihren Familien, sogar ihren eigenen Kindern etwas geschieht.

Nachts gehören die Straßen den Polizisten und den Prostituierten, wie ein Metzer Polizist zu berichten wusste. Auch Rentnerinnen gehen noch auf den Strich, weil sie die beiden Enden nicht zusammenbringen, und so begegnet man durchaus Prostituierten zwischen 60 und 70 Jahren.

Frauen, die keinen Halt im Leben haben, in der Prekarität leben, oder etwa illegal in Europa sind, werden zu Opfern von Zuhältern; insbesondere junge afrikanische Mädchen werden in der Prostitution und auch in der Pornographie extrem ausgebeutet und misshandelt, so dass Prostitution ein rechtloser und gewalttätiger Raum für Frauen und Männer in Europa ist.

In Frankreich und Schweden machen sich Kunden von Prostituierten strafbar, in Deutschland und Holland ist die Prostitution gesetzlich erlaubt und blüht. Luxemburg will den Weg der sozialen Begleitung der Betroffenen gehen, der den Verdienst hat, das Augenmerk auf die Ausbeutung der Frauen und die körperlichen und seelischen Konsequenzen der sexuellen Sklaverei zu richten.