JEFF TRIERWEILER

Das luxemburgische Schulsystem ist auf Mehrsprachigkeit aufgebaut und führt wahlweise zu einem international anerkannten Abitur oder zu einem Eignungsdiplom, das hauptsächlich auf den sofortigen Einstieg ins Berufsleben ausgerichtet ist. Doch vor allem hier erkennt Jeff Trierweiler noch deutliche Ansätze zur Verbesserung, wenn es um den weiteren beruflichen Werdegang geht.

Ich habe eine Petition unter der Nummer 824 im Parlament eingereicht, die vorsieht, dass die Nachexamen für die Abschlussklassen im ‚Enseignement Secondaire‘ und ‚Secondaire technique‘ verschoben werden sollen. Aus einem ganz einfachen Grund: Mit der aktuellen Terminierung der Nachexamen geht Schülern, die in die Nachexamen gehen müssen, eventuell ein ganzes Jahr auf der Universität verloren. Warum ist das so?

Ich selbst habe am 19. Mai meinen letzten Schultag am Lycée Michel-Rodange gehabt. Wir kannten unsere Examenstermine, die waren vier, fünf Tage später. Bereits im Januar 2017 habe ich mich an der Universität Montpellier beworben und auch eine positive Zusage erhalten. Leider muss ich nun aber ins Mathe-Nachexamen. Auch wenn es in diesem Jahr gute Resultate gab, müssen, wie ich auch, gut 500 Schüler im September noch einmal antreten - und zwar am 15. Jetzt ist es allerdings so, dass die Universitäten in Frankreich schon am 8. beginnen. Vorlesungsbeginn ist dann am 11. September, und ich habe mein Nachexamen noch nicht gemacht. Auf Nachfrage hin wurde mir gesagt, dass ich das Diplom auch erst frühestens am 25. September bekommen könnte.

Kann man nicht diese Nachexamen etwas früher anberaumen, so dass man diese Universitätsfristen respektieren kann? Ich selbst würde nicht mehr davon profitieren, doch ich will nachfolgenden Schülergenerationen dieses Ungemach ersparen, daher die Petition. Auf Nachfrage hin beim Ministerium sagte man mir, ein Vorziehen würde das Examen ins Lächerliche ziehen, auch der Aspekt der Verfügbarkeit des Personals wird angeführt, unter anderem in puncto Korrektur der Arbeiten. Dabei wären doch die Lehrer, die uns betreut haben, ab Mitte Mai mit unseren Stunden entlastet. Und ein Lehrer, der seine Schüler durchbringen möchte, ist doch wohl die Idealvorstellung. Die einen machen es besser, die anderen eben nicht, die müssen dann nochmal ran, aktuell im September. 

Mit diesem System sieht es auf jeden Fall so aus, dass man im schlimmsten Fall ein ganzes Jahr verliert, wobei viele Schüler gerade darauf bauen, ins Ausland gehen zu können, um so etwas mehr selbstständig werden zu können, womit die Uni Luxemburg also dann nicht wirklich eine Alternative darstellt. 

Mit dem (dann verspäteten) Start ins Uni-Leben muss man auch bedenken, dass die angehenden Studenten keine Chance haben, auf dem Wohnungsmarkt noch etwas zu finden. Nicht jeder hat da das Glück wie ich, dass er Bekannte für eine mögliche Übergansphase hat, die einen beherbergen können. 

Mit etwas gutem Willen müsste eine solche flexiblere Gestaltung der Nachexamen doch möglich sein, damit den angehenden Studenten nicht gleich ein ganzes Jahr geraubt wird.“