LUXEMBURGSVEN WOHL

Munchkin parodiert auf epische Art und Weise

Kartenspiele wirken auf den ersten Blick im Zeitalter von Videospielen antiquiert. Doch einige modernere Varianten dieser Spiele können sich nicht nur behaupten, sondern fühlen sich redlich wohl in ihrer Nische. Zu den wohl bekanntesten modernen Kartenspielen gehört Munchkin, einem satirischem Seitenhieb auf zahlreiche Rollenspielkonventionen.

Herrlich unernst

In Munchkin gibt es nur ein einziges Ziel: Mit seinem Charakter Level 10 erreichen. Dazu muss man Türen eintreten, Monster bezwingen, Ausrüstung sammeln und ganz viel Glück haben. Diplomatie gehört aber ebenfalls dazu, denn oft trifft man auf Monster, die man alleine nicht besiegen kann. Dann muss die Hilfe eines anderen Spielers gewonnen werden, meistens mit versprochenen Schätzen.

Doch erfahrene Munchkin-Spieler wissen, dass die Zusammenarbeit meist nur von kurzer Dauer ist. Denn früher oder später fallen sich alle Spieler gegenseitig in den Rücken. Desto näher die Spieler an die zehnte Stufe kommen, umso mehr versucht man sich gegenseitig zu behindern. Dies wird unter anderem möglich durch Karten, die Monster stärken oder die Möglichkeit, ein Monster den Angreifern zur Seite zu stellen.

Munchkin zu spielen ist wie eine Runde Chaos mit System: Denn zu Beginn eines jeden Zuges wird eine Tür eingetreten, also eine Karte von dem Stapel gezogen, und man muss sich dem Unbekanntem stellen. Gekämpft wird, indem die Charakterstufe und die Boni von Ausrüstungsgegenständen zusammengetragen werden. Ist der Wert höher, gewinnt man. Ist er niedriger, dann... nun, sagen wir, dann passieren schlimme Dinge. Spätestens dann wird klar, dass Munchkin kein Spiel ist, das sich selbst besonders ernst nimmt, sondern Spaß und parodistische Elemente ganz klar im Vordergrund stehen. Die Illustrationen der Karten sprechen da bereits Bände.

Gigantisches Angebot

Dennoch schaffte es das Kartenspiel auf eine beachtliche Anzahl von Variationen. 15 sogenannte „Stand Alone“, also einzeln spielbare, Fassungen gibt es, die sich den verschiedensten Themen annehmen. Während das herkömmliche Munchkin „Dungeons and Dragons“ parodiert, tut „Star Munchkin“ das gleiche mit Star Wars, Star Trek und ähnlichen Science-Fiction-Serien.

Munchkin Zombies erklärt sich von selbst, während Munchkin Cthulhu die Werke von H. P. Lovecraft auf die Schippe nimmt. Jedes Set kommt dabei mit seinen eigenen Regelvariationen und praktischerweise lassen sich die Spiele untereinander kombinieren. Aber Vorsicht, bei der unglaublichen Fülle an Erweiterungen verliert man schnell den Überblick. Hektik und wirrer Spaß kommen jedoch bei allen Varianten auf, weil der Zufall eine sehr dominante Rolle im Spielkonzept spielt und gleichzeitig viel auf soziale Interaktion gesetzt wird. Desto mehr Erweiterungen dazu stoßen, umso komplexer wird das Spiel und desto dominanter wird auch der Zufall. Zwischen drei und sechs Spieler können an einer Runde teilnehmen und die Spielzeit beträgt zwischen einer und zwei Stunden.