NEW YORK
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Alibabas Börsen-Coup der Superlative - Amazon bekommt chinesisches Gegengewicht

Das ganze Jahr über hat der chinesische Onlineriese Alibaba seinen Mega-Börsengang vorbereitet - jetzt wird es ernst. Bis zu 24 Milliarden Dollar schwer werden könnte das Aktiendebüt, doch dafür müssen Investoren mitziehen. Am Montag startet in New York die sogenannte „Roadshow“, auf der Alibaba-Manager mit Unterstützung von Investmentbankern die Werbetrommel für das Unternehmen rühren.

Zwei Teams sollen einen regelrechten Präsentationsmarathon stemmen: 100 Treffen mit potenziellen Anlegern in nur zehn Tagen. Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, wird „Team Orange“ von Alibaba-Vizechef Joe Tsai geleitet, der auch federführend bei den Planungen für den Börsengang war. An der Spitze von „Team Red“ sollen Finanzchefin Maggie Wu und COO Daniel Zhang stehen. Nach dem Auftakt in Amerika soll die Tour in Europa weitergehen, danach folgen der Mittlere Osten und Asien.

Größter Börsengang aller Zeiten

Das Unternehmen will zunächst bis zu 21,1 Milliarden Dollar (16,3 Mrd Euro) bei Aktionären einsammeln, durch eingeräumte Zusatzrechte von Investmentbanken könnten es sogar bis zu 24,3 Milliarden werden. Damit wäre es der größte Börsengang aller Zeiten.

Bislang ist das Unternehmen außerhalb Chinas noch relativ unbekannt. Das wird sich schnell ändern. Schon heute ist Alibaba der größte Onlinehändler der Welt, wenn es nach dem Umsatz geht. Hunderte Millionen Nutzer haben im letzten Jahr Geschäfte im Wert von 248 Milliarden Dollar (192 Mrd Euro) auf den wichtigsten Plattformen des Konzerns - Taobao , Tmall und Juhuasuan - gemacht. Das ist mehr, als bei Amazon und Ebay zusammen.

Nun wollen die Chinesen an der New Yorker Börse Finanzgeschichte schreiben, denn an der Wall Street fließen die internationalen Geldströme zusammen und tummeln sich die finanzstärksten Investoren. „Wer es in New York schafft, schafft es überall“, sang einst Frank Sinatra. Doch Alibaba wählt den Standort auch, weil es in Hongkong abgeblitzt ist. Dort war den Aufsehern die Konzernstruktur zu verzwickt, vor allem die Machtkonzentration an der Spitze.

Einfluss der Aktionäre bleibt begrenzt

Wer die Alibaba-Aktie kauft, muss vor allem auf Chinas immer kaufkräftigere Mittelschicht setzen. Die Wette scheint nicht sehr gewagt: Selbst wenn das Turbo-Wachstum weiter nachlässt, nimmt der Wohlstand im bevölkerungsreichsten Land der Erde rasant zu. Alibaba-Gründer Jack Ma sagt Börsianern aber schon jetzt klar, dass Anlegerinteressen bei ihm nicht an erster Stelle stehen: „Die Kunden kommen zuerst, die Mitarbeiter als zweite und dann die Aktionäre“.

Nicht nur Alibaba ist eine Erfolgsgeschichte, sondern auch sein Bezahldienst Alipay. Er ist zwar vom Börsengang ausgeklammert, doch soll Alibaba mindestens neun Milliarden US-Dollar bekommen, wenn der Finanzdienst selber einmal an die Börse gehen sollte. Über Alipay können Kunden über ihr Smartphone mit lukrativen Zinsen auch bei Yu’ebao investieren, der mit 92 Milliarden US-Dollar zum viertgrößten Geldmarktfonds der Welt aufgestiegen ist. Yu’ebao hat mehr Investoren als der chinesische Aktienmarkt.