ESCH/ALZETTECHRISTIAN SPIELMANN

„Suche impotenten Mann fürs Leben“ im Theater Esch

Im Jahre 1995 schrieb Gaby Hauptmann ihren Bestseller „Suche impotenten Mann fürs Leben“. 2003 verfilmte John Henderson den Roman. Florian Battermann schrieb das Buch in ein Theaterstück um, das 2011 in Essen uraufgeführt wurde. Am Sonntagabend gastierte das Tournee-Theater Thespiskarren mit dem von Robert Klatt inszenierten Stück im Escher Theater.

Intelligenz und Impotenz

Carmen (Dominique Siassia), 35 Jahre alt, hat die Männer satt. Sie, die ein eigenes Versicherungsbüro betreibt, muss oft Seminare besuchen, wo sie es dann mit „notgeilen Kerlen“ oder „Böcken“ zu tun hat. Auch ihr Freund Peter (Tim Niebuhr) geht ihr auf die Nerven mit seinem ständigen Drang nach Sex und mehr. Als er zu „Your Sexy Thing“ von Hot Chocolate einen Strip hinlegt, hat sie es endgültig satt.

Sie schmeißt den Schwanz-fixierten Kerl vor die Tür. In einer Zeitung gibt sie eine Anzeige auf, in der sie einen intelligenten und impotenten Mann sucht. Mit ihrer besten Freundin Laura (Mirjam Radovic) sucht sie sich die besten Antworten aus hunderten von Briefen aus. Ein potenzieller „Impotenter“ wäre Stefan von Kalkenstein (Niebuhr).

Beim ersten Rendez-vous in einem Café verknallt sich David (Jens Knospe) auf den ersten Blick in die attraktive 35-Jährige. Er schickt ihr einen Brief und macht auf „Ich kann-nicht-mehr-nach-einem-Motorradunfall“. Und siehe da, Carmen beißt an.

Lieber Liebe ohne Sex

Tim Niebuhr und Jens Knospe schlüpfen in die Rolle der „Impotenten“, die auf Carmens Anzeige reagieren. Mirjam Radovic spielt noch eine bissige französische Kellnerin, die zu Grace Jones’ Version von „La vie en rose“ Carmen einen „H“-Eis(s)kaffee serviert. Die einzelnen Musikstücke passen gut zu den jeweiligen Szenen, wie „Love to Love You Baby“ von Donna Summer, das ertönt, als Carmen und Laura ihren Freunden ein die Libido stimulierendes Essen kochen.

Die Männerwelt hat Carmen komplett enttäuscht, und sie beschließt, dass Sex für sie nicht mehr wichtig ist. Von dieser Idee ausgehend, ist das Stück anfänglich noch reich an intelligenten und witzigen Überlegungen zum Thema Liebe mit und ohne Sex.

Leider wird der Mann zu einem einseitig denkenden Lustapparat abgestempelt, als würden Frauen wie Carmen nie an die Befriedigung ihrer Lustgefühle denken. Der Humor verflacht, als Carmen sich in David verliebt.

Der Autor des Stückes versucht einen Kosens zu Potenz und seinem Gegenteil zu finden, denn jetzt steht fest, dass wahre Liebe ohne Sex nicht möglich ist!

Leider driftet die Geschichte zu sehr ins Sentimentale ab, und die ironischen Anspielungen ans anfängliche Thema haben ihren Reiz verloren.