LUXEMBURGCHRISTIAN BLOCK

Eine Studie des Suchtpräventionszentrums CePT zeigt erstmals,welche Glücksspiele in Luxemburg unter Jugendlichen verbreitet sind

Ob Rubbellose, Kartenspiele oder Sportwette: Fast jeder hat in seiner Jugend in irgendeiner Form Glücksspiele gespielt. Doch wie verbreitet sind sie bei Jugendlichen heute? Das herauszufinden war Ziel einer vor kurzem veröffentlichten Studie. Die Psychologen Katia Duscherer und Carlos Paulos vom Suchtpräventionszentrum CePT haben zu diesem Zweck 3.496 Fragebögen ausgewertet, die Lyzeumsschüler auf 7e und 11e beziehungsweise 3e ausgefüllt haben. Die „LXGS 2010“ genannte Umfrage zeigt: Immerhin 71 Prozent der Schüler geben an, schon mindestens einmal ein Rubbellos gespielt zu haben. Eine Mehrheit hat schon einmal ein Kartenspiel gespielt (58,4 Prozent) und 51,8 Prozent Geld in einen Spielautomaten eingeworfen - wobei gerade in diesem Punkt Vorsicht geboten ist. Denn die Antwortmöglichkeit Spielautomat dürfte von vielen Schülern eher als die Automaten in Lunaparks interpretiert worden sein als einarmige Banditen einem Kasino.

Fehlender Jugendschutz

Die Statistiken zeigen jedenfalls, dass viele Jugendliche mit Glücksspielen vertraut sind. „Natürlich haben die meisten schon einmal Poker gespielt, Sportwetten abgeschlossen oder sogar Roulette gespielt. Unterscheiden muss man, ob unter Freunden gespielt wird oder ob es sich um ein kommerzielles Angebot handelt. Viele Jugendliche sagen, dieses oder jenes schon einmal gespielt zu haben. Aber es sind wesentlich weniger, die regelmäßig gegen Einsatz spielen“, fasst Duscherer zusammen.

Wenn es mit der Studie endlich eine Datengrundlage für das Großherzogtum gibt, wirft sie auch Fragen auf. Da es in Luxemburg kein Glücksspielverbot für Minderjährige gibt, kann ein Kind problemlos ein Los kaufen. „Ob das ein Suchtproblem ist, sei dahin gestellt. Ein ethisches Problem ist es aber allemal“, sagt die Psychologin. „Ein Jugendschutzgesetz, wie es bei Alkohol oder Zigaretten besteht, gibt es für Glücksspiel nicht“, sagt Duscherer. Das Großherzogtum sei eines der wenigen Länder in der EU, in denen es keine solche Alterseinschränkung gibt.

Peter Kagerer, Diplom-Psychologe und Leiter der Beratungsstelle „ausgespillt“ erklärt, warum Jugendschutz in diesem Bereich so wichtig ist: „Bei einem Jugendlichen, der vielleicht einmal 20 Euro gewinnt und dann noch von Freunden gratuliert bekommt, kann eine Glücksspielerfahrung eine ungeheure Spur hinterlassen“. Später sei es dann möglich, dass derjenige auf diese positive Erinnerung zurückgreift und anfängt zu spielen. Für Spiele mit einer hohen Frequenz - so wie bei vielen Angeboten im Internet - seien Jugendliche besonders empfänglich. „Ausgespillt“ ist eine Beratungsstelle für Glücksspiel-, PC- und Online-Probleme. Viele Fälle von Glücksspielproblemen bei Jugendlichen sind Kagerer nicht bekannt, wohl auch, weil Jugendliche in der Regel über wenig Geld verfügen. Allerdings: Auch wenn Jugendliche noch wenig der Glücksspielsucht verfallen sind, begünstigt der frühe Kontakt zum Glücksspiel die spätere Entwicklung einer solchen Abhängigkeit erheblich, betont Kagerer.

Monopol und Spielerschutz

In Luxemburg hat der Staat ein Monopol auf Glücksspiele. Der Hintergedanke dabei ist es, die Spieler zu schützen. „Wenn die Jugend dabei nicht oder nur teilweise abgedeckt ist, ist das für uns problematisch“, sagt die Psychologin Duscherer. Dabei hat das Monopol Vorzüge. Das Glücksspielgesetz aus dem Jahr 1977 regelt etwa die Auflagen, die ein Casino erfüllen muss. Das Gesetz vom 22. Mai 2009 „relative à l’oeuvre de Secours Grande-Duchesse Charlotte et à la Loterie Nationale“ die Lotterie. Geldspielautomaten gibt es beispielsweise nur im Mondorfer Casino - mitsamt Alterskontrolle am Eingang und einer Überwachung im Inneren im Falle einer sich möglicherweise abzeichnenden Abhängigkeit. Das gebe es in dieser Form im Ausland nicht - und im Internet schon gar nicht. Spielhallen, wie man sie beispielsweise in deutschen Städten findet, gibt es aufgrund des Monopols ebenfalls nicht.

Handlungsbedarf sieht Duscherer allerdings bei elektronischen Spielen, wie man sie in Cafés findet. Als Beispiel nennt sie „Zubito“. „Zubito“ wird zwar als Lotterie eingestuft. Aus Sicht der Psychologin handelt es sich allerdings eher um ein Glücksspielsystem. „Innerhalb von zwei Minuten weiß ich, ob ich gewonnen habe oder nicht und bekomme das Geld sogar ausbezahlt. In diesem Punkt muss die Gesetzgebung nachgebessert werden“.

Die anders als beim Lotto sehr hohe Spielfrequenz bereitet dem Suchtpräventionszentrum Sorgen. Hinzu kommt möglicherweise der Konsum von Alkohol, der enthemmend wirkt, wie Kagerer hinzufügt. Der Studie zufolge haben 12,7 Prozent der Schüler mindestens einmal in ihrem Leben Zubito gespielt. Von den Schülern auf 7e, im Durchschnitt 13 Jahre alt, sind es immerhin 11,4 Prozent.

Trotz der positiven Aspekte sei die Tatsache, dass der kommerzielle Anbieter eigenverantwortlich für den Spielerschutz ist, insgesamt „ungesund“, sagt Duscherer. In den zuständigen Ministerien - einmal ist die Justiz, im andern Fall das Staatsministerium zuständig - sind die Anliegen des CePT jedenfalls bekannt und die Arbeiten an einer Reform der Glücksspielgesetzgebung wurden zumindest schon einmal aufgenommen. Dass es auch für den Staat um viel Geld geht, macht die Sache nicht einfacher. Außerdem drängen Anbieter aus dem Ausland auf den luxemburgischen Markt.

„Der Staat behauptet sich auf dieses Monopol. Das ist in unseren Augen eine gute Sache, wenn auf diesem Weg die Spieler geschützt werden“, sagt Duscherer. Allerdings unter der Bedingung, dass der Schutz der Jugend dabei garantiert ist.