Portugiesisch ist ohne Zweifel eine Weltsprache. Um im internationalen Pop-Business allerdings Fuß zu fassen und langfristig Erfolg feiern zu können, müssen auch portugiesische Künstler auf die „Popsprache“ Englisch um switchen. Davon kann R’N’B-Sängerin Kika Santos, die heute Abend in der Escher Kulturfabrik im Rahmen des Festivals „Portugal-Pop“ auftritt ein Lied singen: Die gebürtige Angolanerin wuchs in Portugal auf und feierte dort große kommerzielle Erfolge mit der Popband „Blackout“.
Ein Vertrieb von Santos erster Soloplatte „Ouro Azul“ außerhalb Portugals scheiterte allerdings an der sprachlichen Vielfalt: Da das Album neben einigen englischen Titeln auch R’N’B-Kompositionen auf Portugiesisch enthält, wollte kein Label das Risiko eingehen, das Werk international zu vermarkten. „Es gibt nur sehr wenige musikalische Genres - der Fado etwa -, wo das Portugiesische als Liedsprache akzeptiert wird“, erklärt Santos dem „Journal“ gegenüber. Die Sängerin musste am eigenen Leib erfahren, dass R’N’B auf Portugiesisch nur innerhalb der portugiesischen Landesgrenzen und vielleicht noch in Teilen Südamerikas funktioniert. Um ihre Solokarriere voranzutreiben wagte sie den sprachlichen Schnitt und spielte für ihr zweites Album nur Eigenkompositionen auf Englisch ein. Und siehe da: Seitdem sie exklusiv auf die englische Sprache setzt, klappt es auch mit dem Erfolg auf dem international hart umkämpften Musikmarkt. Der Sprachtausch stellte sie vor keine größeren Probleme: Natürlich sei das Portugiesische die Sprache ihres Herzens, die Sprache, mit der sie groß geworden sei. Doch letzten Endes spiele es für sie keine Rolle, ob sie ihre Lieder auf Portugiesisch oder Englisch singe.
Alter Pop, neuer Soul
Mit portugiesischem Pop feierte sie Charterfolge, den R’N’B hat sie aber schon in sehr jungen Jahren entdeckt und schätzen gelernt. „Ich glaube, dass ich dank dieses Genres überhaupt mein gesangliches Talent entdeckt habe“, erinnert sich Santos an ihre Jugend zurück und ergänzt: „R’N’B hat mir erlaubt, mich kontinuierlich als Künstlerin weiterzuentwickeln.“ Es war demnach nur eine Frage der Zeit, bis aus dem Popstar Kika die Soulsängerin Santos wurde.
Auf Wunsch des Veranstalters wird sie heute Abend den einen oder anderen „Blackout“-Titel performen, da für das Publikum Kika Santos in erster Linie die Sängerin dieser nach wie vor äußerst populären Band ist. Natürlich wird sie auch von der Gelegenheit profitieren einige oder vielleicht alle Stücke ihrer aktuellen EP „Art Beats from the Heart“ zu interpretieren.
Santos hätte sehr gerne anstatt der sechs Titel umfassenden EP ein komplettes Album aufgenommen. Die Stücke dazu waren alle geschrieben, allerdings konnten nicht alle Songs aufgenommen werden, weil entweder kein Studio zur Verfügung stand oder aber der Terminplan der engagierten Musiker Kika Santos einen Strich durch ihre Pläne machte. Santos hat sich dann dazu entschlossen das bereits produzierte Material auf einer EP unters Volk zu bringen. „Ich verzichte übrigens freiwillig auf die Zusammenarbeit mit einem Label, was mit sich bringt, dass ich mich um vieles selbst kümmern muss, wie z.B. um das Anmieten eines Aufnahmestudios oder die Verpflichtung von Gastmusikern.“
Santos hat mittlerweile auch die restlichen Kompositionen aufgenommen, diese kommen demnächst als „Art Beats from the Heart 2“ in die digitalen Plattenläden.
Dass sie nicht alle Titel in einem Atemzug aufnehmen konnte erwies sich nachträglich als Vorteil: Sie und ihre Band hätten einfach mehr Zeit gehabt, an den Titeln herumzufeilen und verschiedene Arrangements auszuprobieren.
www.kikasantos.com; www.kulturfabrik.lu - Das Festival beginnt um 20.00


